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Klingeln im Ohr

Alarmierend: immer mehr Menschen leiden unter Hörproblemen. Im Zusammenhang damit tritt häufig der Begriff Tinnitus auf. Von Tinnitus geplagte Personen nehmen Geräusche wahr, die keiner äußeren bzw. keiner für andere Menschen hörbaren Quelle entstammen. Sie tauchen ganz plötzlich auf und setzen sich über Stunden oder Tage in Ohr und Kopf fest und bereiten als Brumm- oder Pfeifton, Summen, Piepsen, Zischen, Rauschen, Knacken oder Klingeln erhebliches Unbehagen. Tinnitus kann sowohl ein- als auch beidseitig wahrgenommen werden, ein konkreter Auslöser ist meist schwierig zu bestimmen.

Die Stärke der Beeinträchtigung durch einen Tinnitus ist individuell unterschiedlich. Zunächst nicht als eigenständige Erkrankung betrachtet, gilt Tinnitus als Symptom für unterschiedliche Störungen. Am Anfang stehen oft Schäden und Erkrankungen im Ohr selbst, z. B. durch Entzündungen. Zu weiteren auslösenden Faktoren für akute und chronische Ohrgeräusche zählen u. a. auch Fremdkörper im Ohr, Erkältung, Nasennebenhöhlenentzündungen, Durchblutungsstörungen, Otosklerose (Knochenerkrankung an Mittel- und Innenohr), Blutarmut, Diabetes, Hörsturz und psychische Belastungen wie Dauerstress oder Depressionen.

Auch der Genuss von Alkohol und Nikotin sowie die Einnahme von Medikamenten stehen im Verdacht, Ursache für das Entstehen von Ohrgeräuschen zu sein.

Eine besondere Rolle spielt Lärm als Auslöser für Tinnitus. Leider gehört Lärm mittlerweile zum täglichen Leben und begegnet jedem Menschen überall im Alltag. Am Arbeitsplatz stören die Geräusche von Computer, Drucker und anderen Büromaschinen. Selbst Gespräche von Kollegen untereinander oder per Telefon gehen meist nicht leise vonstatten. Auf den Straßen lärmen Autos und Motorräder, auf den Baustellen der Presslufthammer. Je nach Wohnlage muss sogar Fluglärm ertragen werden. Nach Feierabend "erfreuen" Nachbarn mit lauten Gartengeräten oder Heimwerkzeugen ihre Mitmenschen. Zur Erholung erfolgt abends vielleicht ein Disco- oder Konzertbesuch - für die Ohren alles andere als erholsam. Auch der ständige Einsatz von Kopfhörern bedeutet Dauerstress für das Gehör. Daraufhin wahrgenommenes Klingeln, Summen oder Pfeifen signalisiert, dass es den Ohren beziehungsweise den Haarzellen in den Ohren zu laut war. In den meisten Fällen können sich die Haarzellen wieder erholen. Sollten sie jedoch über viele Jahre hinweg dauerhafter Überlastung ausgesetzt sein, kann es zum Absterben der Haarzellen kommen. Hieraus kann eine Lärmschwerhörigkeit resultieren. Dies zeigt, dass jede Dauerbelastung, ganz gleich ob laute Musik, Verkehrs- oder Fluglärm, dem Gehör extrem schadet. Doch auch eine einmalige starke Belastung des Gehörs, wie sie z. B. bei der Explosion eines Silvester-Knallers auftritt, kann bereits ein akutes Schalltrauma bewirken und bis hin zu Taubheit führen.

Ohrgeräusche sollten auf jeden Fall ernst genommen werden. Häufig klingt das Pfeifen, Rauschen und Brummen nach kurzer Zeit ab, sobald sich der Betroffene entspannt hat. Sollten die Geräusche nicht nach spätestens drei Tagen verschwunden sein, ist es ratsam, in dieser akuten Phase umgehend mit einem HNO-Arzt mögliche Ursachen abzuklären, damit eine passende Therapie entwickelt werden kann. Bei Symptomen wie Hörverlust oder Schwindel muss sofort der Arzt aufgesucht werden, denn je eher mit der Behandlung begonnen wird, desto höher stehen die Chancen auf Verschwinden des Tinnitus.

Um einen chronischen Tinnitus handelt es sich, wenn die Geräusche nach sechs bis zwölf Monaten immer noch vorhanden sind. Der Betroffene muss in diesem Fall lernen, damit umzugehen. Häufig tritt nach längerer Zeit eine Gewöhnung ein, so dass die Ohrgeräusche als weniger störend wahrgenommen werden als anfangs. Für einige Menschen können diese Geräusche allerdings zu einer schweren Belastung werden, da sie den Alltag beeinträchtigen, z. B. aufgrund von Konzentrations- und Einschlafstörungen.

Tinnitus-Patienten sollten Stress vermeiden und sich keiner zu starken akustischen Belastung aussetzen. Dagegen kann leise rhythmische Musik als Ablenkung genutzt werden, um sich nicht auf das Ohrgeräusch zu konzentrieren - das bei absoluter Stille verstärkt empfunden wird. Diese Methode mildert auch die aus dem Tinnitus resultierenden Einschlafprobleme.

Die Mehrzahl der Betroffenen ist in der Lage, das ständige Brummen und Pfeifen zu akzeptieren und mit dem Tinnitus zu leben, und zwar mit einer simplen Methode: Sie richten ihre Aufmerksamkeit ganz bewusst auf wichtige Dinge oder auf andere Geräusche. Dieser Lernprozess braucht allerdings seine Zeit. Aufklärung, Selbsthilfe und Erfahrungsaustausch in Selbsthilfegruppen lassen den Tinnitus in den Hintergrund treten.