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Chronik 18. Jahrhundert

1701
Am 4.10. gründen die nach Cottbus eingewanderten Hugenotten eine französische Kolonie. Prediger Cabrit, erklärt sich bereits am 2.8.1700 bereit, zusammen mit weiteren 13 Familien nach Cottbus ziehen und am 28.6.1701 kommen sie in der Stadt an. Sie folgen damit den Spuren anderer Glaubensflüchtlinge; schon 1698 / 99 kamen Reformierte aus der Pfalz nach Cottbus. Die Gläubigen, die sich nun in Cottbus niederließen, belebten auch das hiesige Handwerk. Insbesondere die Strumpfwirkerei, die Gerberei, die Konditorei und die Tabakverarbeitung beherrschten sie und mancher Cottbuser Geschäftsname, z. B. Toussaint, Pichon, Pischon und Matthieu bewahrten bis in das 19. Jahrhundert diese Tradition. Bereits am 18.12.1701 erhalten die französischen Glaubensflüchtlinge die seit dem Stadtbrand 1600 wüst liegende Katharinenkapelle an der Spremberger Straße zum Bau eines eigenen Gotteshauses. Die neuen Bewohner der Stadt leben zwar verstreut, bilden aber eine eigene Gemeinde ebenso wie die deutschen Reformierten. Als erster Prediger der hiesigen deutsch-reformierten Gemeinde wird 1691 Adrian Lengenfeld bestellt. Er erhält eine Wohnung auf dem Schloß, wo auch die Gottesdienste abgehalten werden. Einige Jahre Jahrzehnte später, per Dekret vom 9.8.1720, erhält die französische Kolonie erneut Zuwachs: Die neu eingewanderten Pfälzer und Wallonen werden ihr zugeteilt. Religionsflüchtlinge kamen aber auch später noch nach Cottbus, so zogen am 16.8.1732 Salzburger Emigranten, die auf Grund ihres protestantischen Glaubens ihre Heimat verlassen mußten, mit ca. 50 bis 60 Gepäckwagen durch die Stadt. Zu ihrer Unterstützung sammelten die Cottbuser 315 Thaler Reisegeld. Die beiden Gemeinden der Hugenotten und der deutsch-reformierten Protestanten schließen sich 1757 zusammen. Henry Jacob Pichon tritt 1774 als letzter Richter der französischen Kolonie sein Amt an, anschließend verlor die französische Gemeinde auch ihre besondere juristische Stellung in der Stadt.

1709
In diesem Jahr wird das erste "Cottbuser Buch" gedruckt - in Kahren erscheint ein Katechismus in niedersorbischer Sprache, ein Jahr später wird hier auch das Neue Testament in niedersorbischer Sprache bei Michael Kühn gedruckt. Die Übersetzung fertigte der Prediger Gottlieb Fabricius, der zwischen 1679 und 1741 lebte und viele Jahre in Kahren als Prediger tätig war.

1714
Am 7. Januar wird die neu erbaute Schloßkirche geweiht. Bereits 1705 erhielt die französische Gemeinde die Erlaubnis, zur Errichtung ihrer Kirche eine Kollekte zu sammeln. Zwei Jahre später, am 6.10.1707; wird der Grundstein für das schlichte barocke Kirchengebäude gelegt. Noch bevor der Bau fertiggestellt ist, verstirbt im Alter von 78 Jahren Prediger Cabrit. Er wird am 15.2.1713 in der noch nicht fertigen Kirche beigesetzt. Im Oktober 1714 genehmigt der Kurfürst, daß auch die deutsch-reformierte Gemeinde die neue Kirche für ihren Gottesdienst nutzen darf und bald bürgert sich der Name "Schloßkirche" ein. Als die Gemeinden der Hugenotten und die bereits seit 1620 bestehende Gemeinde der deutsch-reformierten Gläubigen immer kleiner werden, werden sie 1757 zusammengelegt. Die Kirche erfuhr 1870/71 einen Umbau. Der Westflügel wurde erneuert und bei der Gelegenheit auch der heute die Spremberger Straße prägende Kirchturm errichtet. Mit der Eröffnung als ökumenisches Gemeindezentrum am 23.9.1974 änderte sich die Bedeutung dieser Kirche.

1715
Seit Jahrhunderten gilt Cottbus als Schulstadt, hier befand sich eine Lateinschule in unmittelbarer Nachbarschaft der Oberkirche. Unter dem Rektorat des Martin Busse wird am 8. April die neue Stadtschule eingeweiht. In den letzten Tagen des 2. Weltkrieges wurde das Barockhaus mit seiner pilastergeschmückten Fassade zerstört. Anfang Juli erheben sich erneut die Bauern in der Region um Cottbus. Der Anführer ist Schulze Hans Lehmann aus Eichow. Am 6. Juli tagt eine Untersuchungskommission auf dem Cottbuser Schloß, die 16 Bauern aus Eichow, Krieschow, Werben, Lieskow, Gosda werden verhaftet und auf die Festung nach Peitz gebracht. Die Unruhen der Bauern ziehen sich über zwei Jahre hin, im Juli 1717 begeben sich ca. 4.000 Rittergutsbauern auf einen Marsch nach Berlin, der jedoch militärisch zerschlagen wird. Der Anführer der Bauernerhebung, Schulze Lehmann, wird nun in Spandau in lebenslange Haft gesteckt. Wenig später, am 2.12.1717, verfügt der preußische König erneut, "daß im Schuldienst die wendische (niedersorbische) Sprache beseitigt werden müßte". Am 27. Juli wird Immanuel Jacob Pyra in Cottbus geboren. Sein Vater ist Advokat in Cottbus, das Wohnhaus der Familie Pyra stand am Altmarkt, heute Altmarkt 15. Bis 1729 besucht Pyra die hiesige Lateinschule und danach das Gymnasium in Bautzen und studiert in Halle. Dort zählt er zu den Mitbegründern der Halleschen Dichterschule, 1737 erscheint sein Werk "Tempel der wahren Dichtkunst". Pyra stirbt am 14.7.1744 in Berlin als Konrektor am Köllnischen Gymnasium. Er gilt als einer der bedeutendsten Dichter des frühen 18. Jahrhunderts, seine "Ode auf Friedrich II." war ein wichtiges Zeugnis des beginnenden Preußenstolzes.

1718
Schon seit einiger Zeit hatte die Stadtbefestigung ihre militärische Funktion zur Verteidigung der Stadt verloren. Nun erfuhren die Wallanlagen eine neue Nutzung, die preußischen Autarkiebestrebungen brachten auch nach Cottbus die Seidenraupenzucht. In diesem Jahr wurden die ersten 1.200 Maulbeerbäume zu Lasten der Cottbuser Kämmereikasse auf den hiesigen Wallanlagen gepflanzt. Zwar folgten bald weitere Pflanzungen, aber der Erfolg der Seidenraupenzucht blieb aus und in der Mitte des 19. Jahrhunderts wird die Zucht eingestellt und es erfolgt erneut eine Umgestaltung der Anlagen an den Stadtmauern.

1719
Die Stadt zählte damals 3.205 Einwohner, zu denen auch die Bewohner der Spremberger und Luckauer Vorstädte gezählt wurden, innerhalb der Mauern gab es 366 Häuser. Jedoch müssen hier noch die Bewohner der Dörfer Sandow, der drei Brunschwig und Ostrow hinzugezählt werden, auch werden nicht alle Bewohner der Stadt als Einwohner gezählt. In diesem Jahr ordnete zudem der preußische König Friedrich Wilhelm I. die Verwaltung neu: Die Zahl der Ratsherren wird nun auf acht festgesetzt und setzte sich aus drei Bürgermeistern, dem Syndikus, der zugleich Stadtschreiber und Gerichtsaktuar ist, dem Kämmerer und einem Stadtrichter sowie zwei Senatoren zusammen. Das seit Markgraf Johann übliche Chüren, die jährliche Neuwahl, wird nun abgeschafft.

1720
Der erste Cottbuser Stadtplan wird von dem Geometer Seyfried Handschky gezeichnet. Auf ihm sind 417 Hausnummern eingetragen. Vier Jahre später wird dieser Plan um die Vorstädte ergänzt. Noch heute bildet der Stadtplan eine wichtige Grundlage für die Erforschung der Stadtgeschichte. Es sollten noch einmal mehr als hundert Jahre vergehen, ehe die Stadt wieder vermessen und ein neuer Stadtplan gezeichnet wurde. Auf dem Stadtplan des Handschky ist sie bereits eingezeichnet, die in diesem Jahr neu erbaute Stadtmühle. Mittels unterschlächtiger Wasserräder werden zwei Mahlmühlen, eine Schneidemühle, eine Walkmühle und eine Lochmühle angetrieben. Ende des Jahrhunderts erfährt die Stadtmühle erneut Veränderungen, 1793 wird sie wieder umgebaut. Ihre älteste Erwähnung stammte aus dem Jahre 1435. Die Mühle war für die Bauern der Umgebung über Jahrhunderte der fest zugewiesene Ort, ihr Getreide mahlen zu lassen. Daß die Müller nicht immer genau Maß nahmen, belegen die Beschwerden. Um dem entgegenzuwirken, ließ 1665 der Kurfürst die bisherigen Kerbhölzer durch Mahlzettel ersetzen. Aber schon am 10.8.1672 beklagen sich wieder die Cottbuser Bürger, daß es in der Stadtmühle unredlich zugehe.

1722
In diesem Jahr übernahm Friedrich Wilhelm von Pannwitz die Regierung als Amtshauptmann. Er blieb bis 1731 im Amt, zuvor übte zwischen 1706 und 1720 Wilhelm von Gröben diese Funktion aus. Nach dem Tod des von Pannwitz übernahm Baron Gotter den Posten des Amtshauptmannes. Jedoch führte sein Stellvertreter Leopold von Klitzing auf Schorbus die Geschäfte. Als dieser 1748 verstirbt, wird dieses Amt nicht mehr besetzt. Ihre Aufgaben übernehmen später die Landräte.

1724
Die Wirtschaft der Stadt beginnt sich auszuweiten. Schon am 12.3.1723 wurde in einem Edikt festgelegt, daß Fabrikinspektoren zur Kontrolle der Wirtschaft einzusetzen sind. Weiterhin schreibt die Neumärkische Braukonstitution vor, daß das Recht des Branntweinbrennens nicht den "Heidearbeitern, Forstbedienten, Schulzen, Müllern, Bauern, Kossäten zustand, um die Bürger nicht in ihrer Nahrung zu schädigen". Jedoch begründet in diesem Jahr Samuel Christian Werner seine Firma "Kornbranntweine & Liköre" im späteren Postgäßchen an der Spremberger Straße. Er folgt damit den Spuren Gustav Kniepfs, der bereits 1712 die Produktion des "Kniepf-Korns" aufnahm und dessen Firma später eine der größten Kornbrennereien Deutschland wurde. Zwei Jahre später, 1726, verlegt der aus Sachsen stammende Buchdrucker Johann Michael Kühn seine zuvor im Schloß Kahren betriebene Druckerei nach Cottbus.

1726
Es wird mit der planmäßigen Anlage der Neustadt begonnen. Dies ist die erste Erweiterung der Stadt Cottbus außerhalb der Stadtmauern. Friedrich Wilhelm I. beauftragte den Berliner Oberbaudirektor Gerlach mit den Planungen der Wohn- und Arbeitsgebäude für Tuchmacher, Leineweber, Loh- und Weißgerber. 1733 wird dann auch ein eigenes Tor in der Stadtmauer für die Bewohner der Neustadt gebrochen, das Neustädter Tor sicherte einen direkten Zugang zu den neuen Häusern. Noch heute erinnert der Straßenzug zwischen Burgstraße und Brandenburger Platz mit seinem Namen "Am Neustädter Tor" an das 1872 abgetragenen Tor. Zehn Jahre später, um 1743 sind ca. 20 Häuser fertiggestellt und bezogen. Schon etwas eher waren in den Häusern am Mühlgraben Gerber angesiedelt worden. Es sollten jedoch noch einige Jahre vergehen, ehe alle Stellen im Gebiet zwischen dem heutigen Ostrower Damm, dem Brandenburger Platz und der Franz-Mehring-Straße bebaut waren.

1729
Bis zu diesem Jahr wird der Friedhof an der Oberkirche genutzt, während der Kirchhof an der Schloßkirche von der französischen Gemeinde noch bis 1731 betrieben wurde.

1730
In diesem Jahr erscheint die erste Cottbuser Stadtgeschichte "Die Sammlung einiger Nachrichten von der Stadt Cottbus und den herumliegenden Orten" des Johann Gottfried Ohnefalsch-Richter, der zwischen 1703 und 1765 lebte. Wenig später, vermutlich um 1740 verfaßte der Cottbuser Stadtarzt Dr. Johann Friedrich Beuch (1684 - 1758) ebenfalls eine "Geschichte und Beschreibung der Stadt Cottbus bis zum Jahre 1740". Dieses Buch wurde 1785 in Berlin gedruckt. Um 1783 publizierte der Arzt und 2. Bürgermeister Carl Christian Gulde (1735 - 1815) mehrere Schriften zur Stadtgeschichte. Schon 1774 hatte er zum Geburtstag seines Sohnes Carl Wilhelm Gulde eine kleine Schrift zur Erinnerung an berühmte Cottbuser verfaßt und 1786 veröffentlicht er seine "Gesammelten Nachrichten zur Geschichte der Herrschaft Cottbus".

1734
Die neuen wirtschaftlichen Bedingungen finden ihren Nachhall in zahlreichen neuen Regelungen. In einem neuen Privileg für die Tuchmacher vom 8.11. wird u. a. festgelegt, daß Lehrlinge ehelicher Geburt und des Lesens und Schreibens mächtig sein müssen und nach einer vierwöchigen Probezeit drei Jahre lernen sollen. Ein Jahr später werden in Cottbus insgesamt 3.458 Stück Tuch hergestellt und abgesetzt. Die Bäcker in Cottbus erhalten am 25.5.1735 ein neues Generalprivileg.

1740
Die Stadt huldigt am 10.8. dem König Friedrich II., der bis zu seinem Tod 1786 regiert. Auch sollen sich in diesem Jahr die ersten drei jüdischen Familien in Cottbus niedergelassen haben. So mietete sich z. B. die Witwe Kayla Israel Pinkus im "Schwarzen Bären" ein und durfte gemeinsam mit ihrem Bruders Marcus Israel Pinkus und ihrem Schwager Moses Simon ein Geschäft führen.

1742
Am 20.9. wurde J. F. Fritze in Kolkwitz geboren. Er übersetzte während seiner Tätigkeit als Pfarrer das Alte Testament in die niedersorbische Sprache und ließ dieses dann 1796 drucken. Bis zu seinem Tod 1815 lebte er in Kolkwitz. Einige Jahre zuvor hatte bereits der Magister Johann Ludwig Will die Herausgabe eines Buches "Kleine Sammlung geistreicher Lieder" initiiert, in dem er 1749 auch 211 wendische Kirchenlieder abdruckte.

1744
Der Komptendorfer Pächter Krüger stiftet Geld für den Aufbau einer Waisenschule. Schon im Mai sind etwa 40 Kinder aufgenommen, untergebracht ist die Schule in einem Zimmer in der Sandower Gasse. Durch den Archediakon Christian Siegfried Busse, er wird 1746 auch zum Direktor der Waisenschule bestellt, wird der Kandidat der Theologie Johann Andreas Conradi als "Waiseninformator" eingestellt. Bis zur Einweihung eines eigenen Gebäudes sollten noch einige Jahre vergehen. Am 30.6.1747 konnte der Bauplatz erworben werden und am 10.7. erfolgte die Grundsteinlegung. Nach einem Jahr Bauzeit wurde am 30.8.1748 Richtfest gefeiert und am 24.9.1749 wurde die Waisenschule in der späteren Wallstraße 55 feierlich eingeweiht.

1748
Matheus Melde erwirbt ein Grundstück in der Spremberger Straße, auf dem seit 1638 gebraut und Schnaps gebrannt wurde. Er begründete damit die Firma "Melde-Korn", die über mehr als zwei Jahrhunderte Schnaps in Cottbus herstellte und diesen auch außerhalb der Stadt verkaufte. Am 8.11. mußten die Cottbuser erleben, daß die erst 1746 sanierte Vorderfront ihres Rathauses einstürzte. In der Folge wurde nun das Gebäude neu erbaut. Es gliederte sich in ein westliches Langhaus, das bereits im Mittelalter errichtet worden war und in einen östlichen Gebäudeteil, der quer zum Marktplatz stand und nun nach 1748 errichtet wurde. Zwischen diesen beiden erhob sich der schlanke Renaissanceturm, der nach 1671 erbaut wurde.

1752
Am 1.10. wird Friedrich Gotthelf Brückner in Kamenz geboren. Er kommt 1767 nach Cottbus und lernt beim Kaufmann Johann August Keyling. Gemeinsam mit Samuel Ferdinand Lobedan gründet er 14.7.1782 die Firma "Lobedan und Brückner-Material- und Weinhandlung". Letzter Inhaber der Firma war Friedrich Albert Liersch, der das Haus am Neumarkt 8 1922 der Stadt vermachte, damit diese hier ihr Museum einrichten kann. Vier Jahre später, 1756, erwirbt Christian Rein ein Grundstück auf der Mühleninsel und richtet hier eine Wachsfabrikation ein. Seine Lichte wurden bis an die preußischen Höfe in Berlin und Potsdam geliefert, noch heute erinnert der Straßenname "An der Wachsbleiche" daran.

1754
Am 13.6. wurde begonnen, den mittelalterlichen Torturm des Sandower Tores abzutragen und durch ein einfaches Tor zu ersetzen. Seit mehr als hundert Jahren hatten die Stadtmauer, die Wälle, Gräben und Tore ihre militärische Funktion verloren und dienten nun noch bis 1875 als Zollgrenze.

1756
Die friedliche Entwicklung der Stadt im letzten Jahrhundert wurde durch den Siebenjährigen Krieg jäh unterbrochen. Zwar war die Stadt nicht durch direkte Kampfhandlungen betroffen, aber immer wieder erlebten die Cottbuser Durchzüge und Einquartierungen der Truppen. So zog am 5.8.1758 der österreichische General Laudan für neun Tage mit 10.000 Soldaten ein und die Stadt mußte ihm zunächst 6.000 Thaler zahlen. Als die erneut geforderten 9.000 Thaler nicht bezahlt werden konnten, nahmen die Soldaten Bürgermeister und Kämmerer als Geiseln mit. Friedrich II. weilte in diesen Jahren mehrmals in Cottbus. 1759 kamen erneut österreichische und auch russische Truppen nach Cottbus und 1760 verpflegten die Cottbuser 22.000 Soldaten des Generals Lacy. Nach sieben Jahren Krieg hatte die Stadt 82.000 Thaler Schulden, die u.a. durch eine Erhöhung der Biersteuer getilgt wurden.

1766
Der Überlieferung nach, werden in diesem Jahr 131 Straßenlaternen auf Holzpfählen aufgestellt. Damit wurde wohl dem Bedürfnis der Cottbuser entsprochen, die Straßen und Plätze, aber auch die öffentlichen Brunnen zu beleuchten. Bis zur Einführung der ersten Gasbeleuchtung in der Rathausgasse 1861 mußten die Cottbuser sich mit diesen bescheidenen Straßenlampen behelfen. 1766 schlägt der Blitz in den Turm der Oberkirche ein. Durch den Brand wird der Turm stark beschädigt, 1769 erhält er dann eine neue Turmhaube mit Knopf. Dabei handelt es sich um eine Spitze mit einer Urkundenkugel. Vier Jahre später, 1773, erhält die Oberkirche eine vierte neue Glocke. Im gleichen Jahr wurde auch für die Klosterkirche eine Glocke umgegossen und der Turm des Spremberger Tores erhielt eine neue Haube. Aus der Festung Peitz wurden eine Uhr und zwei Glocken zum Spremberger Turm geschaffen und eingebaut.

1768
Das Cottbuser Schloß wird nicht mehr für Verwaltungszwecke benötigt. Nach dem Tod des letzen Amtshauptmannes Baron Gotter 1748 wurde diese Funktion nicht mehr besetzt. Nun dient das Fürstenhaus im Erdgeschoß als Salzmagazin und das Mittelgeschoß wird als Montierungskammer für die Garnison genutzt.

1785
Nach mehrjährigen Verhandlungen war auf Drängen des Königs Friedrich II. mit dem Bau der Kolonistenhäuser in der Kolonie Sachsendorf begonnen worden. Am 16.6. wurde nun der erste Dorfschulze in sein Amt eingeführt. Ein Jahr später, am 10. Mai 1786, zählte man 65 Hauswirte mit insgesamt 220 Personen, die 17 Kühe und 16 Schweine besaßen. Allerdings lebten die Sachsendorfer in äußerst ärmlichen Verhältnissen, der sorbisch / wendische Ortsname "Knorawa" bedeutet "Hungerdorf".

1785
Im gleichen Jahr, am 30.10., erblickte in Muskau Hermann Fürst von Pückler-Muskau das Licht der Welt. Aus Schlesien kommend, erwarben seine Vorfahren 1696 Branitz und sein Großvater ließ 1772 das bereits bestehende Gebäude zu einem Schloß in der heute noch bekannten Architektur umbauen. Sein Vater hatte 1784 Clementine Gräfin von Callenberg geheiratet und so seinen Wohnsitz nach Muskau verlegt. Zwischen 1793 und 1804 besuchte Hermann von Pückler-Muskau die Schulen in Uhyst, Dessau und Halle. In den folgenden Jahren unternahm er seine "Jugendwanderungen" durch Süddeutschland, die Schweiz, Südfrankreich und Italien. Später sollte er die Erlebnisse seiner ersten großen Reise veröffentlichen, aber schon damals entwickelte sich in ihm der Wunsch, die Landschaft nach seinem Willen zu gestalten. Nach dem Tod seines Vaters 1811 übernimmt er die Standesherrschaft Muskau und beginnt mit den ersten Arbeiten zur Gestaltung eines Landschaftsparks nach englischem Vorbild. 1814/15 führt ihn eine erste Reise nach England, woran sich drei Jahrzehnte der Gestaltung des Muskauer Parks anschließen. 1817 heiratet er Lucie von Pappenheim (1778 - 1854), die Tochter des preußischen Staatskanzlers Hardenberg. Fünf Jahre später wird Pückler, der während der Befreiungskriege auf der Seite der Alliierten stand und gegen Napoleon kämpfte, in den Fürstenstand erhoben. Seine zweite Englandreise unternimmt der Fürst zwischen 1826 und 1829. Hier besucht er zahlreiche Landschaftsgärten, Parks und Schlösser und publiziert die Briefe an seine Frau nach 1830 unter dem Titel "Briefe eines Verstorbenen". Diesem ersten Buch werden weitere folgen, so bereits 1834 die "Andeutungen über Landschaftsgärtnerei". Zwischen 1834 und 1840 unternimmt Pückler seine Orientreise. Sie führt ihn nach Algerien, Tunesien, Malta, Griechenland, Kreta und Ägypten. Weiterhin bereist er Jordanien, den Libanon, Syrien und die Türkei. Seine Erlebnisse wird er in den folgenden Jahren in zahlreichen Büchern veröffentlichen. Ab 1843 arbeitet er im Auftrag des Kronprinzen Wilhelm am Babelsberger Park. Nachdem er 1845 die Standesherrschaft Muskau verkaufte, zog er sich gemeinsam mit seiner Frau auf das Branitzer Gut zurück. Hier beginnt er ab 1846 mit der Gestaltung der Landschaft, in den folgenden Jahrzehnten wird aus einer eher öden Gegend einer der bedeutendsten deutschen Landschaftsgärten. Von Anfang an öffnete der Fürst den Park auch den Bürgern der Stadt und den Gästen. 1857 ernennt die Stadt Cottbus Hermann Fürst von Pückler-Muskau zum Ehrenbürger. Am 4.2.1871 verstirbt Pückler auf Schloß Branitz. Die Beisetzung erfolgt im Tumulus, der Seepyramide. Den Park vollendete Heinrich Graf von Pückler im Sinne des Fürsten. Nach 1945 mußte die Familie Pückler Branitz verlassen, seit 1989 / 90 engagiert sie sich in Branitz und unterstützt das Museum.

1793
Cottbuser "selbständige Bürger" gründen am 15.2. den "Verein zur freundlichen Unterhaltung und Erholung", der später "Societät" genannt wird und aus dem am 23.11.1814 die "Wintergarten-Gesellschaft" hervorgeht. Im gleichen Jahr erwirbt die Wintergarten-Gesellschaft den "Wintergarten des Kaufmanns Keyling" in der Spremberger Vorstadt und erbaut dort später ihr Vereinslokal. Das kulturelle Leben der Stadt findet wenige Jahre später aber eine weitere Bereicherung. Am 5.4.1796 gibt der Cottbuser Buchdrucker Johann Gottlieb Kühn unter dem Titel "Neue Cottbusische Stadt- und Amtsnachrichten" die erste Cottbuser Zeitung heraus. Sie wird schon bald nach Erscheinen der ersten Nummern von der preußischen Regierung verboten, aber ab 1803 werden die "Erzählungen zum Nutzen und Vergnügen" die Cottbuser mit neuesten Nachrichten versorgen.

1796
Am 3.1. erleben die Ströbitzer ein Feuer im Dorf, das siebzig Gehöfte zerstört.

1797
Am 28.1. wird die Cottbuser St. Johannis-Loge der Freimaurer "Loge zum Brunnen in der Wüste" gestiftet. Am 5.8. finden sich sieben Cottbuser zusammen, um die Loge zu insistieren: Superintendent Schmidt, Prediger Bolzenthal, Prediger Schulze, Kaufherr Keyling, Wundarzt Wißkott, Kaufmann Ohnesorge und Buchdruckereibesitzer Kühn. Am 4.5. erhält Apotheker Bockshammer die Erlaubnis, in der Stadt die zweite Apotheke zu eröffnen und richtet im "Schwarzen Adler" die Adlerapotheke ein. Dies ist die erste Neugründung einer Apotheke in Cottbus, die neben der bestehenden Löwenapotheke ihre Dienste anbieten darf. In den folgenden Jahrzehnten werden noch weitere Apotheken gegründet, so z. B. am 5.12.1890 die Kronenapotheke, am 13.11.1894 die Sandower Apotheke und am 15.12.1922 die Nordapotheke.

1798
In der Luckischen Gasse wird am 29.7. Carl Blechen geboren. Sein Vater war Steuerbeamter und seine Mutter die Tochter eines sorbisch/wendischen Schneiders. Während seiner Schulzeit in Cottbus nahmen der Madlower Pfarrer Happatz und der Maler Lemmrich besonderen Einfluß auf ihn. Zwischen 1815 und 1822 absolvierte er eine Lehre als Bankkaufmann in Berlin, malte und zeichnete jedoch auch weiterhin in seiner Freizeit. Die folgenden beiden Jahre nutzte er zu einem Studium an der Berliner Akademie der Künste, 1823 begab er sich auf eine Studienreise nach Dresden und in die Sächsische Schweiz. Von 1824 - 1827 arbeitet Carl Blechen am Königstädtischen Theater in Berlin als Dekorationsmaler. Am 27.12.1824 heiratete er die Putzmacherin Henriette Boldt und im Dezember 1826 wird Blechen in den Berliner Künstlerverein aufgenommen. Nach einer Studienreise an die Ostsee 1828 bereist er bis 1829 Italien. Nach einer Empfehlung von Schinkel wird Blechen 1831 zum Professor für Landschaftsmalerei an der Berliner Akademie berufen und zwei Jahre später unternimmt er noch einmal eine Studienreise, diesmal führt sie ihn den Harz. Ab 1835 traten immer wieder Anzeichen einer psychischen Erkrankung auf und im März 1838 entstand seine letzte Arbeit - eine Zeichnung. Zahlreiche Freunde seiner Zeit bemühten sich um Blechen, so z. B. die Dichterin Bettina von Arnim und der Kunsthändler Sachse aus Berlin. Carl Blechen starb am 27.7.1840 und sein Werk geriet zunächst in Vergessenheit. Das ausgehende 19. Jahrhundert lenkte jedoch den Blick wieder auf die Arbeiten des Malers Blechen. In der Ausstellung der Berliner Nationalgalerie im Jahre 1881 und der "Jahrhundertausstellung" 1906 fanden sich die Arbeiten Carl Blechens neben anderen bedeutenden Künstlern wieder. Die Stadt Cottbus beginnt ab 1911 mit dem Aufbau einer Kunstsammlung. Zunächst werden Gelder für einen ersten Ankauf zur Verfügung gestellt und zwei Jahre später konnten die Cottbuser im Sitzungssaal der Stadtverordneten die ersten Bilder des einheimischen Malers bewundern. 1915 umfaßte die Cottbuser Blechensammlung bereits 21 Arbeiten und wurde in den folgenden Jahren beständig erweitert. Während des Zweiten Weltkrieges waren die meisten Bilder der Cottbuser Kunstsammlung in das Gutshaus Klein-Döbbern ausgelagert. Durch die Zerstörung des Gutshauses hatte die Sammlung einige Verluste erfahren. Nach 1947 wurde die Sammlung im Museum der Stadt im Schloß Branitz ausgestellt und weiterentwickelt.

1799
Am Ende des 18. Jahrhunderts verändert sich die überlieferte Lebensweise der Cottbuser. Am 24.7. eröffnet das "Restaurant zur Wachsbleiche", es wird zu einem der beliebtesten Ausflugslokale der Cottbuser. In der unmittelbaren Umgebung der Stadt entstehen in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche andere Schankwirtschaften und Tabagien, das sind beliebte Ausflugslokale, zu denen die Cottbuser am Sonntag pilgern, so z. B. Neuholland 1821 oder auch das Bellevue nach 1813. Neben den Ausflugsgaststätten fanden aber auch die traditionellen Gasthöfe regen Zuspruch, 1801 wurden z. B. in 79 Schänken 5.275 Tonnen Bier verkauft. Aus diesem Jahr gibt es auch die ersten Nachrichten über das hiesige Theaterleben. Zwischen dem 29.12. und dem März 1800 gab Schauspieldirektor Glück zahlreiche Vorstellungen. Zwei Jahre zuvor hatte man noch die Schauspieltruppe der Caroline Leutner abgewiesen, da der Theaterdirektor Döbbelin das ausschließliche königliche Privileg für Theatervorstellungen in Brandenburg/Preußen besaß. Aber nach 1800 setzte sich Amtsrat Hubert dafür ein, daß auch in den folgenden Jahren Schauspieler nach Cottbus kamen und so konnten in den folgenden Jahrzehnten immer wieder Theatergruppen den Cottbusern die Bühnenwelt nahe bringen. Gespielt wurde an den unterschiedlichsten Plätzen, so im "Fürstensaal" des Cottbuser Schlosses, auf einfachen Bretterbuden vor dem Luckauer Tor oder in den verschiedenen Gasthöfen. Nach 1822 findet erstmals das Theater im Gasthof "Goldener Ring" am Altmarkt 21 statt, hier entsteht später das "Cottbuser Theater". Nach 1853 wird der Saal im Obergeschoß ausgebaut und bis 1908 laden Schauspieler und Komödianten in dieses Haus ein.

1800
Im September beginnt Carl Friedrich Claudius mit der Produktion von Wachstuchen in seiner Fabrik vor dem Spremberger Tor. Er wurde am 21.1.1767 in Cottbus geboren, begibt sich 1806 nach Berlin und konstruierte einen Wachstuchballon mit Flugwerk. Am 5. Mai 1811 startet Claudius im Garten der Berliner Tierarzneischule zu einer Ballonfahrt mit seiner "Claudiante" und überflog zwei Stunden die Mark Brandenburg. Er landete aufgrund eines aufkommenden Gewitters, hatte aber bereits eine Höhe von etwa 5.000 Metern erreicht. Die Berliner bereiteten ihm fünf Tage später einen begeisterten Empfang.