Wer Draiflessen in Mettingen besucht, begegnet nicht nur moderner Architektur und einer beein- druckenden Sammlung, sondern wandelt auch auf den Spuren einer traditionsreichen Unternehmerfamilie. 2009 legte die Familie Brenninkmeijer mit ihrer privaten Initiative den Grundstein für einen Ort, der Kunst, Kultur und Dialog unter einem Dach vereint. Die Wahl des Standorts ist dabei alles andere als Zufall: Sie knüpft direkt an die westfälischen Wurzeln und das Traditionsbewusstsein der Familie an. Das Grundstück Draiflessens blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück: Bereits 1937 erwarb die Familie die Fläche, ursprünglich gedacht als Schülerheim für den eigenen Nachwuchs. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Villa zur Zentrale der C&A-Betriebe, da die Hauptverwaltung in Berlin zunehmend durch Bombenangriffe bedroht war. Nach Kriegsende setzte die Familie auf Innovation: 1949 entstand ein Fabrikationsgebäude für Knaben- und Herrenkonfektion, das sich im Laufe der Jahrzehnte immer wieder wandelte – von der Massenproduktion bis zur Herstellung von Kleinserien und Modellen, bevor 2004 schließlich die Produktion eingestellt wurde. Kunst, Kultur und Dialog Mit dem Neustart 2005 begann eine neue Ära: Die Vision eines Ortes für Kunst und Begegnung wurde geboren. Der 2009 fertiggestellte Neubau überzeugt nicht nur architektonisch, sondern erfüllt auch höchste Standards in Sachen technischer Ausstattung und konservatorischer Anforderungen. Draiflessen Conference richtet Tagungen in professionell ausgestatteten Seminarräumen aus und veranstaltet Konzerte unter dem Label meetMUSIC, während die Draiflessen Collection – das Museum – eine erlesene Kunstsammlung beheimatet und epochenübergreifende Kunstausstellungen zu Themen und Fragen unserer Zeit zeigt. Darüber hinaus bewahrt sie ein umfangreiches Archiv, in dem Zeugnisse der Familien- und Unternehmensgeschichte nicht nur gesammelt, sondern auch wissenschaftlich aufgearbeitet werden. Das Gebäude Nachhaltigkeit ist in Draiflessen mehr als nur ein Schlagwort: Sie spiegelt sich sowohl in der Materialwahl als auch in der Energieversorgung wider. Die halbrunden Säle des Gebäudes bieten neben dem Blick auf den weitläufigen Park eine perfekte Akustik für Konferenzen und Konzerte. Architektonische Details wie das Sheddach und die Lichtdecke in der Hauptausstellungsfläche des Museums schlagen gekonnt die Brücke zwischen industrieller Vergangenheit als Fabrikationsstätte und inspirierender Gegenwart – und laden, samt Museumscafé und Shop zum Verweilen und zum Austausch ein. Geschichte Die Geschichte der Brenninkmeijers beginnt jedoch schon viel früher. Als Nachfahren der sogenannten Tüötten – wandernde Leinenhändler des 17. und 18. Jahrhunderts – ist der Bezug zur westfälischen Heimat und der Stolz auf die familiären Wurzeln bis heute spürbar. Mit Draiflessen hat die Familie nicht nur ein kulturelles Juwel in der Region geschaffen, sondern auch ein Statement gesetzt: Kultur muss nicht immer Metropole sein. „Draiflessen“ Und schließlich der Name: „Draiflessen“ [dʁaːˈflɛsn]. Abgeleitet aus der Geheimsprache der Tüötten, vereint er in „drai“ (drei, Dreifaltigkeit, drehen, handeln) und „flessen“ (Flachs, Leinen, Heimat) all jene Themen, die der Familie Brenninkmeijer am Herzen liegen – westfälische Herkunft, christlicher Glaube und die lange Tradition im Textilhandel.
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