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Die Stadt bei der Burg

Von den Anfängen einer Stadt

Die Seen um Ziesar boten bereits den Germanen ausreichende Lebensgrundlagen, wie der 1935 gefundene, ca. 9 Meter lange Einbaum belegt, der aus dem 1./2. Jahrhundert stammt. Als slawische Stämme im 6. Jahrhundert in die Gegenden zwischen Oder und Elbe einwanderten, errichteten sie hier eine Burg und siedelten in ihrem Schutz. Der dreisilbig gesprochene Name Zi-e-sar ist slawischen Ursprungs und verweist auf die natürlichen Gegebenheiten: »Ort hinter dem See«.
In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erwuchs am Handelsweg zwischen Magdeburg und Brandenburg eine neue Siedlung, die schon bald städtischen Charakter annahm. Daneben gab es noch die slawische Siedlung bei der Burg (Petrivorstadt), die zusammen einen eigenen, nicht zur Stadt gehörenden Rechtsbezirk bildeten. Mit dem Ausbau der Burg zur Residenz der Bischöfe von Brandenburg ab der Mitte des 14. Jahrhunderts erhielt der Ort vermutlich 1373 das Stadtrecht von Bischof Dietrich von der Schulenburg (1366-1399). Doch eine Residenzstadt ist Ziesar nicht gewesen, da keine bischöflichen Verwaltungseinrichtungen hier angesiedelt waren, sondern eine Stadt bei der Burg der Bischöfe.

Die Stadt Ziesar und ihre Straßennamen

Wer bei einem Rundgang durch historische Stadtkerne - in Ziesar oder anderswo - auf Straßennamen achtet, wird häufig an die mittelalterliche Vergangenheit erinnert: so verweisen in Ziesar die Straßen »Brandenburger Tor«, »Petritor«, »Mühlentor« und »Frauentor« auf vier Stadttore, die einst an den zentralen Wegeverbindungen den Verkehr durch den Ort regulierten. Die Straßen »Wallgraben« und »Angergraben« bezeugen die Umwehrung der Stadt mit Gräben. Stadtmauern gab es nicht. Die Lage Ziesars zwischen vielen Seen, die heute nicht mehr vorhanden sind, bot in Kombination mit Gräben und einfachen Wall-Planken-Zäunen ausreichend Schutz. In der »Badstraße« gab es eine für das städtische Leben wichtige Hygieneeinrichtung: die Baderei.

Dass in Ziesar schließlich Wein angebaut wurde, wie die Straße »Am Weinberg« belegt, mag den Liebhaber des Rebensafts überraschen. Wein wurde vor allem für Gottesdienste benötigt, teure Importe kamen dafür nicht infrage.