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Chronik Raschau

800 Jahre bewegte Geschichte: Von der Gründung bis zum 19. Jahrhundert

Die Geschichte von Raschau im Erzgebirge reicht über 800 Jahre zurück. Im Zuge der Ostbesiedlung brachte der Reichsministeriale Henricus de Zedelitz im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts 22 Bauernfamilien in das Tal des Mittweida-Flusses. Die älteste schriftliche Erwähnung datiert auf 1240, als Raschau und Markersbach dem Kloster Grünhain zugeschlagen wurden. Archäologische Funde von 1205/06 belegen jedoch, dass bereits vorher eine hölzerne Kirche und eine Mahlmühle existierten.

Wirtschaftlicher Wandel durch Bergbau und Industrie
  • 1401: Der Grünhainer Abt kauft den Eisenhammer an der Ortsgrenze zu Mittweida (später "Pöckelhammer"). Anfang des 16. Jahrhunderts boomt der Eisenbergbau.
  • 1588: Ausländische Hüttenarbeiter errichten Häuser, woraus der Ortsteil Langenberg entsteht.
  • Dreißigjähriger Krieg (1618-1648): Nach anfänglich erfolgreicher Verteidigung folgt am 20. August 1632 die Katastrophe: Kaiserliche Truppen brennen den Pöckelhammer nieder. Plünderungen, Hunger und Pestepidemien (1626, 1633, 1637) dezimieren die Bevölkerung; die Erholung dauert Jahrzehnte.
  • Um 1680: Neuer Aufschwung im Bergbau (Erze und Silber). Kultur und Bildung werden fortan stark von der evangelisch-lutherischen Kirche geprägt (Erweiterung der Allerheiligenkirche 1698).
  • Nach dem Siebenjährigen Krieg: Raschau zählt ca. 1.300 Einwohner. Neben dem Handwerk (u. a. Löffelmacher) breitet sich das Klöppeln aus. Missernten und Unwetter bringen 1771/72 und 1804/05 Hungersnöte.
Krise, Industrialisierung und die Weltkriege

Mitte des 19. Jahrhunderts stagniert der Bergbau, Arbeitslosigkeit führt 1854 zur Auswanderung vieler Familien.
Die Wende bringt die Korkproduktion ab 1855 (Firma Merkel, später Lindemann), die bis 1913 auf 350 Arbeiter anwächst und die Arbeiterbewegung begründet.

Bis 1912 entstehen 20 Fabriken, die Infrastruktur (Wasser, Gas, Strom) wird ausgebaut. Die 1889 eröffnete Bahnlinie Schwarzenberg - Annaberg begünstigt das Wachstum.
Langenberg bleibt bis 1924 eigenständig. Der Erste Weltkrieg fordert 122 Opfer aus der Gemeinde. In den 1920er Jahren wird die KPD stärkste Kraft im Gemeinderat. Nach Inflation und Weltwirtschaftskrise übernehmen 1933 die Nationalsozialisten die Macht. Der Zweite Weltkrieg bringt unzählige Opfer, der Ort selbst bleibt jedoch von Bomben verschont.

Die DDR-Zeit (1945-1990)

Nach dem Kriegsende im Mai 1945 organisieren "Aktivisten der ersten Stunde" die Lebensmittelversorgung. 1946 stimmen 88 % der Bürger für die Enteignung der Betriebe von Kriegsverbrechern.

Infrastruktur- und Wohnungsbau
  • Wismut-Bergbau: Um den Zuzug von Kumpeln zu bewältigen, entsteht ab 1950 die "Siedlung des Friedens" mit 79 Wohngebäuden, gefolgt von den "Investhäusern" 1951.
  • Soziales & Freizeit: Es entstehen mehrere Kindergärten, die Rudolf-Harbig-Sportstätte (1958), das Freibad am Pöckelwald (1966) sowie das Kulturhaus "Glückauf" (1963).
  • Modernisierung: Durch den Bau des Pumpspeicherwerkes erhält der Ort Anschluss an die heutige B 101. 1969-1971 entsteht das Rudolf-Harbig-Wohngebiet für 336 Familien inklusive einer modernen Oberschule (1973).
1979 erreicht Raschau mit 6.076 Einwohnern einen Höchststand. Im Sommer 1990 wird das 750-jährige Jubiläum gefeiert.

Entwicklung seit der Wende (ab 1990)

Nach 1990 zeigt sich ein gespaltenes Bild. Einerseits investiert die Gemeinde erfolgreich in die Modernisierung von Straßen, Wohnraum, Rathaus, Schule und Freibad. Am 1. Januar 2008 schließen sich Raschau und Markersbach zusammen.

Andererseits führt der wirtschaftliche Strukturwandel zu Rückschlägen:
  • Schließungen & Abrisse: Zahlreiche Fabriken wurden stillgelegt; die historische Korkfabrik wird 2009 abgerissen. Kultur- und Volkshaus stehen leer oder sind Ruinen.
  • Infrastrukturabbau: Die Mittelschule in der Siedlung sowie wichtige soziale Treffpunkte werden geschlossen.
Bleibt die Hoffnung, dass die vereinigte Gemeinde Raschau-Markersbach eine gute Zukunft für alle Einwohner erleben möge.

Autor: Siegfried Hübschmann (ausführliche Chronik einzusehen unter www.raschau-markersbach.de/gemeinde/ortsteile-geschichte/ortsteil-raschau)