Gehe zum Inhalt, überspringe Menüs

 

Vorbetrachtung

Jeder Mensch hat individuelle Bedürfnisse und Wünsche, den eigenen Wohnraum zu gestalten. Aber nicht nur die Wünsche der Menschen sind verschieden, sondern auch die Voraussetzungen. Lage und Alter der Gebäude, die Ausstattung der Wohnungen und der Grad der Versorgung mit Waren des täglichen Bedarfs, Ärzten und anderen Gesundheitseinrichtungen in der näheren Umgebung der Wohnungen sind unterschiedlich. Nicht zuletzt beeinflussen aber auch die persönlichen und finanziellen Verhältnisse der Bewohner, gleich ob es sich um Mieter oder Eigentümer handelt, den jeweils notwendigen Wohnraum. Die Menschen möchten auch bei Bestehen oder späterem Eintreten einer Behinderung auf ihre vertraute Wohnung und ihr bekanntes Wohnumfeld nicht verzichten. Sie alle möchten dort leben, wo und wie sie sich wohlfühlen. Barrieren verhindern dies oftmals. Daher sind sie gezwungen, bauliche Barrieren ihrer Wohnung oder ihres Hauses hinzunehmen oder diese aufwändig zu beseitigen, um einen möglichst langen Verbleib in der eigenen Wohnung zu erreichen. Andere machen sich auf die Suche nach einer neuen Wohnung, die ihren (geänderten) Lebensverhältnissen Rechnung trägt. Sie ziehen in eine neue - zumeist aus Kostengründen kleinere - Wohnung in städtische Kernlagen, in denen die Versorgung mit Waren des täglichen Bedarfs und umfassende medizinische Versorgung in fußläufiger Nähe zur Wohnung gewährleistet und die Wohnung barrierefrei ist.
In unserem Grundgesetz ist verankert, dass niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden darf. Dieser Grundsatz zielt unmittelbar sowohl auf die Teilhabe aller Menschen an allen öffentlichen Ereignissen als auch auf die Arbeits- und Wohnwelt ab. Diese Broschüre soll dazu dienen, einen Wegweiser zu geben, wie mit Hilfe einer Vielzahl gesetzlicher Vorschriften, Regelungen und Normen die Barrierefreiheit erreicht werden kann. Letztendlich sind es aber nur Eckpunkte. Die individuellen, persönlichen Ansprüche sind ebenfalls zu berücksichtigen.
In der geltenden Bauordnung des Landes Nordrhein-Westfalen ist vieles gesetzlich verankert, z. B., dass die Wohnungen eines gesamten Geschosses - dabei wird es sich zumeist um das Erdgeschoss handeln - von der öffentlichen Verkehrsfläche aus barrierefrei erreichbar und eingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbar sein müssen. Außerdem ist festgelegt, dass in Gebäuden mit Wohnungen der Gebäudeklassen 3 bis 5 (hierzu zählen in der Regel Mehrfamilienhäuser) leicht und barrierefrei erreichbare Abstellflächen für Kinderwagen und Mobilitätshilfen sowie für jede Wohnung eine ausreichend große Abstellfläche herzustellen sind.
Gebäude mit mehr als drei oberirdischen Geschossen müssen Aufzüge in ausreichender Zahl haben. Ein Aufzug muss von der öffentlichen Verkehrsfläche und von allen Wohnungen in dem Gebäude aus barrierefrei erreichbar sein. Von diesen Aufzügen muss in Gebäuden mit mehr als fünf oberirdischen Geschossen mindestens ein Aufzug Krankentragen, Rollstühle und Lasten aufnehmen können und Haltestellen in allen Geschossen haben. Haltestellen im obersten Geschoss und in den Kellergeschossen sind nicht erforderlich, wenn sie nur unter besonderen Schwierigkeiten hergestellt werden können. Führt die Aufstockung oder Nutzungsänderung eines Gebäudes dazu, dass nach Satz 1 ein Aufzug errichtet werden müsste, kann hiervon abgesehen werden, wenn ein Aufzug nur unter besonderen Schwierigkeiten hergestellt werden kann.
Nach § 49 Abs. 1 BauO NRW müssen in Gebäuden der Gebäudeklasse 3 bis 5 mit Wohnungen die Wohnungen barrierefrei und eingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbar sein.
Jeder Mensch stellt aufgrund seiner Beweglichkeit und seiner Kraft bestimmte Anforderungen an die Umwelt. Spezielle Bedürfnisse an die bauliche Gestaltung haben Menschen, die körperlich oder kognitiv eingeschränkt sind. Aber auch die Bewegungsfreiheit von Menschen, die mit dem Kinderwagen oder einem Rollator unterwegs ist, ist begrenzt.
Diese Menschen müssen bei der Errichtung von Bauwerken und baulichen Anlagen besonders berücksichtigt werden, um ihnen die uneingeschränkte Teilhabe am Leben zu ermöglichen. Wer allerdings körperlich und geistig fit ist und aktiv am Leben teilnimmt, für den ist es auf den ersten Blick nicht immer ersichtlich, mit welchen Problemen die Betroffenen im Alltag kämpfen.

Was ist eine Barriere?
Der Duden definiert Barriere folgendermaßen: Absperrung, die jemanden, etwas von etwas fernhält.

Was von dem Einzelnen als Hindernis empfunden wird, das hängt von den individuellen Fähigkeiten, aber auch der körperlichen oder kognitiven Verfassung ab, die jeder mitbringt. Nur eine vollumfänglich barrierefrei gestaltete Umwelt berücksichtigt die Bedürfnisse aller Menschen. Dieser Anspruch auf Gleichberechtigung ist sowohl in den UN-Menschenrechtskonventionen als auch im deutschen Grundgesetz verankert. Alles, was den Einzelnen von einer gleichberechtigten Teilhabe ausschließt, verstößt gegen diesen Grundsatz.
Um sich der Frage nach der Barrierefreiheit von Gebäuden zu nähern, werden zunächst einmal die verschiedenen Arten von baulichen Barrieren betrachtet (Quelle: www.barrierefreie-immobilie.de):

Vertikale Barrieren

Hierzu zählen alle Höhenunterschiede, die so groß sind, dass sie für einen Menschen, der im Rollstuhl sitzt, auf eine Gehhilfe angewiesen ist oder beispielsweise einen Kinderwagen schiebt, schwer oder gar nicht überwindbar sind. Typische vertikale Barrieren sind z. B. hohe Stufen, Bordsteinkanten oder Türschwellen.

Horizontale Barrieren

Der Begriff horizontale Barrieren umfasst alle baulichen Gegebenheiten, die das Durchkommen erschweren oder unmöglich machen. Ein klassisches Beispiel sind enge Türrahmen, die zu schmal sind, um mit einem Rollstuhl oder einer Gehhilfe passiert zu werden.

Räumliche Barrieren

Hiermit sind Räume und Bewegungsflächen z. B. vor Waschtischen gemeint, die für einen Rollstuhlfahrer zu eng sind, um sich ohne fremde Hilfe zu drehen und damit die Richtung zu wechseln. Auch aufgestellte Möbel und in den Raum hineinragende Ein- und Anbauten schränken den Bewegungsraum ein.

Ergonomische Barrieren

Durch nachlassende Muskelkraft und eine sich verschlechternde Feinmotorik sind besonders alte Menschen auf Haltegriffe angewiesen, um Bewegungen sicher auszuführen. Auch zusätzliche Sitzgelegenheiten, die das Einlegen von Ruhepausen auf langen, beschwerlichen Wegen ermöglichen, sind für sie oft notwendig. Zu den ergonomischen Barrieren zählen deshalb fehlende Handläufe, nicht vorhandene Haltegriffe in der Dusche und im WC-Bereich und fehlende Sitzgelegenheiten auf langen oder anstrengenden Strecken.

Anthropometrische Barrieren

Anthropometrische Barrieren treten immer dann auf, wenn Bedienelemente und Objekte durch körperliche Beeinträchtigungen nicht erreicht werden können. Hierzu zählen Griffe, Schalter und Armaturen, aber auch Schubladen und Schrankfächer. Auch eine hohe, massive Brüstung, über die eine im Rollstuhl sitzende Person nicht hinweg gucken kann, stellt für den Betroffenen eine solche Barriere dar.

Sensorische Barrieren

Ist der Hör-, Seh- oder Tastsinn beeinträchtigt, wird die Orientierung für den Betroffenen erschwert. Zu den sensorischen Barrieren zählen deshalb schlechtes Licht, eine kontrastarme Gestaltung, fehlende optische Hinweise für Menschen mit Hörbeeinträchtigung und Schilder mit zu kleinen Buchstaben, die mit einem eingeschränkten Sehvermögen nicht lesbar sind.