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Diagnose & Therapien

Die Anzahl der an Demenz erkrankten Menschen nimmt in Deutschland zu. Weit über zwei Millionen sind betroffen. Der Alltag verändert sich - Vergesslichkeit stellt sich ein. Unser Gehirn hat Schaden genommen und mit unserem Gedächtnis können wir nicht mehr kreative Ideen entwickeln, klare Gedankengänge sind nicht mehr möglich. Was hat sich alles im Laufe unseres Lebens an Erlebnissen und Erfahrungen angesammelt und doch lässt bei Demenz das Erinnerungsvermögen erheblich bis fast ganz nach.

Veränderungen

Sich auf Dauer nicht mehr erinnern zu können bedeutet: "Der Boden unter den Füßen wird entzogen; glückliche und bereichernde, aber auch sorgenvolle und traurige Zeiten waren abrufbar. Frohe Momente schafften Zufriedenheit; traurige Situationen gaben Kraft und Zuversicht für die Zukunft.
Am Anfang oft nicht ernstgenommen, schleicht sich Demenz ein. Vieles wird als harmlos und dem Alter entsprechend angesehen. Doch das Kurzzeitgedächtnis leidet zuerst. Während zunächst noch die Erinnerung der Vergangenheit, z. B. Kindheits-, Schul- und Ausbildungserlebnisse präsent sind, finden sich Erkrankte oftmals in der gewohnten Umgebung nicht mehr zurecht und verlieren schnell die Orientierung. Gewohnte Handgriffe des Alltages wie Kochen, Putzen, Waschen, Anziehen, Autofahren fallen immer schwerer. Schreitet die Demenz fort, ist auch das Langzeitgedächtnis betroffen. Orientierungslosigkeit und Gedächtnisverlust verändern massiv das Leben.
Die Ergebnisse bisheriger Forschung erklären zwar das Geschehen im Gehirn bei Demenz, aber wir sind noch weit von Behandlungsmöglichkeiten bzw. Heilung entfernt. Jeden Tag neu nehmen unsere Sinnesorgane wiederkehrende und neue Eindrücke auf; seien es Gefühle, Reize, Gerüche, Geräusche u. a. m. Unser Gehirn entscheidet ziemlich schnell, was da für uns wichtig ist und was wir speichern wollen. Über 100 Milliarden Nervenzellen, miteinander verbunden, bewerkstelligen dies.

Sprechen wir von Demenz, so ist das Zusammenspiel von Nervenzellen und Botenstoffen im Gehirn gestört. Auf Dauer findet eine Mangelversorgung der Nervenzellen statt und sie sterben ab.
Auf der ganzen Welt forschen Mediziner nach Ursachen und Therapien, die auf die Wiederherstellung der Signalwege abzielen. Dabei kommt der Nervenwachstumsfaktor BDNF (Brain-Derived: Neurotrophic-Factor) ins Spiel. Zum heutigen Zeitpunkt lässt sich sagen, dass kognitives Training ebenso effektiv ist wie die eingesetzten Medikamente.

Trotz des schwierigen Einsatzes von Medikamenten und Therapien mag es eine "Faustregel" geben:
  1. Lektüre: die grauen Zellen anregen
  2. Pillen und Pulver: nur fachärztlich verordnete Medikamente einnehmen
  3. Bewegung: den Körper fordern
  4. Sozialleben: Freunde treffen, gemeinsam lernen
  5. Schlafenszeit: den Geist zur Ruhe kommen lassen
  6. Denkaufgaben: kreativ trainieren
  7. Herz und Hirn: Risikofaktoren ausschalten
  8. Ernährung: gesund genießen
Wie kommt es zur Erkrankung?

Als Oberbegriff gilt Demenz für mehr als 50 Krankheitsformen. Jede dieser Formen verläuft sehr unterschiedlich.

Alzheimer und Demenz

Zu den Ursachen lässt sich sagen:
Diese und andere Formen der Demenzerkrankung sind nicht heilbar, sind aber durch gezielte Therapien beim Fortschreiten verzögernd wirksam.

Demenz im Alter

Auf alle Fälle sollte eine Facharztpraxis oder Gedächtnisambulanz aufgesucht werden.

Die Diagnose

Die fortschreitende Medizinforschung in der Feststellung einer Demenzerkrankung kann heute mehr. Für viele Menschen ist es leider immer noch ein Makel, an Demenz zu denken. Aber es geht ja um den rechtzeitigen Einsatz von Hilfsmöglichkeiten, um den Erhalt der Würde und Selbstständigkeit, um gelingendes Miteinanderleben.

Einzelne Verfahren sollen hier nicht benannt werden. In den Sprechstunden der Gedächtnisambulanzen kann allerdings durch etliche Termine ein Vergleich erfolgen, der es dem Mediziner erleichtert, eine gesicherte Diagnose zu stellen.

In Angehörigengruppen erzählen sich die pflegenden Angehörigen von ihren Erfahrungen und welche Methoden evt. Abhilfe schaffen.

Demenz in jüngeren Jahren

Alles war bisher normal. Schleichend treten Verminderungen im Gedächtnis, der Aufmerksamkeit, des Denkvermögens, der Sprache und fehlende Orientierung auf. Dies bringt für die Betroffenen, aber auch für die Familien, ganz besondere Belastungen mit sich. Die Berufstätigkeit muss aufgegeben werden und somit entstehen erhebliche finanzielle Auswirkungen. Oftmals leben auch noch minderjährige Kinder in den betroffenen Familien.

Passende Unterstützungsangebote gibt es in diesem und für dieses Alter kaum; oft werden sie als "Exoten" angesehen, weil Unverständnis und Unwissen vorhanden ist.

Medikamente richtig einnehmen

Ohne Plan geht nichts
Sie müssen regelmäßig Medikamente einnehmen? Dann hilft Ihnen ein Arzneimittelplan. Darin werden die wichtigsten Besonderheiten festgehalten:
  • Welches Medikament (Name, Konzentration, Anwendungsgebiet)?
  • Welche Dosierung zu welcher Tageszeit?
  • Stichworte, wie z. B. "nicht mit Milch einnehmen" oder "Einnahme vor dem Essen".
Gute Vorbereitung ist der halbe Erfolg
  • Nutzen Sie Wochen-Dosetts. Zur Befüllung die Arzneimittelschachteln und den Medikationsplan vor sich auf dem Tisch legen. Zunächst die Schach-tel mit dem kürzeren Haltbarkeitsdatum aufbrauchen, bevor Sie die neue Schachtel anbrechen.
  • Gehen Sie die Arzneimittelschachteln nach der Auflistung im Plan einzeln durch: Der Schachtel entnehmen, in das Dosett einfüllen, auf dem Medikamentenplan abhaken.
  • Das gefüllte Dosett an einen Ort legen, an dem Sie regelmäßig vorbeikommen, z. B. Küchenschrank. Praktische Tricks:
    • Wenn Sie z. B. ein Medikament abends einnehmen sollen, empfiehlt es sich, das Medikament auf den Nachttisch zu legen.
    • Wenn Sie ein Medikament nach dem Frühstück einnehmen sollen, können Sie die leere Verpackung neben den Kühlschrank legen. Wichtig ist, dass Sie an einem "Alltags"-Platz erinnert werden.
    • Wenn Sie Ihre Medikamente immer zu einer bestimmten Tageszeit einnehmen müssen, können Sie sich auch einen Wecker stellen. In der Apotheke gibt es dazu auch professio-nelle Ausführungen.
    • Wenn Sie die Medikamenteneinnahme vergessen haben sollten, fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wie Sie sich verhalten sollen.
Sichere Einnahme: Keine (große) Kunst.
  • Wenn möglich, Tabletten, Kapseln und Dragees immer stehend oder aufrecht sitzend mit einem Glas Leitungswasser einnehmen.
  • Hinweise / Tipps für Patienten, die schlecht schlucken können:
    • Ggf. nachfragen, ob es das Medikament auch in flüssiger Form oder als Tablette, die bereits im Mund zerfällt, gibt.
Bleibt eine Tablette/Kapsel in Hals oder Speiseröhre stecken, viel Wasser nachtrinken und ein kleines Stückchen Brot dazu essen.
Einige Faustregeln:
  • Eisentabletten immer mit einem Glas Orangensaft einnehmen.
  • Die meisten Medikamente mindestens im 2-Stunden-Abstand zu Milch- und Calciumprodukten einnehmen.
Tabletten richtig teilen. Gewusst wie.
Grundsätzlich lassen sich nur Tabletten mit tiefer Bruchkerbe sicher teilen. Leider haben manche eine flache Einkerbung, die wie eine Bruchkerbe aussieht: Diese Tabletten dürfen trotzdem nicht geteilt werden.
  • In der Regel dürfen retardierte oder magensaftresistente Tabletten nie geteilt werden. Klären Sie das deshalb unbedingt ab, wenn Sie unsicher sind. Viele Tabletten verlieren dadurch ihre Wirkung oder es wird zu viel Wirkstoff auf einmal freigesetzt.
Tropfen genau dosieren: So wird´s gemacht.
Tropfflasche ruhig halten: Senkrecht bei Zentraltropfern bzw. schräg bei Randtropfern.
  • Nicht schütteln, sonst verändert sich die Tropfengröße unkalkulierbar.
  • Richtiges Abzählen gelingt am besten, wenn Sie die Dosierung "hörbar" machen, indem Sie die Tropfen in einen leeren Plastikbecher zählen.
Hält die Seele Schritt?

Über einen oft sehr langen Zeitraum spielte sich der Alltag ein. Rollenverhältnisse, Verantwortlichkeiten und Erwartungen wurden geklärt.
Frohe Momente haben das gemeinsame Leben bereichert. Schicksalsschläge wurden gemeistert.

Und nun das: Diagnose Demenz.
Plötzlich verändert sich vieles bis alles. Erlebtes wird infrage gestellt. Belastungen im täglichen Umgang werden zur "Last". Aber es muss ja weitergehen. Anderen ja nicht zur Last fallen.
Viele Angehörige schleppen sich so über lange Zeit dahin. "Ich musste ja funktionieren", hören wir später, wenn endlich Hilfe angefragt wird. Leib und Seele schafft - das die Seele? Einfühlungsvermögen, Geduld und Grundkenntnisse dieses Krankheitsbildes sind auch nötig; aber die Seele? Vordergründig geht es um Auszeiten, Entspannung bei aller Anspannung. Die Gefahr der Isolierung ist nicht zu unterschätzen. Betroffene Menschen sind sehr verletzlich geworden, darum will Seelsorge zur Würde verhelfen.

Die 12 goldenen Regeln für den Umgang mit Menschen mit Demenz
  1. Augenkontakt! Augenhöhe!
  2. Echte, hilfreiche Begegnung findet immer auf Augenhöhe statt.
  3. Wie man in den Wald hineinruft...
  4. Wenn Sie ungeduldig, genervt und bevormundend mit dem dementen Menschen sprechen - was soll dabei herauskommen? Freundlichkeit gewinnt!
  5. Einfache Sprache!
  6. Möglichst nicht mehr als 5 Wörter in einem Satz. Keine Warum-Fragen.
  7. Zuhören und ernst nehmen.
  8. Auch mit scheinbar wirren Aussagen möchte uns der demente Mensch etwas mitteilen. Hören Sie auf den Gefühlsausdruck! Welche Resonanz spüren Sie in den Gefühlen?
  9. Langsam ist am schnellsten.
  10. Durchatmen. Einen Gang zurückschalten. Langsam sprechen!
  11. Jeder macht sich gerne nützlich.
  12. Geben Sie dem dementen Menschen Alltags-Aufgaben, die er bewältigen kann. Ohne Aufgaben und kleine Erfolgserlebnisse verliert der Mensch den Lebensmut.
  13. Feste gewohnte Strukturen/Rituale!
  14. Das Altbekannte, das Gewohnte gibt Halt und Sicherheit. Neues macht Angst.
  15. Der Demente hat immer recht.
  16. Diskussionen führen nur zu schlechter Stimmung und sonst zu nichts. Bedenken Sie: Der demente Mensch hat morgen alles vergessen - nur die schlechte Stimmung nicht!
  17. Mit Humor geht alles leichter.
  18. Natürlich aber nur mit dem dementen Menschen lachen - nicht über ihn!
  19. Reize dosieren!
  20. Keine Dauerberieselung mit Radio oder TV! Aber immer wieder die Sinne anregen mit alten Liedern, vertrauten Gerüchen, frische Luft, Sonne, Natur, Bewegung.
  21. Hören Sie nie auf zu reden!
  22. Auch wenn der demente Mensch nichts mehr versteht und selbst nicht mehr spricht: Er hört die vertraute Stimme. die Wärme in der Stimme, den wohlmeinenden Tonfall. (Natürlich ist nicht gemeint, sie sollten ständig quasseln)
  23. Berührung, Trost, Nähe geben!
  24. Der Mensch braucht Berührung eines anderen Menschen, braucht körperlichen Trost und Beistand. Der Körper versteht die Zeichen der Zuneigung, die der Verstand nicht mehr versteht. Das Herz wird nicht dement.
Nach Buijsen, Huub: "Die magische Welt von Alzheimer", 2015. Text bearbeitet und zusammengefasst - dort sind 25 Regeln zu finden.

Mehr Infos: www.aktiv-mit-senioren.de

Geistig fit bleiben - mit 10 Maßnahmen Demenz vorbeugen

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass es eine ganze Reihe von beeinflussbaren Faktoren gibt, mit denen man das Risiko von Demenzerkrankungen deutlich reduzieren kann. Vor allem ein gesunder und aktiver Lebensstil spielt dabei eine große Rolle. Doch dieses Wissen ist bisher wenig verbreitet.

1. Beziehungen pflegen
2. Neugierig bleiben
3. Pausen einlegen und für Entspannung sorgen
4. Auf guten und erholsamen Schlaf achten
5. Eine Hör- oder Sehhilfe nutzen, wenn notwendig
6. Sich aktiv bewegen: Sport treiben, spazieren gehen, schwimmen
7. Sich ausgewogen ernähren und Übergewicht vermeiden
8. Mäßig Alkohol trinken und mit dem Rauchen aufhören
9. Den Kopf schützen
10. Grunderkrankungen behandeln lassen

Weitere Informationen
Eine ausführliche Vorstellung der Materialien zu "Geistig fit bleiben - mit 10 Maßnahmen Demenz vorbeugen" finden Sie unter: www.gesund-aktiv-aelter-werden.de/fachinformationen/demenzpraevention

Bestellung über: news@deutsche-alzheimer.de
Fragen zum Projekt beantwortet:
Susanna Saxl-Reisen
E-Mail: susanna.saxl@deutsche-alzheimer.de

Ernährung - damit muss man rechnen ...

...denn wer wollte es verheimlichen: mit zunehmendem Alter gibt es "Umbauprozesse".

Knochen- und Muskelmasse, Körperwasser und Nervengewebe nehmen ab. Zwangsläufig sinkt auch der Energiebedarf. Tritt die Muskelmasse zurück, so betrifft es z. B. nicht nur die Skelettmuskulatur, sondern auch die Muskulatur des Darmes. Die Verlangsamung bei der Verdauung ist die Folge. Nimmt die Verminderung des Nervengewebes Einfluss im Körper, so verändert sich die Nahrungsaufnahme, auch die Verdauung, und als Folge stellen sich Veränderungen des Geruchs- und Geschmackssinnes ein. Selbst das Gleichgewicht unterliegt einer Veränderung, so dass die Sturzgefahr im Alter nicht ausgeschlossen ist.
Es darf auch zu keiner Mangelernährung z. B. durch Gewichtsverlust, Zahn- und Zahnprothesenproblemen kommen, genauso muss auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden.
Wie sieht es aus mit folgerichtigem Umgang mit dem Essbesteck?
Ratsam sind über den Tag verteilte kleinere Mahlzeiten. Größere Mengen werden schnell kalt und schrecken gefühlsmäßig ab. Die Ernährung ist lediglich ein Baustein im Verlauf der Erkrankung - jedoch trägt die richtige Ernährung zum Wohlbefinden bei.

Angehörige und Pflege-Dienstleister geraten dadurch nicht selten unter Druck. Mangelernährung stellt immer ein ernährungsbezogenes Gesundheitsrisiko da. Appetitlosigkeit und Nahrungsverweigerung bis hin zum Vergessen der Nahrungsaufnahme sind Auslöser für dieses Krankheitsbild. Schaffen Sie eine entspannte Atmosphäre während der Mahlzeiten.

Auch auf nicht so gute Momente muss eingegangen werden, denn Essen ist immer für Leib und Seele. Immer wieder, auch beim Essen, kommt es auf Zuwendung und ggf. Tröstung an. Scheuen Sie sich nicht, auch Lieblingsessen aus Kindertagen herzurichten.

Hektik und "Lieblosigkeit" sind "Gift" - nicht immer ist es einfach für die Pflegenden, in Ruhe und Gelassenheit Essen und Trinken vorzubereiten und anzubieten.

Doch frühere Gewohnheiten sind oft Auslöser für negative oder positive Reaktionen. Und alles soll das Gefühl vermitteln: ich bin hier sicher. Erfährt der Demenzkranke das Gegenteil, kann es zum Abbruch der Mahlzeit kommen. Störende Geräusche sollten immer vermieden werden.
Für den Demenzkranken ist das Erfahren von Sicherheit und Stabilität ganz wichtig und: auch jeder Pflegende profitiert davon, weil das Gefühl des Wohlfühlens für beide Seiten wunderbar ist.

Gut Essen...
Bei Demenzpatienten nicht immer leicht.
(Text der Apotheken im Bezirk Goslar-Salzgitter)

Das kennt jeder Mensch: Bei Zeitdruck schmeckt das Essen oftmals nicht. Ebenso können belastende Krankheiten den gesunden Appetit hemmen. So erkennt man: Erst Ruhe und Entspanntheit geben der Freude am Essen den nötigen Rahmen. Doch diese stabile Umgebung ist für Demenzpatienten oftmals in Unordnung geraten. So können sich Betroffene von der Situation am Tisch leicht überfordert fühlen: Wie ging das denn noch mit dem Besteck, warum schwappt die Suppe ständig über den Tellerrand? Scheinbar einfache Tätigkeiten können zu Stressoren werden. Gerade zum Beginn der Erkrankung paart sich zur Orientierungsunsicherheit ein Gefühl der Scham. Wer vor einem gefüllten Teller sitzt und sich erst mühsam wieder bewusst macht, was als nächstes zu tun ist, ist oftmals peinlich berührt.

Vom guten Miteinander
Wer im Umgang mit dementiell Erkrankten unerfahren ist, ist vielleicht versucht, besonders sachlich zu argumentieren. Und lässt leicht die Falle Überforderung zuschnappen. Auch das Gegenteil ist oft wenig hilfreich: Wird der Tonfall zu kindlich, reagiert der Erkrankte vielleicht mit Ärger und Verweigerung, weil er den Verlust von Respekt und Würde spürt.
  • Der Ton macht die Musik. Empfehlenswert ist eine ruhige, liebevolle Ansprache.
  • Je mehr Eigenständigkeit möglich, desto besser. Vorhandene Fähigkeiten fördern, aktives Mitmachen loben.
  • Richtig fragen. Nicht bedrängen. "Hast du Hunger?" ist besser als "Du musst jetzt endlich etwas essen".
  • Zeit für neue Ansätze einplanen: Es kann oft helfen, das abgelehnte Essen wenige Minuten später noch einmal anzukündigen.
Wie könnte ein gut vorbereiterer Essbereich aussehen?
  • Den Tisch übersichtlich decken und nur Gegenstände auf dem Tisch belassen, die notwendig sind.
  • Kontraste schaffen, damit die Speisen gut erkannt werden: Einfarbige Teller, einfarbige Tischdecken. Weiße Speisen wie etwa Quark, Fischfilet, Blumenkohl und Reis besser auf farbigem Geschirr servieren.
  • Tisch gut ausleuchten.
  • Ruhige Atmosphäre anstreben: Kein TV, kein Radio, kein Straßenlärm.
Wie sollten die Speise am besten serviert werden?
  • Nicht zu heiß bzw. zu kalt servieren. Demenz-Erkrankte merken oft nicht, wenn etwas zu heiß ist, und verbrühen sich.
  • Menuegänge getrennt auftischen: Viele verschiedene Gerichte verwirren unnötig. Erkrankte können sich nicht entscheiden, was sie essen sollen; also gerne erst die Kartoffel und dann die Erbsen servieren.
  • Immer auf Veränderung von Vorlieben gefasst sein: Wer früher lieber Saures oder Bitteres möchte, kann durchaus auf Süß umsteigen. Probieren geht über Studieren.
  • Zeit mitbringen: Je mehr Muße ein verwirrter Mensch beim Essen hat, desto mehr wird er letztendlich essen.
  • Wenn möglich: Gemeinsam essen. Mit vertrauten Menschen am Tisch haben Demenz-Patienten mehr Appetit. Außerdem: Das Vorbild eines Mitessers kann durchaus eine "technische" Erinnerungshilfe sein, der man gerne folgt.
Was sind Anforderungen an die Speisen, Getränke?
  • Viele essen und trinken zu wenig, weil sie weder Hunger noch Durst spüren. Immer wieder Essen und Trinken anbieten. Evtl. an einigen Stellen in der Wohnung "Imbissstationen" einrichten.
  • Die betroffenen Personen mit genügend Kalorien und Flüssigkeit versorgen: Vor allem unruhige Kranke mit hohem Bewegungsdrang müssen ausreichend essen, um nicht an Gewicht zu verlieren und in eine Mangelernährung zu geraten. Auf hohe Energiedichte achten.
  • Möglichst oft Gerichte anbieten, die die Betroffenen lange kennen und lieben.
Was kann man sonst noch tun?
  • Mahlzeiten regelmäßig zur selben Tageszeit anbieten.
  • Für körperliche Bewegung sorgen.
  • Auf Befindlichkeitsstörungen achten: Verstopfung löst Völlegefühl und Unbehagen aus. In der Apotheke nach Hausmitteln fragen, z. B. nach Lactulose-Sirup.
  • Wenn der Umgang mit Messer und Gabel schwerfällt, versuchsweise auf Finger-Food-Angebote setzen bzw. Essen in mundgerechte Stücke schneiden, die mit den Fingern gegriffen werden können.
  • Unruhigen Menschen, die kaum sitzen bleiben wollen und viel herumwandern, Mahlzeiten mit "auf den Weg" geben (z. B. Klappstullen oder Brötchen).
Gibt es andere Gründe für mangelnden Appetit?
  • Natürlich haben Demenz-Patienten auch andere Erkrankungen. Deshalb nachforschen, ob solche zusätzlichen Krankheiten die Nahrungsaufnahme beeinträchtigen können, z. B. schlecht sitzende Zahnprothesen, Depressionen, nicht ausreichend behandelte Schmerzen, Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes.
  • Und immer gilt: Fragen Sie Arzt und Apotheker zur Medikation. Man sollte die Arzneimittel vermeiden, die zu reduziertem Hunger führen können, wie z. B. einige Herzmittel, einige Antibiotika, einige Antidepressiva.
Medizinische Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen für Pflegende Angehörige

Pflegende erbringen eine wertzuschätzende Leistung in der Versorgung von Angehörigen in der Häuslichkeit. Die Pflege ist nicht nur eine große Belastung, die viel Zeit in Anspruch nimmt, sondern ist auch eine seelische und körperliche Anstrengung und Belastung. Erschöpfung, Unruhe, Schlafstörungen, Rücken- und Kopfschmerzen, Einsamkeit und soziale Isolation sind einige Symptome, die bei Pflegenden auftreten können, wenn die Belastungsgrenze erreicht ist.

Eine medizinische Vorsorgemaßnahme (früher Kur), soll Krankheiten vermeiden die medizinische Rehabilitationsmaßnahme (Reha) soll bereits vorhandene Krankheiten heilen oder mindern. Die Kurberatung und -vermittlung berät, unterstützt und begleitet bei Beantragung einer stationären Kur.

Voraussetzungen für eine Kur, auf die ein gesetzlicher Anspruch besteht:
  • Sie sind länger als 6 Monate pflegende Angehörige oder pflegender Angehöriger.
  • Der MDK (Medizinische Dienst der Krankenversicherung) hat die Pflegebedürftigkeit Ihres Angehörigen offiziell festgestellt.
  • Ihr behandelnder Arzt oder Ihre Ärztin bestätigt mit einer Verordnung (Kuranspruch nach §§ 23 bzw. 40 SGB V), dass eine stationäre Vorsorgemaßnahme oder Rehabilitation notwendig ist.
  • Sie sind gesetzlich krankenversichert. Bei privaten Anbietern muss im Versicherungsvertrag geprüft werden, ob eine solche Kur abgedeckt ist.
Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus

Aufgrund einer akuten Erkrankung ergibt sich unter Umständen für demenziell veränderte Menschen ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus.

Je nach Schweregrad der Demenz und Krankheit verändert sich für demente/kognitive beeinträchtigte Menschen plötzlich der bisherige Lebensrhythmus. Eine zeitnahe Diagnostik, Therapie sowie schnellstmögliche Genesung stehen während des Aufenthaltes im Vordergrund. Die Demenz selbst wird nicht therapiert, erschwert jedoch oftmals den Genesungsprozess der Betroffenen, da diese mit der Situation überfordert sind, bspw., wenn plötzlich eine Bettruhe eingehalten werden muss.

Diese Patient*innen benötigen gefestigte Strukturen - plötzlich sind diese nicht mehr vorhanden, aufgrund der kognitiven Einschränkung sind die Betroffenen überfordert und reagieren häufig mit Verwirrtheit, Ängsten oder Aggressivität.