Gehe zum Inhalt, überspringe Menüs

 

Zahlen | Daten | Fakten

Vergangenheit und Gegenwart
Stadtroda hieß bis 1925 Roda. Die Stadt ist eingebettet in die engen Täler des Rodaflusses und seiner Nebenbäche und hat viel an landschaftlichem Reiz zu bieten. Durch ihre anschmiegsame Lage an die schroff aufspringenden Felsen des anstehenden roten Bundsandsteins gehört diese liebenswerte Stadt zu den von Naturschönheiten verwöhnten Thüringer Kleinstädten. Nur entlang der Rodaaue, zur nahen Universitätsstadt Jena hin, öffnet sich die Flur, bis sie allmählich zu den Höhenzügen der Wöllmisseberge ansteigt. Hier, auf der Saale-Elster-Sandsteinplatte, beginnt das Thüringer Holzland, als dessen Eingangspforte Stadtroda gilt. Noch um Neunzehnhundert waren zwei Drittel der 66 km² umfassenden Fläche des Holzlandes mit Wald besetzt und prägten die Lebensweise der Bevölkerung im Holzhandwerk.

Siedlungsbeginn und Stadtrecht
Ende des 10. Jahrhunderts begann die Rodetätigkeit durch fränkische Siedler. In den urwaldartigen Tälern der Roda und ihrer Nebenflüsse entstand, unbekannt wann, auf hohem Bergsporn die Siedlung Roda. Der viereckige Turm der Heilig-Kreuz-Kirche mit seiner thüringischen Schieferdachhaube grüßt als Wahrzeichen dieses alten Marktfleckens vom Berge in die Stadt herunter. Sein Vorgänger soll, aus Holz gebaut, schon 1014 als Wehrturm gedient haben.

Schon frühzeitig war Stadtroda als Stadt anzusehen, denn 1251 werden "civis", d. h. Bürger, beurkundet. Ausführliche Stadtrechte bekam sie im Jahre 1310 durch die Grafen von Schwarzburg.

Das Schloss als Wahrzeichen
Im Jahr 1500 wird ein Schloss erwähnt, welches zusammen mit der Kirche, dem Rathaus und der Hälfte aller Wohnhäuser dem großen Stadtbrand von 1638 zum Opfer fiel. Seine heutige Gestalt erhielt das Schloss in den Jahren 1663 und 1734. Prinz Christian Wilhelm von Sachsen-Gotha-Altenburg begründete 1736 eine prinzliche Hofhaltung, die bis 1780 währte. 1775 kam es zur Vermählung der jüngeren Prinzessin Louise mit dem Herzog Friedrich Franz von Mecklenburg. Für die Festlichkeiten wurde dazu eine Festhalle im Lohmholz errichtet.
Diese Festhalle stand an der Stelle des heutigen Schützenhauses "Zur Louisenlust".

Um das Schloss herum entwickelte sich der zweite Stadtteil entlang der Roda. Schon 1523 wird beurkundet, dass "sich der nidertaill auch etwas gemehrt und gebraittet" habe, weshalb man damals auch den Markttag in diesen unteren Teil verlegte und in der Folge ein zweites Rathaus dort erbaute. Seit 1994 beherbergt das Schloss das Amtsgericht sowie Teile des Landratsamtes Saale-Holzland-Kreises. (Grundbuchamt, Brand-/Zivil- und Katastrophenschutz)

Rund um das Nonnenkloster
Der dritte Stadtkern, damals das Dorf Klosterroda, entstand nach und nach um das von den Herren von Lobdeburg gestiftete Zisterzienser-Nonnenkloster (1240 erbaut) in der Rodaaue. Nach der Gründung wurde die fromme Stiftung reich beschenkt an Gütern, Zinsen und Schenkungen aller Art. In den Dörfern besaß das Kloster Lehnshöfe. Der Probst war ein gefürchteter Herr über "Hals und Hand", da er die Gerichtsbarkeit in den Klosterdörfern ausübte. Die Reformation in Thüringen leitete die Auflösung des Klosters ein, die sich mit dem Tod der letzten Nonne 1555 endgültig vollzog. 1852 haben sich Stadtroda und die Gemeinde Klosterroda zu einer Stadtgemeinde zusammengeschlossen.

Der Amtssitz brachte Aufschwung
Mit der Gründung des Reichsfürstentums Altenburg wurde Roda 1603 Amtsstadt. Den ersten bedeutenden Aufschwung erhielt die Stadt ab 1826, da sie im nunmehrigen neuen Herzogtum Sachsen-Altenburg Verwaltungsmittelpunkt für dessen 1.300 km² großen Westkreis wurde. Neben der Verwaltungstätigkeit und der Ausbildung der altenburgischen Beamten fiel ihr dabei noch die Rolle des Standortes für die Altenburgische Irren- und Pflegeanstalt zu. Aus diesem "Genesungshaus" von 1848 entwickelte sich das weithin bekannte Landesfachkrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie, heute Asklepios Fachklinikum Stadtroda GmbH.

Stadtroda als Luftkurort
Die umfangreichen Waldungen um die Stadt und die klare, saubere Luft zogen verstärkt Erholungssuchende an. Seit dem Bau der Weimar-Gera-Eisenbahn im Jahre 1876 entwickelte sich dadurch die Stadt zu einem weithin bekannten Luftkurort. Es entstand das schönste Naturbad Thüringens und zahlreiche interessante Bauwerke, wie die 1907 erbaute und sehenswerte Schule. Aus der städtischen Bauschule kamen die Entwürfe für die zahlreichen Villen der Jahrhundertwende, die infolge des Kurbetriebes in Waldnähe entstanden. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte eine allmähliche Rückentwicklung des Kurbetriebes ein, weil die vorhandenen Privatzimmer für die Aufnahme von Heimatvertriebenen benötigt wurden. Das verstaatlichte, rückläufige Hotelwesen konnte den Ansprüchen eines Kurbetriebes ebenfalls nicht gerecht werden und so ging 1962 der Kurbetrieb zu Ende.

Einschneidend in der Geschichte der Stadt war die Bombardierung des Rathauses am 21. November 1944, bei der neun Menschen ums Leben kamen. Für den Neuaufbau des zu 50 % geschädigten Gebäudes war das Geld nicht vorhanden. So kam es zum Abriss und nachfolgend zum Bau eines Kinogebäudes, welches heute eine Arztpraxis, eine Krankenkasse sowie ein Diakoniezentrum beherbergt. Dieser Stadtbildveränderung des Marktes folgte 1968 der Abriss des alten Fuhrmannsgasthofes "Zum Bären" und weiterer stadtbildprägender Bürgerhäuser am Markt. Eine große Erweiterung erfuhr die Stadt ab 1920, als eine "Die schöne Aussicht" genannte und mit dichtem Wald bestandene Hochfläche nach und nach gerodet und in der Folge mit Villen und Zweifamilienhäusern und zwei neuen Wohngebieten besiedelt wurde. Nach der Wende wurden weitere Baugebiete wie "Siechtal", "Im Lohmholz", Auf dem Baderberg", "Wohnpark Gernewitz" und "Oberhalb des Tissaer Weges" errichtet.

Wirtschaftsstandort Stadtroda
Stadtroda ist in erster Linie als Verwaltungs- und Dienstleistungsstandort zu bezeichnen. Über 60 % der Beschäftigten sind im Dienstleistungssektor tätig. Dies resultiert im Wesentlichen der Übernahme mehrerer mittelzentraler Versorgungsfunktionen durch die Stadt.

Größter Arbeitgeber der Stadt ist die Asklepios Fachklinikum GmbH, bei der in Stadtroda mehr als 700 Beschäftige angestellt sind. Der Bereich Handel, Gastgewerbe und Verkehr nimmt in Stadtroda mit ca. 30 % den höchsten Beschäftigungsanteil ein.

Mit den Gewerbeflächenangeboten stellt sich die Stadt einer neuen Herausforderung, um den Rahmen für weitere Gewerbe- und Siedlungsentwicklung zu schaffen. Im Stadtgebiet sind Gewerbeflächen unterschiedlichen Zuschnitts vorhanden, die Möglichkeiten der Entwicklung bieten. Innovative Unternehmensgründungen im Produktions- und Dienstleistungsbereich können mit kostengünstiger Vermietung von Büro- und Produktionsflächen durch die Stadt bzw. durch die städtische Wohnungsbaugesellschaft m.b.H angeboten werden.

Mit der Entwicklung des Industrie- und Gewerbeparks im Ortsteil Bollberg wurde die Ansiedlung von Industrie- und Gewerbeunternehmen auf ca. 30 ha maßgeblich vorangetrieben. Der Industrie- und Gewerbepark zeichnet sich durch seine Lagegunst zur BAB 4 sowie zu seiner geringen Entfernung zum Hermsdorfer Kreuz als bedeutender Verkehrsknotenpunkt aus. Die Nähe zum Technologiestandort Jena wirkt sich ebenfalls als Gunstfaktor aus.
Verstärkt widmet sich Stadtroda seit dem Jahr 2000 wieder der Belebung des Fremdenverkehrs. Seit dem Jahr 2000 trägt die Stadt den Titel "Staatlich anerkannter Erholungsort". Die historische Altstadt wird unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten saniert und die zahlreichen Denkmäler werden einer kulturellen Nutzung zugeführt.

Kultur groß geschrieben
Bemerkenswert zur Stadtgeschichte ist die Tradition der Orgelbauerfamilie Poppe mit ihren 11 Vertretern aus 6 Generationen. Sie nahm hier in Roda ihren Anfang. Die ersten Poppe-Orgeln entstanden in der Zeit des ausgehenden Barock ab 1757. Bedeutend war das Schaffen der Familie in der Zeit des "Orgelbiedermeier" und der Romantik. Noch heute sind über 70 Instrumente erhalten und stellen bedeutende Beispiele des ostthüringischen Orgelbauhandwerkes dar.

Professor Julius Kniese, der als der Neubegründer der Bayreuther Festspiele nach dem Tode ihres Gründers Richard Wagner gilt, wurde 1848 in dieser Stadt geboren. Auch das Geburtshaus des legendären Schwarzkünstlers Dr. Johann Faust soll im alten Roda gestanden haben. Auf diesen Teil der Geschichte besinnen sich die Kulturvereine und Chöre, wenn sie die Feste und Feiern im Jahresablauf gestalten. Bei dem jahrhundertealten Maibaumsetzen geht es ebenso urig und volkstümlich zu wie bei anderen Volksfesten.

Seit 1994 wird die baugeschichtlich interessante Klosterruine, die als bedeutendes Denkmal der Sakral- und Siedlungsgeschichte gilt, als Freiluftspielstätte für Konzerte und Theateraufführungen genutzt. Ergänzt werden die musikalischen Angebote durch die "KreuzKirchenKonzerte" der Kantorei Stadtroda.

Das Wappen der Stadt
Seit dem 1. Januar 1939 gilt das Stadtwappen in seiner heutigen Darstellung. Es zeigt ein mittelalterliches Tor mit zwei Spitztürmen an den Seiten und einem breiten Turm mit Zinnen in der Mitte. Die Wappenaussage ist allgemeiner Art und verweist auf mittelalterliche Stadtbefestigung. Erstmals ist ein Siegel mit Wappenbild von Stadtroda aus dem Jahre 1403 bekannt; es zeigte ebenfalls drei Türme, diese aber alleinstehend und mit Treppen verbunden. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte dieses Bild mehrmals, so dass man nicht mehr von "dem" Wappen und Siegelbild sprechen konnte. Eine Neuzeichnung nach heraldischen Regeln machte sich daher erforderlich.

Die Türme dieses neuen Wappens haben eine ziegelrote Grundfarbe. Die Mauerfugen und Fenster sowie die Tür sind tiefschwarz. Das ganze Gebilde liegt innerhalb des Schildes auf silbernem Grunde. Die Gebäudeumrahmung sowie die Umrahmung des Schildes sind schwarz. Die vielerorts in der Literatur getroffene Aussage, dass die drei Türme aus drei Möhren - in Anknüpfung an die Sage von der Rod'schen Möhre - hervorgegangen wären, ist falsch. Die Türme erschienen schon in älteren Wappen von 1403 und 1441, während sich die Sage auf eine Belagerung im Bruderkrieg zwischen Kurfürst Friedrich dem Sanftmütigen und Herzog Wilhelm III. im Jahre 1450 bezieht.

Das Fausthaus in Stadtroda
Am Stadtausgang des mittelalterlichen Stadtroda in Richtung Jena stand das Haus, in dem der legendäre Schwarzkünstler und Teufelsbeschwörer Johann (Georg) Faust 1480 geboren sein soll. Als Beweis dafür gilt das 1587 in Frankfurt/Main erschienene Volksbuch von Johann Spies "Historia von Dr. Fausten" in dem es heißt, dass Johann Faust eines Bauern Sohn gewesen ist, der zu Roda bei Weimar gebürtig war.

In etlichen Orten in Deutschland soll Faust das Licht der Welt erblickt haben. Dazu zählen Knittlingen in Baden-Württemberg, Helmstadt bei Heidelberg und unser Stadtroda, welches bis 1925 nur Roda hieß.
Faust war ein Suchender und Getriebener seiner Zeit.

Einen historischen Beleg für sein Dasein und Wirken ist, dass er dem Bamberger Bischof ein Geburtshoroskop für 10 Gulden erstellte.

Schon immer hat das Haus am Töpferberg im Volksmund das Fausthaus geheißen, ohne dass man heute noch nachvollziehen kann, wo der Ursprung dieser Legende liegt. 1896 musste es wegen der Wegeverbreiterung zum neuen Genesungshaus abgebrochen werden. In Stadtroda lebt die Sage von Fausts Geburt weiter. Am 30. April 1921 gab hier der Stadtrat eine Notgeldserie mit 8 Themen zum Faustsagenkreis heraus, die auch das Fausthaus zum Inhalt hat. Diese Notgeldserie ist zum weithin gesuchten Sammelobjekt geworden.

Johann Wolfgang Goethe und andere Dichter und Musiker haben mit ihrem Schaffen dieser Person ein literarisches und musikalisches Denkmal gesetzt.

Da der wirkliche Geburtsort von Faust nicht gesichert ist, wird auch Stadtroda weiterhin diese historische Figur zum Inhalt ihres kulturellen und touristischen Angebotes entwickeln. Jedoch wird man hier immer mit einem Augenzwinkern sagen: "Der Sage nach ...".

Wohnen lässt sich's schön im Grünen
Wer in Stadtroda lebt, der wohnt im Grünen. Außerhalb des geschlossenen Waldes hat man hier immerhin auf einer Fläche von 200 ha in städtischer Flur einen Bestand von 6.800 Bäumen in 57 verschiedenen Baumarten gezählt. Wer die Zeit dazu hatte? Ganz einfach, es waren interessierte Schüler mit ihren Biologielehrern, die mit einem umfangreichen Baumkataster die Stadtverwaltung bei Neuanpflanzungen und Parkgestaltungen in ihren Entscheidungen unterstützen wollten.

Schon die "Alten" haben es so gehalten, dass sie zu besonderen Anlässen Bäume pflanzten, welche noch heute die Namen Schillerlinde, Friedenseiche, Bismarckeiche oder Drei-Kaiser-Eichen tragen. Und so selbstverständlich haben auch Bürger spontan bei der Wiedervereinigung Bäume aus diesem Anlass in ihren Wohngebieten gepflanzt, in der Hoffnung, dass sie sich ebenfalls zu solchen prächtigen Riesen entwickeln, auf die die Nachfahren mit Bewunderung schauen. Der Grüngürtel rund um die Höhenwanderwege der Stadt fordert geradezu zum geruhsamen Wandern und zur Naturbetrachtung auf. Geologische Aufschlüsse in den Sandsteinfelsen erzählen durch ihre Faltungen von Einsturzbeben, die diese Gegend einst erschütterten. Den seltenen Hasenlattich finden Kenner in den schluchtenartigen Bachläufen und der aufmerksame Beobachter kann hier und da den Eisvogel oder die scheue Wasseramsel belauschen.

Doch hier leben heißt vor allem auch - hier wohnen. Täglich ändert die Stadt ihr Gesicht. Innenausbauten der betagten Häuser und deren Fassadengestaltungen schreiten zügig voran. In den neuen Wohngebieten "Siechtal" und "Im Lohmholz" sowie in der "Hempelquere" im Ortsteil Gernewitz haben zahlreiche Eigenheime und Mehrfamilienhäuser ihren Standort gefunden.