15 Mit seinen knapp 400 Einwohnern ist Vollnkirchen der kleinste Ortsteil der Gemeinde Hüttenberg. Auch wenn das Dorf erstmals 1276 als „Volkinkirgin“ in Erscheinung tritt, deuten Funde aus der Zeit um 1800 vor Chr. und zahlreiche Hügelgräber der Hallstatt-Zeit in den Wäldern der Gemarkung auf eine wesentlich frühere Besiedlung hin. Die vergleichsweise große Gemarkung von Vollnkirchen umschließt im südwestlichen Teil auch das Gebiet des Ende des 14. Jahrhundert verlassenen Dorfes Wertshausen. Ab 2006 begeisterten sich Einwohner von Vollnkirchen für die Spurensuche nach Überresten aus der Geschichte von Wertshausen. Heute ist Vollnkirchen ein Bilderbuchdörfchen mit einer ganzen Reihe restaurierter Fachwerkgehöfte, die die Kirche, das Ehrenmal und die inzwischen neugestaltete Dorfmitte einrahmen. Ganz wesentlich für seine Entwicklung war die Teilnahme Vollnkirchens am Dorferneuerungsprogramm des Landes Hessen zu Beginn der 2000er Jahre. Ein gelungenes Zusammenspiel von privaten und öffentlichen Projekten hat dem Dorf, das sicherlich von seiner etwas abgeschiedenen Lage profitiert, behutsam ein zeitgemäßes und doch die Fachwerktradition wahrendes Erscheinungsbild gegeben. Die Bürger Vollnkirchens führen in Eigenregie ein Dorfcafé und sorgen dafür, dass es nicht allzu ruhig im Dorf zugeht: Vom Maiglöckchenfest über die Kirmes und den Sport- und Funtag bis zum Licht-Ansingen im Advent vergeht kein Monat, ohne dass in Vollnkirchen ein Anlass zum Feiern geboten wird: Im und um das neue Bürgerhaus oder gerne auch draußen in der Natur mit Wanderungen auf dem Kult(o)urpfad oder entlang des Naturerlebniswegs Eselspfad. Auswärtige Gäste sind im Dorf immer gern gesehen und willkommen. Ganz zu Recht haben die Vollnkirchner Bürger im Jahr 2011 den Regionalentscheid „Unser Dorf hat Zukunft“ gewonnen. Vollnkirchen Vollnkirchen Wer nach Vollnkirchen unterwegs ist – mit dem Auto oder besser durch Wiesentäler und am Bachlauf entlang zu Fuß oder per Rad – wird immer die malerische Lage des Dörfchens als ersten Eindruck wahrnehmen. „In den Hecken“ lebt man, wenn man in Weidenhausen, Volpertshausen, Vollnkirchen oder Reiskirchen wohnt. Diese Bezeichnung gründet sich auf die Niederwaldwirtschaft, die in diesen Hüttenbergdörfern bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg noch intensiv betrieben wurde. Die Rinde junger Eichen, „Lohe“ genannt, wurde abgeschält, getrocknet und an Gerbereien, hauptsächlich im Solmsbachtal verkauft. Nach dem Schälen wurde der Distrikt abgeholzt. Die Eichen trieben dann wieder neu aus, wuchsen zu niedrigen Wäldern oder „Hecken“ heran und waren nach 20 bis 25 Jahren wieder zum Schälen brauchbar. „Lohwälder“ oder auch „Hecken“ befanden sich meist im Randbereich der Hochwälder. Gut zu wissen: Was sind eigentlich „Heckendörfer“?
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