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Chronik 17. Jahrhundert

1606
Bis zum Jahre 1610 verwaltet Wedig Reimar Edler von Putlitz das Amt Cottbus, danach hatte Weichmann von Winterfeld die Amthauptmannschaft bis 1625 inne. Ihm folgten zwischen 1625 und 1627 Amtshauptmann Gebhardt von Alvensleben und 1628 und 1636 Vitztum von Eckstädt.

1620
Am 27. Mai findet der erste Gottesdienst der deutsch-reformierten Kirchengemeinde in Cottbus statt. Genutzt wird dafür ein Raum auf dem Schloß, woraus später, nach dem Zusammengehen mit den Hugenotten und dem Aufbau einer eigenen Kirche der Name Schloßkirchgemeinde abgeleitet wurde. Wenig später hält der Dreißigjährige Krieg (1618 - 1648) in Cottbus Einzug: Am 14. Juni werden die ersten Soldaten einquartiert. Noch waren die Kriegsjahre erträglich, auch wenn immer wieder Söldner und Flüchtlinge durchzogen. Bei einer Musterung werden insgesamt 444 waffenfähige Männer gezählt, jedoch war der Alltag schon durch die Auswirkungen der Geldverschlechterungen geprägt. Die "Kipper und Wipper" führen zum Niedergang des Geldwesens, sie prägen minderwertige Münzen. Galt der Reichsthaler 1619 noch 108 Kreuzer, so wurde er 1621 schon mit 390 Kreuzer berechnet. Der Feingehalt der Münzen hatte sich bis 1621 um das siebenfache gegenüber dem Jahre 1596 verschlechtert. Aus Geldnot bat der Cottbuser Rat den Kurfürsten um die Genehmigung, wieder den Cottbuser Heller schlagen zu dürfen.

1626
Am 3. Juli schlägt der Blitz in das Luckauer Tor ein, das nun mühsam wiederaufgebaut werden muß. Allerdings war wohl der Zustand der Stadtmauer bedenklich, da schon 1614 ein Teil derselben hinter der Brettmühle einstürzte. Damit hatte diese Befestigungsanlage wohl in diesen unruhigen Kriegsjahren wenig Widerstandsfähigkeit, wie auch die ständigen Belagerungen und Einquartierungen zeigten. So zogen am 3. August 1626 ca. 40.000 Mann unter dem Befehl des Generals Albrecht von Wallensteins in Cottbus und in der Umgebung ein. Während ihres zweitägigen Aufenthaltes richteten sie in der Stadt und den Dörfern großen Schaden an. Wallenstein selbst nahm Quartier auf dem hiesigen Schloß. Ein Jahr später, am 3. August 1627, zog Wallenstein erneut durch Cottbus und die Umgebung und wieder erlebten die Menschen 5.000 plündernde Soldaten, obwohl diesen bereits knapp 180 Tonnen Bier übergeben worden waren. Am 31. Juli 1627 hatte sich der Cottbuser Magistrat beim Kurfürsten beschwert, daß der Generalstab für 2.000 Thaler Wein genommen hat und diesen nicht bezahlte. Den kaiserlichen Truppen unter Wallenstein folgte dann am 26. Oktober Oberst Fahrenbach wieder mit einigen tausend Mann, die einen Schaden von ca. 4.000 Thaler anrichteten. In den folgenden Jahren erleben die Cottbuser immer wieder den Durchzug von Truppen, 1628 sind es zu Jahresbeginn Sachsen, im April sind es wieder Wallensteins Söldner und im Sommer wird die Stadt von kaiserlichen Truppen besetzt.

1627
Während der Kriegsjahre wird die Stadt immer wieder auch von der Pest heimgesucht. In diesem Jahr fallen ihr ca. 2/3 der Bevölkerung zum Opfer. Während der Pestepidemie 1631 brennt das Siechenhaus ab. Zwei Jahre später, 1632 / 1633, erleben die Cottbuser erneut diese Seuche. Die Einwohnerzahl sinkt auf ca. 150 und auch 1637 kommt eine neue Krankheitswelle nach Cottbus.

1631
Die Jahre des Krieges gehen an der Stadt nicht spurlos vorüber. Immer wechselnde Armeen besetzen und plündern die Stadt. Im Januar 1630 erleben die Cottbuser den Durchzug und die Einquartierung der Truppen des Obersten Kehr und im Sommer sind die schwedischen Truppen in der Stadt. Zu Beginn des Jahres 1631 zieht der kaiserliche Oberst Goetze durch den Cottbuser Kreis und hinterläßt eine Spur der Verwüstung. Am 26. Juni 1631 greift er mit seinen Soldaten die Stadt an und vertreibt den hier weilenden schwedischen Oberst Bock. Der Einnahme der Stadt folgt eine wüste Plünderung, der elf Bürger zum Opfer fallen. Da die Stadt die geforderte Kontribution in Höhe von 16.000 Thalern nicht aufbringen kann, werden 6 Geiseln verschleppt. Im September zieht Oberst Goetze erneut in Cottbus ein, und ein Jahr später, 1632, kommen kroatische Truppen. Weimarer Reiter und sächsische Truppen plündern ebenso wie die 7.000 Kroaten die Stadt und saugen die letzten Reserven der Stadt auf. Viele Häuser liegen brach, die Bewohner der Region haben Mühe, ihren Alltag zu fristen. Unmittelbar vor der Stadt, am Luckauer Tor, wird ein Kind von einem Bären zerrissen; auch Wölfe werden in der Umgebung gesichtet. Zwar werden auch in den folgenden Jahren immer wieder Einquartierungen und Truppendurchzüge vermeldet, z. B. 1634 von Sachsen und Kroaten, im Jahr darauf von Brandenburger Soldaten, aber von größeren Schäden ist zu diesem Zeitpunkt kaum noch die Rede. Nach dem Friedensschluß zwischen Brandenburg und Sachsen sowie dem Kaiser gelten die Schweden nun als Feinde des Landes. Im Jahre 1640 ziehen schwedische Truppen unter General Stalhans in die Stadt ein, der ein Jahr später 34.190 Thaler Kontribution einfordert. Auch in den folgenden Jahren sind immer wieder kaiserliche oder schwedische Truppen in Cottbus. Über die schwedischen Soldaten klagten die Cottbuser, "daß ein so gahr gottloses und böses Volk noch niemals in Cottbus gewesen sei". Erst 1652 verlassen letztere die Stadt und in einem Visitationsprotokoll wird dem Kurfürsten von Brandenburg über den Zustand seiner Besitzungen berichtet.

1635
Dem Hofmusiker Martin Krüger wird am 23.11. das Privileg bewilligt, in seinem Haus "Am Ring" einen Ausschank zu betreiben. Neben dem Ratskeller, der erstmals 1639 erwähnt wird, ist dies der älteste Nachweis einer Gaststätte, damals auch als "Freihaus" bezeichnet.

1638
In diesem Jahr wird in einer Verfügung festgelegt, daß in der Wendischen Kirche, der alten Klosterkirche, wendisch gepredigt werde. Dagegen wird in der Oberkirche die deutsche Sprache benutzt, schnell bürgerte sich der Begriff "Deutsche Kirche" ein. Den landläufigen Namen "Oberkirche" erhielt die Kirche St. Nikolai vermutlich im 18. Jahrhundert, weil sie nach der Reformation als Mutterkirche festgelegt war und die ehemalige Klosterkirche eine Filialkirche war.

1639
Abraham von Grünberg übernimmt die Verwaltung der Herrschaft Cottbus als Amtshauptmann. Er wird bis zu seinem Tod am 16.3.1672 diese Funktion ausüben.

1644
Auf dem Kirchhof vor dem Spremberger Turm wird die Begräbniskapelle "Ad sanctam portam" geweiht. Der Bau dieser Kapelle hatte sich über zwei Jahre erstreckt. Sie wird zeitweilig der kleinen katholischen Gemeinde zweimal im Jahr zu Gottesdiensten zur Verfügung gestellt.

1650
Auf der Grundlage des Cottbuser Dialektes verfaßt Jan Choinan in Lübbenau eine niedersorbische Grammatik. Wenige Jahre später, 1667 erheben sich die zumeist sorbischen Bauern in der Region. Sie fordern die Befreiung von Diensten und Abgaben, ca. 4.000 Bauern beteiligten sich am Aufbegehren. Im Sommer 1667 werden dessen Anführer auf das Cottbuser Schloß geladen, um hier ihre Beschwerden vorzutragen. Am 27. Juli wird der Aufstand endgültig niedergeschlagen und die Anführer nach Küstrin gebracht, wo sie zwei Wochen Wallarbeiten als Strafe ableisten müssen. Zur gleichen Zeit fordert der Kurfürst Friedrich Wilhelm die Abschaffung der sorbischen Sprache in der Neumark. Dem folgte am 9.12.1667 durch ein Edikt das Verbot gedruckter sorbischer Bibeln, einmal mehr hatten die Landesherren ihre Macht gegen die sorbischen Bewohner der Region eingesetzt. Diese Politik findet ihre Unterstützung durch das Lübbener Oberkonsistoriums, welches 1668 eine Druckschrift "Ohne vergreifliche Monita, wie im hiesigen Markgrafentum die gäntzliche Abschaffung der wendischen Sprache..." herausgibt.

1652
Am 23. März wird in Cottbus eine Visitation durchgeführt. Das ganze Land ließ der Kurfürst Friedrich Wilhelm beschreiben und erhielt so einen Überblick über den Zustand nach dem Krieg. In der Stadt Cottbus waren die Schäden unübersehbar. Gezählt wurden nur noch 243 Bürger, die 51 Berufe ausübten. Viele Hausstellen waren wüst, die Mauern der Stadt wiesen Löcher auf. Jedoch besaß die Stadtmauer selbst nun nur noch als Zollgrenze Bedeutung. Handel und Wirtschaft lagen am Boden und es mußte an vielen Stellen neu begonnen werden.

1653
Die Bewohner der Stadt fanden aber schnell zum Alltag zurück. Am 12. August klagten sie über den zunehmenden Verfall des hiesigen Weizenbieres. Erstmalig erwähnt wurde es 1642, aber scheinbar war der Absatz stark zurückgegangen. Etwa in dieselbe Zeit fällt auch die erste Erwähnung des später so berühmten "Cottbuser Korn", seit 1643 führt der hiesige Schnaps seinen Namen.

1661
Für die Cottbuser Oberkirche fertigt der Torgauer Bildhauer Andreas Schultze einen neuen Hochaltar an und erhält als Lohn 881 Thaler. Der elf Meter hohe Altar ist aus Sandstein, den dreigeschossigen Aufbau zieren Szenen und Figuren aus dem Leben Christi. Im Mittelpunkt des bedeutenden Kunstwerkes ist die Auferstehung Jesu Christi von den Toten dargestellt. Während die Geburt Jesu Christi zur Weihnachtszeit in dem unteren Bereich des Altars dargestellt wird, findet sich die Passion Jesu an die Seiten gerückt. Im Zentrum des Altars steht somit der lebende Jesus Christus. Die Begegnung zwischen Maria Magdalena und dem wieder auferstandenen Heiland am Ostermorgen findet ihre Ergänzung mit zwei alttestamentarischen Szenen: Nach drei Tagen kommt Jonas aus dem Bauch des Walfisches frei und Simson erwürgt den Löwen, womit das Gute über das Böse siegt. Nach oben wird der Altar durch ein Dreieck abgeschlossen, hier ist die Dreieinigkeit Gottes dargestellt: Christus als Herr der Welt, Gott-Vater und der Heilige Geist in Gestalt einer Taube. Dieses bedeutende Oeuvre hat die Jahrhunderte überstanden, Stadtbrände hinterließen ihre Spuren an der Kirche ebenso wie die Kriege des vergangenen Jahrhunderts, vor den Zerstörungen während des 2. Weltkrieges wurde der Altar nur durch Einmauern geschützt.

1671
In der Nacht zum 21. März beginnt früh gegen 2.00 Uhr ein verheerendes Unglück: An der Stadtmühle entsteht ein Brand, der sich bald über die ganze Stadt ausbreitet. Erst am Nachmittag kommt das Feuer in der Klosterstraße zum Erliegen. Das Haus mit den drei Mohrenköpfen, später führte es die Nummer 66, blieb den Cottbusern lange in Erinnerung. Ob jedoch die drei Mohrenköpfe an den Stadtbrand erinnern sollten oder vielleicht eine ganz andere Bedeutung besaßen, konnte bis heute nicht geklärt werden. Auffällig ist jedoch, daß sie in der Darstellung eindeutig Gesichtszüge afrikanischer Menschen tragen und gar nicht an rauchverschmutzte Bewohner der Stadt erinnern. Vermutlich war es nur ein Hauszeichen und hier wurde ein Kolonialhandel betrieben. Die Stadt jedoch trauerte, vier Tote waren zu beklagen und 93 Brauhäuser sowie 214 weitere Wohnhäuser waren ein Opfer der Flammen geworden. Schäden hatte auch das Cottbuser Rathaus zu verzeichnen, das hiesige Archiv verbrannte. Die Oberkirche blieb jedoch wie das Schloß und das Schulgebäude verschont. Auf Befehl des Kurfürsten sollten nun die mit Stroh gedeckten Dächer beseitigt und die Mauern aus Ziegelsteinen errichtet werden. Noch im gleichen Jahr fertigte der Glockengießer Franz Sebastian Vollard in Frankfurt/Oder fünf Glocken an: Drei wurden in den 1671 abgebrannten und wieder aufgebauten Turm der Oberkirche gebracht und zwei kamen auf den Turm des Rathauses.

1685
Kurfürst Friedrich Wilhelm erließ den "Kommissions-Receß". Mit ihm wollte er den Wiederaufbau nach Krieg und Stadtbrand beschleunigen, noch immer lagen etwa 200 Grundstücke in Cottbus wüst da. Den Handwerkern wurde die Niederlassung in der Stadt erleichtert, so wurde z. B. das Meistergeld drastisch gesenkt, die Anfertigung kostbarer, aber teurer Meisterstücke untersagt und auch der Meisterschmaus begrenzt.

1688
In diesem Jahr soll erstmals in der Stadt durchsichtiges Glas hergestellt worden sein. Die älteste Urkunde der Glaserinnung datiert auf den 22.1.1704.

1698
In Cottbus wirkte der Postmeister Ludwig Böttcher. Es wurde eine Verbindung zwischen Berlin und Cottbus eingerichtet, der Brief kostete zwei Groschen. Jedoch gab es wohl schon eher ein Postamt, denn 1694 verbot der Kurfürst den Postkutschern, ihr Horn in der Stadt zu blasen und 1692 führte die sächsische Post auf ihrem Weg von Dresden nach Warschau über Cottbus. Damals befand sich die Postexpedition im Gebäude des Amtsrates Hubert, vermutlich war dies das erste Cottbuser "Postamt".