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Chronik 15. Jahrhundert

1405
Johann III. von Cottbus beglaubigt am 11.5. den Tuchmachern das "Gewandmacherprivileg". Damit bestätigt er sowohl ältere, seit langem bestehende Rechte und Pflichten. Abermals werden die Sorben und Wenden von einem wichtigen Handwerk ausgeschlossen, da die Tuchmacher "eheliche Geburt und deutsche Abstammung" für ihr Handwerk fordern. Weiterhin wird festgeschrieben, daß Schafwolle und Leinengarn nicht vermischt und daß zur Tuchherstellung nur Herbstwolle verwendet werden darf. Im Privileg wird darauf hingewiesen, daß neben den Tuchmachern auch die Fleischer, Bäcker und Schuhmacher in der Stadt organisiert sind.

1406
Nur etwa ein Jahr später erteilt Johannes III. von Cottbus am 29.11. auch den Leinewebern ein neues Privileg. Erneut werden die alten Rechte bestätigt und detailliert die Verarbeitung der Rohstoffe und die Organisation des Handwerkes vorgeschrieben.

1409
Johann III. übernimmt am 20.1. für die Stadt und Herrschaft das Magdeburger Recht. Lediglich im Bereich des Erbrechts bestimmt die "Cottbuser Willkür" Abweichungen und Besonderheiten, die bis zur Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches 1900 gültig bleiben.

1412
Rudolf von Planitz, Bischof von Meißen, bestätigt am 2.1. die "Kapelle und Altar des heiligen Wenzel" vor den Toren der Stadt Cottbus.

1413
Am 3.2. stiftet der Adlige Koppe von der Dahme einen "Altar zum Heiligen Kreuz" für die Oberkirche und einen "Altar zur Heiligen Dreieinigkeit" für die Katharinenkapelle, an deren Stelle heute die Schloßkirche steht. Auch diese beiden Stiftungen finden ihre Bestätigung durch den Meißener Bischof Rudolf von Planitz. Nur wenig später, am 21.12.1413, stiftet das Ehepaar derer von Dahme dem Hospital acht Tonnen Malz. Dieses befand sich im einstigen Haus der Kreuzbrüder am Sandower Ufer der Spree und diente als Hospital und Armenhaus.

1415
Das am Ufer der Spree gelegenen Sandow findet erstmalig urkundliche Erwähnung. Es handelte sich wohl um ein Sackgassendorf. Die Bewohner sollen überwiegend sorbische Fischer gewesen sein.

1420
Kaiser Sigismund verurteilt am 22.1. die Herren von Cottbus auf dem Reichstag von Breslau zum Schadensersatz in Höhe von 2.400 Schock böhmische Groschen für ihren Raubzug an der Spree gegen die Kaufleute aus Cöln. Johann III. jedoch weigerte sich trotz Reichsacht dieser Verpflichtung nachzukommen. Auch seine Söhne Luther und Reinhard widersetzen sich der kaiserlichen Anordnung und begeben sich 1424 zunächst mit ihrem Vater unter den Schutz des sächsischen Kurfürsten. Nach dem Tod Johann III. im Jahre 1431 teilen sich die beiden Brüder die Herrschaft über Cottbus.

1429
Bereits seit 1422 überziehen die Hussiten die Lausitz mit Unruhe und Krieg. Die Cottbuser hatten den Bautzener ebenso in ihrem Widerstand geholfen wie schon 1427 den Görlitzern und 1428 den Löbauern. Nachdem also die Hussiten keine Stadt in der Oberlausitz einnehmen konnten, zogen sie in die Niederlausitz. Am 20.10. stehen sie vor den Cottbuser Stadtmauern, jedoch vergeblich. Diese unruhigen Zeiten dauern bis 1437, manche Stadt, z. B. Guben und Spremberg wurden eingenommen, andere, wie Luckau, widerstanden auch den einfallenden Hussiten.

1435
In den Görlitzer Ratsrechnungen findet sich unter dem Datum 7.8.1435 ein Hinweis auf die Cottbuser Mühle am Stadtgraben. Der hiesige Müller soll die Görlitzer bei der Einrichtung einer eigenen Mühle beraten haben und wird dafür von den Görlitzern beköstigt. Obwohl es sich um eine Stadtmühle handelte, war das Mühlenregal Eigentum des Landesherrn, der es jedoch an Dritte verpachten konnte. Zudem wurde festgeschrieben, daß die Bauern der umliegenden Dörfer ihr Korn nur in der Stadtmühle mahlen lassen durften und dafür Steuern zu entrichten hatten. Im Gubener Stadtbuch wird "Jac. Domink, der alte Schulmeister in Cottbus" erwähnt, der in Guben ein Haus besaß. Dies ist die älteste schriftliche Erwähnung einer Cottbuser Schule, jedoch belegen die zahlreichen Studenten an verschiedenen europäischen Universitäten, daß Cottbus bereits während des 14. Jahrhunderts eine Lateinschule besessen haben kann, allerdings ist es durchaus möglich, daß diese Studenten privaten Unterricht erhielten. Der Cottbuser Schulmeister soll um 1442 in Guben verstorben sein.

Um 1440
Auf einer Mitteleuropakarte der Wien-Klosterneuburger Schule ist Cottbus als "Kokubuzl" verzeichnet. Leider ist diese Karte nicht mehr erhalten, jedoch finden sich Beschreibungen im Codex Latinus Monacensis 14.583 der Bayrischen Staatsbibliothek, die 1449 von dem Mönch Fridericus Amann aus dem Benediktinerkloster Stankt Emmeram angefertigt wurden.

1441
Reinhard und Luther werden am 18.7. erneut zum Schadenersatz für den Raubüberfall auf die Kölner Kaufleute verurteilt. Da sich mittlerweile abzeichnete, daß die alte Forderung mit Gewalt durchgesetzt werden könnte, hatten sich die beiden gemeinsam mit dem sächsischen Kurfürsten bereits am 23.2.1441 für zehn Jahre in ein Schutzbündnis mit dem Kurfürsten Friedrich II. von Brandenburg begeben. Endgültig stellt sich Reinhard von Cottbus im Dezember 1443 unter den Schutz des Brandenburgischen Kurfürsten.

1443
Erstmalig findet das Gewerk der Garnmacher Erwähnung. Aber auch die Privilegien der Tuchmacher und Leineweber finden am 1.6.1443 ihre Bestätigung durch Luther von Cottbus.

1445
Reinhard von Cottbus verkauft am 18.7. seinen Anteil an der Herrschaft über Cottbus für 5.500 Schock böhmische Groschen an den Kurfürsten Friedrich II. von Brandenburg. Nur zwei Tage später leisten die Cottbuser Einwohner den Treueid auf den Hohenzollern. Reinhard von Cottbus erhält am 21.7.1447 das Schloß Zantoch und wird gleichzeitig zum Landvogt des Landes Sternberg bestellt, wo er dem Kurfürsten einen Teil des Geldes für die Herrschaft Cottbus quittiert. Mit dem Tod des Luther von Cottbus übernimmt der Brandenburger Kursfürst am 4.6.1455 auch den zweiten Teil der Herrschaft von Cottbus. Seit dieser Zeit gehört Cottbus zum Kurfürstentum Brandenburg und späteren Königreich Preußen. Lediglich in den Jahren 1806 - 1814 werden Stadt und Herrschaft dem Königreich Sachsen zugeordnet.

1446
Für den Müller Nicolaus Pfuhl, "unser molner auf unserm teile der Molen zu Cottbus", wird auf Veranlassung des Kurfürsten Friedrich II. von Brandenburg am 4.11. eine Beschreibung der zwei Mühlen angefertigt. Festgelegt wird darin u. a.: "Er soll den vierten halben Scheffel haben an Getreide und was us der molen gesellet. Dafür soll er den vierten halben Pfennig geben czu steynen, ...."

1449
Aus diesem Jahr stammt die älteste schriftliche Überlieferung für das Dorf Branitz. Ströbitz findet drei Jahre später 1452 als "Strowitz" erstmalig Erwähnung. Im letzen Viertel des 15. Jahrhunderts erwirbt die Stadt Cottbus das Dorf Ströbitz, über Jahrhunderte ist es eines der Cottbuser Amtsdörfer. Brunschwig findet erst 1486 urkundliche Erwähnung. Das Gebiet nördlich der Stadt ist einst gegliedert in drei Brunschwig: Brunschwig am Berge, Brunschwig in der Gasse und das Rittergut Brunschwig. Auch das Dorf Ostrow findet seine älteste urkundliche Erwähnung im Jahre 1497.

1457
Erstmalig findet der Cottbuser Jahrmarkt Erwähnung. Der Landvogt der Niederlausitz sicherte den Görlitzer Kaufleuten freies Geleit zum Jahrmarkt nach Cottbus zu. Dieser fand jeweils an den ersten Montagen nach Ostern und nach dem 1. September statt. Bis ins 20. Jahrhunderte fanden zudem in der Stadt Cottbus noch Wochenmarkt, Wollmarkt, Wachsmarkt, Viehmarkt und eine Karpfenbörse an verschiedenen Orten in der Stadt statt.

1459
Kurfürst Friedrich II. von Brandenburg hält am 21.11. auf dem Cottbuser Schloß einen Fürstentag ab. Hier stellt er die Forderung an den böhmischen König Podiebrad, ihn endgültig mit seinen Neuerwerbungen in der Niederlausitz zu belehnen. Zwar erfüllt König Georg Podiebrad diese Forderungen, jedoch gibt er diese Besitzungen kurze Zeit später dem Zdenko von Sternberg als Lehen. Dies führt in den folgenden Jahren zu militärischen Auseinandersetzungen, die erst im Frieden zu Guben am 5.6.1462 ihren Abschluß finden. Der böhmische König belehnt Friedrich II. nun mit Cottbus, Peitz, Teupitz, Bärwalde und Großlübbenau. Weiterhin erhält er die Anwartschaft auf Beeskow und Storkow. Die übrige Niederlausitz verbleibt lehnsrechtlich bis 1815 beim Königreich Böhmen. Zuvor belagert Zdenko von Sternberg am 29.10.1461 die Stadt Cottbus und wird im Frühjahr 1462 bei Luckau endgültig geschlagen. Vermutlich besucht der Kurfürst Friedrich II. von Brandenburg nun öfter die Stadt, denn bereits im Juli 1448 weilte er in Cottbus. Auch am 23.11.1450 war er zu Gast in Cottbus und gab eine Erklärung zur Übernahme der Vogtei der Lausitz ab.

1462
Am 17.6. übergibt der Brandenburger Kurfürst Friedrich II. das Cottbuser Hospital, am Sandower Ufer gelegen, den "Ordensbrüdern vom Heiligen Geist". Dieses Hospital bleibt bis ins 19. Jahrhundert hinein die wichtigste medizinische und soziale Einrichtung der Stadt.

1468
Ausgelöst durch einen Blitzstrahl wird am 19.9. fast die ganze Stadt in Schutt und Asche gelegt, da das Feuer nicht gebändigt werden kann. Bei diesem Unglück wurde auch die alte Katharinenkapelle vernichtet, an deren Stelle Jahrhunderte später die hugenottischen Flüchtlinge die Schloßkirche errichteten. Nachdem mit großen Mühen die Schäden beseitigt waren, brannte die Stadt 1479 erneut ab. Auch in den folgenden Jahren erlebten die Cottbuser manches Feuer. So brannte es am 4.9.1486 erneut in der Stadt. Bei diesem Feuer soll die Oberkirche bis auf die Mauern niedergebrannt sein, die anschließend wiederaufgebaut wurde.

1471
Bürgermeister Nickel Gebhardt bescheinigt am 25.5. der Schützengilde ihre alten Rechte und Pflichten in einer Satzung. Mitglied durfte nur werden, wer eheliche und ehrliche Geburt nachweisen konnte. Eine Neuerung war die Aufnahme von Frauen in die Reihen der Cottbuser Schützengilde. Festtage der Gilde waren der 20. Januar, der Tag der Schutzpatrone Fabian und Sebastian und der 3. Pfingstfeiertag. Zu Pfingsten erfolgte auch das große Schießen nach der Vogelstange, später fanden hierfür die selbstgemalten Schützenscheiben Verwendung. Zudem stellte die Schützengilde die militärische Organisation der Bürgerschaft dar und sollte die nächsten Jahrhunderte immer wieder Gelegenheit erhalten, in die Geschicke der Stadt einzugreifen.

1475
Mit Reinhard von Cottbus stirbt der letzte Herr von Cottbus. Er war seit 1469 Besitzer der Standesherrschaft Lieberose gewesen, nachdem er bereits am 15.4.1448 mit Peitz auf Lebenszeit belehnt worden war.

1478
Während der Auseinandersetzungen zwischen dem Kurfürsten Albrecht Achilles und dem Herzog Hans von Sagan erlebt die Stadt Cottbus eine siebentägige Belagerung. Da der Herzog die Stadt nicht einnehmen kann, verwüstet er das Land ringsum. Durch die herbeigeeilten Brandenburgischen Truppen wird Hans von Sagen am 10.10.1478 bei Crossen geschlagen.

1483
Schon im beginnenden 14. Jahrhundert üben die Herren von Cottbus das Münzrecht aus. Damals wurden Brakteaten geprägt, die bereits mit dem Krebs gekennzeichnet waren. Später erhält die Stadt das Münzrecht und prägt in diesem Jahr erstmals weiße Heller mit dem Krebs. Außerdem erhalten diese Heller nachweislich ab 1520 die Buchstaben "SC", womit der Prägeort Cottbus angegeben war. Zuvor waren es wohl meist Kupfermünzen, die man auch rote oder schwarze Heller nannte. Als Münzstätte diente vermutlich der Münzturm an der Nordostecke der Stadtmauer, auch wenn bis heute keine archäologischen Befunde diese These stützen.

1484
In alten Stadtchroniken wird von einer Heuschreckenplage berichtet. In ihrem Gefolge erleben die Cottbuser eine große Hungersnot. In den nächsten Jahren bis 1493, einem besonders heißen Sommer in Cottbus, sollen immer wieder Schwärme von Heuschrecken die Lausitz heimgesucht haben. Wiederholt sind es die Unbilden der Natur, die ihre Spuren hinterlassen. Knapp achtzig Jahre früher war es der Winter, der im Frühjahr 1408 Brunnen ebenso dampfen ließ wie die Misthaufen und alle Gewässer waren zugefroren, so dass die Mühlen stillstehen mussten. Am Ende des Jahrhunderts bedroht 1496 die Spree mit Hochwasser wieder die Cottbuser.

1488
Als Erzpriester von Cottbus wird Erasmus von Brandenburg berufen. Er ist zudem Probst von Berlin und politischer Gewährsmann des Kurfürsten Albrecht Achilles. Der spätere Reformator Johannes Briesmann wird am 31.12. in Cottbus geboren. Das Haus, heute Altmarkt 15, war im Besitz seiner Familie. Der Franziskaner besuchte 1507 die Universität in Wittenberg und erhielt 1510 die Priesterweihe. Der anfängliche Gegner Luthers wurde bald zu einem bedeutenden Reformator, nach einem kurzen Aufenthalt in seiner Geburtsstadt 1522, begab er sich 1523 nach Königsberg, wo er am 1.12.1549 an den Folgen der Pest starb.

1494
Am 6.11. bestätigt Bischof Johann von Meißen die Stiftung des "Altars des heiligen Erasmus" für die Oberkirche durch die Braukommune in Cottbus.

1495
Die Meißener Bistumsmatrikel stellt ein Verzeichnis des Bischofs Johann VI. von Salhausen dar. In dieser Urkunde wird direkt verwiesen auf eine Meißener Bistumsmatrikel aus dem Jahre 1346, deren Existenz bisher nicht nachgewiesen werden konnte. Zahlreiche Altäre und Kirchen aus Cottbus und Umgebung finden nun in der Matrikel des Bischofs Sahlhusius Erwähnung.

1496
Wiederum werden die Cottbuser von der Pest heimgesucht. Rund 2.000 Menschen fallen ihr zum Opfer. Hieronymus Scultetus übernimmt den Erzpriesterstuhl in Cottbus. Wenig später wird er Berater des Kurfürsten Joachim I. von Brandenburg und anschließend Bischof von Brandenburg und Havelland.

1497
Die älteste Erwähnung des Dorfes Ostrow ist überliefert. Ein Jahr später findet 1498 das Rittergut Brunschwig seine älteste urkundliche Erwähnung.

1499
In diesem Jahr wird Joachim I. Kurfürst von Brandenburg. Obwohl er erst 16 Jahre alt ist, tritt er als Landesherr konsequent auf und bekämpft das weit verbreitete Raubritterwesen. Der Herrschaft Cottbus läßt er seine besondere Fürsorge angedeihen. Am 13. Dezember des Jahrs stirbt der hiesige Erzpriester Erasmus von Brandenburg.

1500
Der Kurfürst in Brandenburg bestätigt dem Cottbuser Kloster am 25.10. die Holzgerechtigkeit in den Wäldern bei Peitz und ordnet an, "das sy all getreid so sie von Ihres closters wegin zu gebrauchen haben In unsere molen zu cottbus ... malen mogen lassen". Nur drei Jahre später 1503 rückt das Cottbuser Franziskanerkloster erneut in den Mittelpunkt des Geschehens: Der Überlieferung nach sollen sich insgesamt 700 Mönche hier versammelt haben. Im Mai fordert Kurfürst August von Sachsen vom Cottbuser Provinzialkonvent, daß die römische Kirche ihre Angriffe gegen die Barfüßer einstellen solle.