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Chronik 14. Jahrhundert

nach 1300
Das 14. Jahrhundert bringt so manche Veränderung in Cottbus. Münzen werden in der Stadt geprägt und erstmals findet sich auf einer Urkunde ein Siegel der Stadt Cottbus, in dem schon damals der Krebs abgebildet war. Die einheimischen Sorben / Wenden werden immer stärker verdrängt, aus den Innungen werden sie ebenso ausgeschlossen wie von der Ausübung städtischer Verwaltung. Cottbuser lernen an den Universitäten in Europa, so sind z. B. an der 1199 gegründeten Universität von Bologna 1300 ein Cunradde de Kothebuz und 1309 ein Otto von Cottbus eingeschrieben.

1301
In einem Vertrag zwischen dem Markgrafen von Meißen und dem Erzbischof von Magdeburg vom 3.8. findet sich erstmals eine Beschreibung der Cottbuser Burg: "Novum castum apud Kohebuz cum oppido et castro Kohebuz" - "die neue Burg bei Cottbus mit der Stadt und der Burg Cottbus". Während mit der Burg Cottbus die ursprünglichen Anlagen auf dem alten Burgwall gemeint waren, befand sich die Neue Burg außerhalb dieses Areals. Warum eine neue Anlage erbaut wurde, konnte bis heute nicht eindeutig geklärt werden; vermutlich war die Herrschaft Cottbus eine Zeitlang geteilt, denn 1304 werden die Vettern Fredehelm und Johann von Cottbus vom Brandenburger Markgrafen gemeinsam "mit allen ihren Gütern zur gesamten Hand" belehnt. Im gleichen Jahr tritt aber auch ein Johannes von Cottbus auf. Ähnlich beschreibt eine Urkunde vom 10.8.1336 "das Niehaus bi Kothebus met dem wibilde un de Hus tzu Kothebuz".

1303
Richard von Cottbus gründet das Franziskanerkloster. Es befand sich an der nördlichen Stadtmauer, noch heute zeugt von ihm die Klosterkirche. Anlaß für die Gründung war vermutlich der Dank Richards an seinen Vater, denn das Kloster wurde von ihm mit reichem Grundbesitz ausgestattet, so z. B. die Dörfer Sandow, Brunschwig, Schmellwitz, Ostrow und halb Döbbrick. An der heutigen Klosterkirche ist noch immer die Jahreszahl 1303 zu lesen. Damals sollen Würfelspieler bei ihrem unchristlichen Spiel in der Kirche vom Blitz erschlagen worden sein.

1304
Aus Geldmangel verkaufte am 8.7. Markgraf Diezmann den westlichen Teil der Lausitz an den Markgrafen Otto. Bis zum Jahre 1370 sollten die Eigentümer der Lausitz ständig wechseln. Jedoch blieben die Herren von Cottbus im Besitz ihrer Herrschaft, am 12.12.1304 wurden Johann und Fredehelm von Cottbus durch Waldemar den Große und die Markgrafen Otto und Hermann von Brandenburg belehnt.

1306
Wetterunbilden mögen den Lausitzern damals das Leben schwergemacht haben, in diesem Sommer soll es zu Hochwasser und Überschwemmungen gekommen sein. Die Schäden vor der Ernte führen zu Teuerungen. Ähnliches erleben die Cottbuser nur wenige Jahre später. 1312 / 1313 zerstören Niederschläge und Hagel die Feldfrüchte und noch einmal werden die Lebensmittel unverhältnismäßig teuer. Auch im folgenden Jahr zerstören Niederschläge das Getreide auf den Feldern. So kommt es auch 1315 zu einer enormen Teuerung, das Getreide kostete in diesem Jahr fast das Zehnfache des normalen Preises.

1307
Fredehelm von Cottbus wird am 15.12. beigesetzt. Seine Frau, Adelheid von Colditz stirbt 1309 und wird an seiner Seite beigesetzt. Noch heute zeugt der Grabstein in der Klosterkirche von diesem adligen Paar. Die Sandsteinplatte zeigt die beiden in Form eines Hochreliefs und zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen der frühen Cottbuser Geschichte: Das Ehepaar wird in einer seltenen Darstellung gezeigt - Fredehelm hat den Arm um seine Frau gelegt. Damit soll wohl das liebevolle und innige Verhältnis der beiden zueinander gezeigt werden.

1310
In diesem Jahr soll eine Pestepidemie die Stadt heimgesucht haben.

1311
Johann von Cottbus ist nun im Besitz aller Anteile der Herrschaft Cottbus, da er nur noch allein genannt wird.

1319
Der Bündnisvertrag zwischen den Herren von Cottbus, Johann I. und Richard mit der Stadt Guben vom 1.9. ist erstmalig gesiegelt mit einem roten Siegel, das die Umschrift "St. Richardi de Cotebus" besitzt. Notwendig wurde dieser durch die Streitigkeiten nach dem Tod des Markgrafen Waldemar von Brandenburg. Im April 1312 hatte Friedrich von Tangermünde auf die Lausitz zugunsten von Waldemar und Johannes von Brandenburg verzichtet. Nach seinem Tod erheben die benachbarten Fürsten aus Schlesien und Böhmen Ansprüche auf die Neumark und die Lausitz. Die Streitigkeiten ziehen sich bis ins Jahr 1364 hin, als am 14.4.1364 Karl IV. mit der Einwilligung Ludwig des Römers und dessen Bruder Otto das Pfandgeld an die Meißener Brüder zahlte und damit die Lausitz auslöste. In dieser Urkunde werden "Kotbus, hus und stat" genannt. In diesem Jahr befindet sie sich im Besitz des Herzogs Bolko von Schweidnitz. Schon am 15.11.1364 genehmigte Kaiser Karl IV. eine brüderliche Teilung der Herrschaft zwischen Johannes und Heinrich von Cottbus. Ihren Abschluß findet diese unruhige Zeit der wechselnden Besitzer erst am 1.8.1370, als Karl IV. die Niederlausitz endgültig in das Königreich Böhmen eingliedert. Die Oberlausitz wurde von ihm bereits am 7.10.1355 in das böhmische Königreich eingeordnet. Formal und lehnsrechtlich blieb Cottbus nun bis 1742 unter der böhmischen Krone, auch wenn es bereits seit 1445 / 55 landesrechtlich zu Brandenburg gehörte.

1344
Erstmalig wird erwähnt, daß die Geschicke der Stadt durch die "Ratmannen" geführt werden; an ihrer Spitze steht ein Bürgermeister, jedoch sind die Sorben von der Mitwirkung in diesem Gremium ausgeschlossen.

1346
In einer Stiftsmatrikel des Erzbistums Meißen finden eine Dreikönigskapelle und Marienkapelle, als der Pfarr- und Hauptkirche zugehörig, Erwähnung. Gemeint ist damit die Kirche St. Nikolai. Auch sollen weitere 17 Pfarreien in Cottbus und Umgebung dort genannt worden sein. Jedoch konnte bisher dieses Verzeichnis nicht im Original aufgefunden werden, alle Angaben diesbezüglich berufen sich auf Hinweise in der Bistumsmatrikel des Erzbistums Meißen aus dem Jahre 1495.

1347
In einer am 20.3. in Guben ausgestellten Urkunde wird "Fridhelmo de Khotebuz" als Zeuge benannt. Vermutlich übten in dieser Zeit Fredehelm II. und sein Bruder Johann II. von Cottbus die Herrschaft aus. Jedoch wird zwischen 1349 und 1389 nur Johann II. von Cottbus genannt.

1350
Der Papst Clemenz IV. spricht am 14.5. den Bannbrief gegen die Anhänger des Ludwig von Brandenburg aus. In dieser Urkunde finden sowohl Fredehelm II. und Johann II. von Cottbus Erwähnung, als auch Pfarrer Reinhard von Cottbus. Ausgangspunkt für diesen Streit war das Auftreten des "Falschen Waldemars". Der Bannbrief bedeutete, daß die Bürger ihres Treueides entbunden waren, die Priester keine kirchlichen Handlungen ausführen durften, das Abhalten von Gottesdiensten und das Läuten der Glocken verboten war. Ebenso war es untersagt, die Verstorbenen in geweihter Erde beizusetzen. Aufgehoben wurde der Bann erst durch den Papst Innocenz VI. am 23.3.1358.

1357
Markgraf Ludwig von Brandenburg, der den Beinamen "Der Römer" führte, erteilte Johann II. von Cottbus am 16.3. ein Straßenprivileg, das wenig später, 1371, von Kaiser Karl IV. bestätigt wurde. Während er im Pfandbesitz der Lausitz war, ordnete der Herzog Bolko II von Schweidnitz 1367 an, daß der Warenverkehr fremder Kaufleute nicht über Fehrow gehen solle. Diese schworen jedoch, kaum Einfluß auf den Handel gehabt zu haben. Die Cottbuser Ratmannen beeideten am 25.11.1371 feierlich, daß die Salzwagen, besonders jene, die von Cottbus nach Luckau wollten, seit Menschengedenken den Weg über Vetschau und Tornow genommen haben.

1364
In einer Urkunde vom 14.4. des Markgrafen von Brandenburg, Ludwig des Römers, wird "Kotbus, hus und stadt" genannt. Nur wenige Monate später, am 10.8.1364, finden sich erneut "das Niehaus bi kotebus dem wibilde un de Hus tzu kothebuz" in einer Urkunde des Brandenburgischen Kurfürsten erwähnt. Karl IV. genehmigt am 15.11. die brüderliche Teilung der Güter zwischen den Brüdern Heinrich und Johannes II. von Cottbus und verleiht dem Älteren das Anfallrecht an den Gütern.

1374
Kaiser Karl IV. setzt Johann II. von Cottbus als Statthalter ein. Er übt die Herrschaft in Cottbus zwischen 1349 und 1389 aus und ist wohl einer der bedeutendsten Adligen seiner Zeit. Zugleich ist er markgräflicher und kaiserlicher Beamter "Kapitän der ganzen Mark Brandenburg" und häufig im Auftrag seines Herren unterwegs. Nur wenig später, am 16.5.1377, belehnt der Kaiser auf Wunsch des Johann seinen Sohn Johann den Jüngeren und die Brüder Hans und Ulrich von Biberstein mit Cottbus und Zubehör. Etwa zu dieser Zeit verwendet die Stadt nachweisbar ein eigenes Siegel, sie nutzt dafür das des Johann von Cottbus. Johann III. von Cottbus übt die Herrschaft 1387 bis 1431 aus. Zunächst beteiligt er sich 1387 / 1388 an der Bibersteinschen Fehde um den Besitz der Herrschaft Beeskow /Storkow, dann 1398 / 1399 an der Priebusschen Fehde und 1401 zieht er mit 800 Reitern gegen das Bautzener Land. In den folgenden Jahren sinkt er auf das Niveau eines Raubritters. Ihm folgen seine Söhne Luther und Reinhard, die 1420 sogar Cölner Kaufleute ausrauben.

1380/1382
Erstmals finden wir Nachrichten vom Auftreten der Pest in Cottbus. Auch in den folgenden Jahrhunderten wurde die Stadt immer wieder von dieser Seuche heimgesucht.

1385
Über Jahrhunderte wird das Leben in der Stadt Cottbus von der Tuchmacherei geprägt, aber auch die Bierbrauerei zählt zum bestimmenden Gewerbe in der Stadt. In einer Urkunde schlichtet der Erzpriester Chron aus Cottbus einen Streit zwischen Rat und Gemeinde Beeskow und dem dortigen Probst. Danach wird dem Beeskower Probst zugestanden, daß er ebenso wie der Cottbuser Pfarrer Bier für den eigenen Bedarf brauen darf. Dies ist somit die älteste Überlieferung für die Herstellung des Cottbuser Bieres. Einen weiteren Beleg vom Cottbuser Bier geben uns Görlitzer Ratsrechnungen aus dem Jahre 1409. Damals liefern die Cottbuser dieses Getränk in die Oberlausitz. Daß Cottbuser Bier durchaus ein wichtiges Handelsprodukt war, belegen die Görlitzer Ratsrechnungen erneut am 14.1.1433, als wiederum eine Lieferung Cottbuser Bier in der Oberlausitzer Stadt eintraf. In diesem Jahr wird das Dorf Schmellwitz als "Smellwitz" erstmals erwähnt.

1386
Der Cottbuser Rat stiftet am 25.7. einen Altar "Unser lieben Frauen" und verbindet damit auch die Einrichtung einer Kaplanstelle an der Oberkirche. Dieser Altar ist einer von insgesamt 41 Altären, die bis zur Reformation 1537 in der Oberkirche vorhanden gewesen sein sollen.

1399
Erstmals wird am 15.8. ein Cottbuser Bürgermeister namentlich genannt: Peter Calow hat damals dieses Amt inne. Die Stadt zählt zu dieser Zeit wohl höchstens 2.000 Einwohner, aber unmittelbar vor den Mauern der eigentlichen Stadt Cottbus lagen die Vorstädte und Dörfer, so z. B. Ostrow, Brunschwig, die Spremberger und die Luckauer Vorstadt und das Dorf Sandow am anderen Ufer der Spree. Erneut findet ein Bürgermeister seine urkundliche Erwähnung am 14.12.1430, es ist der Cottbuser Heinrich Snyder. Am 3.9.1453 ist Caspar Strupitz als Bürgermeister genannt.