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Waldfeucht und die Mühlen

In kaum einem anderen Ort hat es bis in unsere Zeit so viele Mühlen gegeben wie in der Gemeinde Waldfeucht.

Die Geschichte der Waldfeuchter Mühlen zeigt, dass schon sehr früh die Wasserkraft durch die Windkraft ersetzt wurde. Sie zeigt aber auch, dass viel Getreide auf den fruchtbaren Ackerböden unserer Gegend angebaut wurde - und dass vor allem genügend Wind zur Verfügung stand.

Wassermühlen besorgten im Mittelalter das Mahlen des Getreides:
  • Die "Kitscher Mühle" in Haaren, die zum Gut Kirenz gehörte, das bereits 1276 erwähnt wird und bis ins 18. Jahrhundert bestanden hat. An der Stelle der Mühle am Ortsausgang nach Karken steht heute ein Bauernhof, der in seinem Namen "Kitscher Mühle" die Erinnerung an diese Wassermühle bewahrt, die mehr als fünf Jahrhunderte betrieben wurde.

  • Eine "Mühle bei Schersraide" (erwähnt 1277), die an der Schiers (Schiersweg) bei Brüggelchen gelegen haben könnte.

  • Eine "Mühle bei Harbruk" (erwähnt 1277), deren Lage nicht bekannt ist, und

  • eine "Mühle von Quaitbech" (erwähnt 1343) bei einem schon 1277 nachgewiesenen Gut Quaitbeike, dessen Lage ebenfalls unbekannt ist.

Mit Ausnahme der "Kitscher Mühle" haben diese Wassermühlen keine Spuren hinterlassen und sind vermutlich schon im Mittelalter wieder aufgegeben worden.

Windmühlen prägten vor allem in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts unsere Landschaft. Im Gebiet der heutigen Gemeinde Waldfeucht gab es nicht weniger als zehn (!) Windmühlen, von denen fünf heute noch sichtbar sind und unter Denkmalschutz stehen:
  • Die Windmühle Waldfeucht, eine Turmwindmühle ("Erdholländer"), 1897 erbaut als Ersatz für die eingestürzte Waldfeuchter Stadtmühle. Sie ist die "jüngste" Windmühle des Rheinlandes. Die Mühle wird heute noch als Getreidemühle betrieben. Besichtigung nach Vereinbarung: Josef Vraetz, Telefon 0163 9747862, E-Mail: jvraetz@yahoo.de, Betriebszeit unregelmäßig am Montag Abend.

  • Die Windmühle Haaren, eine Turmwindmühle ("Bergholländer"), 1842 als Getreide- und Ölmühle erbaut, 1858 durch eine Dampfmühle ergänzt. Die Mühle wird heute noch als Getreidemühle betrieben. Besichtigung nach Vereinbarung mit Müller Theo Verbeek, Telefon 02452 988845, E-Mail: haarenermuehle@yahoo.de, Betriebszeit i.d.R. donnerstags ab 10:00 bis 13:00 Uhr

  • Die Windmühle Bocket, Nordstraße, 1840 als Turmwindmühle ("Erdholländer") erbaut und bis 1915 in Betrieb, heute für Wohnzwecke genutzt.

  • Die Löckener Mühle, 1873 als Ölmühle ("Erdholländer") erbaut, bis 1923 in Betrieb. Nach Kriegseinwirkungen als Ruine erhalten. In 2005 zum Wohnhaus umgebaut.

  • Der Mühlenstumpf "Dampfmühle", 1752 als Kastenmühle (Bockwindmühle) erbaut, 1860 abgebrannt und als hölzerne Achtkantmühle auf gemauertem Untergeschoss wieder aufgebaut, um 1870 erneut abgebrannt und danach nicht wieder betrieben. Im jetzigen Wohnhaus wurde 1852 eine Dampfmühle eingerichtet, die wegen Unwirtschaftlichkeit bald wieder aufgegeben wurde. Von fünf weiteren Windmühlen sind keine oder kaum sichtbare Spuren erhalten:

  • Die Waldfeuchter Stadtmühle, eine Bockwindmühle auf dem Stadtwall (dort, wo die Mühlenstraße den früheren Stadtwall kreuzt), erstmals erwähnt 1592. Im Jahre 1897 stürzte diese Mühle ein. Als Ersatz wurde vor der Stadt eine neue Windmühle, die heutige Waldfeuchter Mühle, erbaut.

  • Die Bockwindmühle Braunsrath (Wolters), 1829 erbaut und um 1920 abgerissen, sie stand auf dem "Mühlenberg" in Höhe des Hauses Clemensstraße 16.

  • Die Sägemühle Haaren (Frenken), eine Windmühle, die westlich der Haarener Straße in Verlängerung des Schabroicher Weges nach 1800 erbaut wurde, deren Technik sich aber als unwirtschaftlich erwies. 1842 wurde die Mühle abgetragen.

  • Die Windmühle Hontem (Jansen/Nobis), 1846 als Turmwindmühle ("Erdholländer") erbaut, bis 1928 in Betrieb und 1944 gesprengt. Mauerreste sind an der Seite des Hauses Anton-Laumen-Straße 82 noch sichtbar.

  • Die Windmühle Schmitz, Löcken, 1867 als Turmwindmühle ("Erdholländer") am Wirtschaftsweg zwischen Schöndorf und Kirchhoven in der Nähe der Straße von Löcken nach Obspringen erbaut, bis 1916 in Betrieb. Die Ruine wurde 1945 abgetragen.

Literatur:
  • Gillessen, Leo: "Mittelalterliche Wüstungen westlich Heinsberg" (Heimatkalender des Kreises Heinsberg, 1989)

  • Vogt, Hans: "Niederrheinischer Windmühlenführer" (Krefeld, 1989)

Um die Mühlenregion noch eindrucksvoller der Öffentlichkeit darzustellen, wurde der Verein Historische Mühlen im Selfkant e. V. gegründet. Neben der besseren Präsentation dieses wichtigen Kulturgutes hat sich der Verein insbesondere die Unterstützung der Mühlenbetreiber bei der Unterhaltung der Mühlen und die Förderung des handwerklichen Nachwuchses, vor allem die Ausbildung ehrenamtlicher Helfer, zur Aufgabe gemacht.

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