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Langelsheim - eine Harzstadt mit Geschichte

Die Stadt Langelsheim, so wie wir sie heute kennen, existiert auf der politischen Landkarte erst seit dem 01. Juli 1972. Die fünf vormals selbständigen Stadtteile Astfeld, Bredelem, Langelsheim, Bergstadt Lautenthal und Wolfshagen im Harz sind natürlich wesentlich älter.
Langelsheims erste Gründungsanfänge gehen bis in die germanische Zeit zurück, wie Ausgrabungen einer Karolinger Burg am Kanstein aus dem 8. Jahrhundert zeigen. Ein Modell der Kansteinburg ist im Langelsheimer Heimatmuseum zu besichtigen. Funde aus der jüngeren Steinzeit belegen, dass Langelsheim ein alter Siedlungsort ist. Über die Bezeichnungen Laggenizze und Lagneze findet sich erst
1792 der Name Langelsheim in seiner heutigen Schreibweise.
Langelsheim mit dem Kanstein liegt am insgesamt ca. 88 km langen Wanderfernweg "Königsweg". Unter dem Motto "Wege deutscher Kaiser und Könige" führt der Weg von Schloss Brüggen bei Gronau bis zur Pfalz Werla bei Schladen.
Infolge der wirtschaftlichen Bedeutung wurde Langelsheim 1653 zum Sitz eines fürstlichen Amtes erkoren, dem die Dörfer Wolfshagen und Astfeld, die Gebiete der Herzog Juliushütte und Frau Sophienhütte, der Auerhahn und ein Bezirk vor dem Goslarschen Claustore zugeteilt wurden. Der Adelshof (1320) oder Junkernhof (1641) war der Amtssitz, dem Rechtsprechung, Jagden und Zehnten sowie Brau- und Kruggerechtigkeit unterstanden. Später beherbergte er das Staatliche Forstamt Langelsheim und befindet sich heute in Privatbesitz.
Die Entwicklung des größten Stadtteils vom Amtsflecken zur Stadt hat sich von alters her in die jüngste Zeit erhalten und ist heute vorwiegend von Industrie, Gewerbe und Handwerk geprägt, wobei die Land- und Forstwirtschaft noch eine gewisse Bedeutung haben.
Wald, Wasser und Bodenschätze, verbunden mit seit jeher günstigen Verkehrsverbindungen, führten zum Aufblühen des Harzer Bergbaues und der zahlreichen Erzverhüttungsbetriebe, die die Entwicklung der Stadt bestimmten. Dabei war die nahe Lage zu Goslar und dem Rammelsberg von erheblicher Bedeutung, denn die durch Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel geschaffenen Herzog-Juliushütte und Frau Sophienhütte verhütteten jahrhundertelang den größten Teil der Rammelsberger Bleizinkerze.
Erst am 01.09.1951 wurden Langelsheim die Stadtrechte verliehen. Das Stadtwappen zeigt auf grünem Schild über goldenem Hirschgeweih ein silbernes Zahnrad, belegt mit silbernem Pickel und Spaten. Die offizielle Stadtflagge trägt die Farben Grün-Silber (Weiß), die untereinander angeordnet sind.

Der Ort Astfeld ist etwa 1000 Jahre alt. Ob die Gründung "feld" im karolingischen Zeitalter mit der Viehhof-Versorgungsstelle der karolingischen Kansteinburg, mit Erzverhüttung um 970 oder dem Sitz eines königlichen Forestarius (Forstamt) mit der Sudburg bei Oker im Zusammenhang steht, ist nicht erwiesen. In Dunkel gehüllt sind auch das erste Auftreten der Ritter von Astvelde und die Entstehung des Edelhofes und späteren Rittergutes.
Erst 1909 wurde der Ortsteil Herzog Juliushütte als politische Gemeinde gegründet und am 01.01.1970 nach Astfeld eingemeindet. Der gleichnamige Hüttenbetrieb hatte seine fast 400 Jahre bestehende Produktion bereits 1969 eingestellt. Nach Schließung der Herzog Juliushütte siedelte sich auf dem Gelände eine Produktion für Seltenmetalle an.

Das Dorf Bredelem, bereits 1147 erwähnt, war Sitz eines Herrengeschlechtes von Bredenheim oder später Bredenem, das bereits im frühen Mittelalter ausgestorben ist. Seit dem Mittelalter gehörte Bredelem zum Bistum Hildesheim. Durch die Hildesheimer Stiftsfehde kam Bredelem zum Kurfürstentum und späteren Königreich Hannover, das 1866 durch Preußen annektiert wurde.
Ein verheerendes Feuer im Jahr 1830 zerstörte Bredelem fast vollständig. Man baute es mit breiteren Wegen und Straßen wieder auf, um künftig derartige Katastrophen zu verhindern.
In der nach dem Brand bis 1847 erbauten St. Matthäus-Kirche zu Bredelem finden sich noch einige Reste der durch das Feuer zerstörten Vorgängerkirche. Sehenswert ist die von Philipp Furtwängler 1847-1848 geschaffene Orgel mit 17 Registern.

Ein Wappen gab sich der Stadtteil Bredelem erst im Jahr 2002. Auf Gelb und Rot zeigt es ein Kreuz mit Wellen. Das Kreuz steht hierbei sinnbildlich für die frühere Zugehörigkeit zum Fürstbistum Hildesheim, soll aber auch an die Kreuzung der Dorfstraße und der alten Heerstraße erinnern. Die Wellen symbolisieren den Fluss Innerste. Gelb-Rot in der linken Hälfte des Wappens wurde für die fürstbischöflich-hildesheimischen Farben gewählt. Im rechten Teil stehen die Farben gegensätzlich für die herzoglich-braunschweigischen Stammwappenfarben.

Obwohl schon erstmals im 12. Jahrhundert Bergknappen in die Wildnis des Oberharzes eindrangen und nach Erz schürften, kam erst im 15. Jahrhundert durch den Erzfund des Bergmanns Kaspar Bitter und die Unterstützung des Herzogs Heinrich des Jüngeren zu Braunschweig der Bergbau in Lautenthal zu neuer Blüte. In diese Zeit fällt auch die Ansiedlung des Ortes Lautenthal um 1538, obwohl der Name schon im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt wird.
Lautenthal erhielt die bergfreiheitlichen Stadtrechte mit Rat und Richter im Jahr 1613. Die Einwohner waren damit vom Militärdienst und von der Zahlung einiger Steuern befreit. Mit der Grube,,Lautenthals Glück" war ab 1600 durch den Bergbau auf dem Harz ein neues blühendes Wirtschaftsgebilde entstanden. Gefördert wurden überwiegend Silbererze. Die ehemalige Grube beheimatet heute das gleichnamige, über die Grenzen der Bergstadt Lautenthal hinaus bekannte Bergwerksmuseum. Als besondere Besucherattraktion wird hier unter Tage eine Fahrt in einem originalgetreuen Erzkahn angeboten. Mit der Eingemeindung in die neue Stadt Langelsheim ging die Bezeichnung "Bergstadt" verloren. Auf Betreiben des Ortsrates Lautenthal wurde der Namenszusatz aber erfreulicherweise im November 2013 durch den Niedersächsischen Innenminister wieder verliehen.

Urkundlich erwähnt ist der staatlich anerkannte Luftkurort Wolfshagen im Harz als Holzhauer- und Köhlerdorf "Wulveshagen" im Jahr 1316. Die Gründung erfolgte vielleicht ein Jahrhundert früher, nachdem die Verhüttung der Erze von den Montanen in die Harzwälder an sogenannte Silvanen übertragen wurde. Der immense Holzbedarf für die Schmelzöfen machte dies erforderlich. In Meilern wurde das Holz zu Holzkohle verarbeitet, um damit die sogenannten Rennöfen zu befeuern.
Die Geschichte des Bergbaus um Wolfshagen im Harz ging im frühen 20. Jahrhundert ihrem Ende entgegen. Bereits 1884 wurde Wolfshagen im Harz als "Klimatischer Kurort" anerkannt. 1890 erhielt es den Status "Luftkurort" und es erfolgte der Bau des ersten Kurhotels.
Berühmtester Sohn des Ortes ist der Klavierbauer Heinrich Engelhardt Steinweg, der hier 1797 geboren wurde und später in den USA als Henry Steinway die weltbekannte Firma Steinway & Sons gründete.