1724 –1841 Der zwischen 1724 und 1731 erbaute Max-Clemens-Kanal sollte nach den Plänen des damaligen Fürstbischofs von Münster Clemens August den Außenhandel mit den Niederlanden und den Binnenhandel im nordwestlichen Teil des Münsterlandes beleben. Von Anfang an durch strukturelle und finanzielle Probleme belastet, berührte der Kanal auf seinem Weg bis Maxhafen (Gemeinde Wettringen) auch das Gebiet der Gemeinde Neuenkirchen. Es wurde am Kanal ein Hafengebäude mit der Bezeichnung Clemenshafen errichtet und mit einem Verladekran zum Be- und Entladen der Kanalschiffe versehen. Sein Ziel, Transportwege und Transportzeiten in die Niederlande zu verkürzen erreichte er trotz aller Unzulänglichkeiten wie zum Beispiel durch Wassermangel, unzureichende Wartung und Eisgang dennoch. Nach 1815 verlor der Kanal immer mehr an Bedeutung. 1914 –1918 & 1939–1945 I. und II. Weltkrieg waren auch in Neuenkirchen einschneidende Ereignisse, die die Gesellschaft stark verändert haben. 1945 – heute Neubeginn 18. & 19. Jahrhundert Weberei, Leinenhandel und Textilindustrie gehören untrennbar zusammen. Aus bescheidenen Anfängen der Hausweberei für den Eigenbedarf entwickelte sich zunächst ein lokaler Kleinhandel, der zunehmend auch die benachbarten niederländischen Gebiete erfasste. Packenträger brachten bis zu 40 kg schwere Leinenballen zu Fuß bis nach Amsterdam, Rotterdam oder Alkmaar. Im 18. Jahrhundert entwickelten sich auch in Neuenkirchen erste Handelsfirmen, sogenannte Textilverleger, die in großem Stil Leinen aufkauften und schwunghaften Handel im In- und Ausland betrieben. Ihre Villen in Neuenkirchen sind beredtes Zeugnis dafür. Durch die Verwendung von Baumwolle und die Erfindung und Einführung des mechanischen Webstuhles änderte sich auch in Neuenkirchen grundlegend das System der Hausweberei. Bereits 1821 werden die Firmen J. G. Rohling & Söhne (erste Spinnmaschine 1824) und B. H. Rohling & Co. genannt, die Fabriken in Neuenkirchen unterhalten. 1840 sind es bereits die Baumwollwebereien Rohling & Schmitz, L. Lau, B. Engelbert Kerstiens und weitere. Nach 1870 drängten immer mehr Fabriken auf den einheimischen Markt. Die Firma Hecking beschäftigte in ihrer Hochblüte bis zu 1.000 Arbeiter. Die private Leinenweberei kam im Gegenzug schnell zum Erliegen. Beschäftigte aus diesem Sektor wurden dann die zukünftigen Fabrikarbeiter. Der Strukturwandel nach 1945 ließ auch diese traditionsreiche Industriesparte nicht nur in Neuenkirchen fast vollständig verschwinden. Die Textilproduktion im außereuropäischen Ausland konnte zu weitaus besseren Konditionen ihre Produkte herstellen. 11 Gemeinde Neuenkirchen |
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