Gehe zum Inhalt, überspringe Menüs

 

Sport in bewegten Jahrzehnten

Reinhard Fehr - "Du ahler Botzegickel!" Dieser lustig anmutende, nordhessische Ausdruck, (übersetzt: Hahn (Gickel), der sich für etwas Besseres hält) fiel bei einer Sitzung des damaligen TUSPO-Vorstandes Niederkaufungen in 1990. Es ging um die jahrzehntelangen Kontroversen bezüglich der Finanzierung der Kaufunger Fußballer. Diese gründeten eine Spielgemeinschaft (SG) mit den beiden Kaufunger Sportvereinen, dem Niederkaufunger TUSPO und dem Oberkaufunger TSV. Beide Vereinen sollten die gleichen Geldbeträge jährlich sponsern, die Sache hatte nur einen Haken: im TSV waren mehr Fußballer angemeldet, und so waren die TUSPOler nennenswert im finanziellen Nachteil. Die Spannungen wurden mit der "Fusion" der beiden Vereine zum SV Kaufungen 07 in 2007 beendet. Die Fußballer spielten ab diesem Zeitpunkt unter einem gemeinsamen Vereinsdach.

Schon seit den 1980er Jahren waren die beiden großen Sportvereine, der TSV Oberkaufungen und der TUSPO 1893 Niederkaufungen, in Gesprächen über eine mögliche Zusammenarbeit. Seit 1994 gab es die Doppelmitgliedschaften, d. h. ein Kaufunger konnte ohne Mehrpreis in beiden Vereinen seinem Sport frönen. Ernsthafte Verhandlungen über einen Zusammenschluss wurden ab 2003/2004 geführt. Viele Gründe sprachen für eine Zusammenarbeit. Die Folgejahre waren durch sehr intensive Abstimmungen mit den Vorständen geprägt, die rechtlichen Notwendigkeiten für einen Zusammenschluss waren für alle Beteiligten Neuland, auch für den beratenden Rechtsanwalt. Nach verschiedenen Hauptversammlungen, die oftmals recht turbulent abliefen, kam die juristische Vereinigung in den Jahren 2006 und 2007. Die Sportangebote der beiden bisherigen Vereine waren unterschiedlich, nur die Turner gab es in beiden Vereinen. Die Namensfindung "SV Kaufungen 07" ging dann sehr zügig voran. Die prognostizierten Vorteile bestätigten sich in den Folgejahren: Die Anzahl der Mitglieder des SV Kaufungen 07 stieg zwischenzeitlich auf 2.700 an.

Auch vor dem Zusammenschluss zum SV Kaufungen 07 gab es viele erinnerungswürdige Sportmomente, die sich in Nieder- und Oberkaufungen ereigneten: So fanden unter dem Dach des TSV Oberkaufungen von 1975 bis 1990 große, auch internationale Sportveranstaltungen statt, die zwölf besten Tischtennisspieler der Welt spielten ein Turnier in Oberkaufungen, nationale Kunstturnwettkämpfe wurden durchgeführt und der TSV Oberkaufungen spielte im Freundschaftsspiel gegen "Paul Breitners" Eintracht Braunschweig. Auch in Niederkaufungen erinnert man sich gern an alte Zeiten zurück, so z. B. an die Erfolge der Leistungsgymnastikgruppe in 1978.

Im Laufe der Jahre ging der Wunsch der Kaufunger Sportvereine nach weiteren Sportstätten in Erfüllung: In 1971 wurde die IGS-Sporthalle eröffnet; durch den Bau der Straßenbahn wurde das Lossetal-Stadion in 2001 umgestaltet, das Umkleidegebäude wurde erweitert und Räume für eine Geschäftsstelle und einen Gemeinschaftsraum geschaffen. Die Tennisanlage am Lossetalstadion stand den Tennisspielern bereits ab 1987 zur Verfügung. Die Sporthalle der Gemeinde, die Lossetal-Halle, wurde sehr geschickt an die IGS-Sporthalle angebaut und in 2006 den Sportvereinen übergeben. Die Halle wird gleichermaßen von der Schule und den Sportvereinen genutzt. Die Reiter erweiterten ihre Reitanlage in 2019. Bei allen baulichen Maßnahmen wurden die Vereine intensiv eingebunden und konnten ihre Vorstellungen somit weitgehend umsetzen. Mittlerweile sind alle Sportstätten sehr gut ausgelastet.

In den letzten Jahrzehnten wurde das Sportangebot wesentlich erweitert und der Nachfrage angepasst: Sparten wie Tanzen, Taekwondo, Volleyball oder Herzsport werden immer stärker frequentiert. Erinnerungswürdig war der Versuch, Inline-Hockey in Kaufungen zu etablieren. Für die Sharks wurde eine Arena an dem Sportplatz Hinter den Eichen gebaut, auch mit ihrer tatkräftigen Unterstützung, die aber bald aufgrund ihrer bundesweiten Aktivitäten den Anforderungen nicht mehr genügte. Eine spezielle Halle für sie war leider finanziell nicht machbar.

In den Jahrzehnten änderten sich die gesellschaftlichen/gesellschaftspolitischen Anforderungen, wie z. B. die Inklusion, Integration, Gewaltprävention, Vermeidung von Diskriminierung, Engagement in Kooperationen (mit Schulen, Kindergärten etc.) und das alles bei Beachtung immer komplexerer Rahmenbedingungen, wie Datenschutzgrundverordnung, Mindestlohn, Gemeinnützigkeitsrecht usw. Diese Entwicklung forderte immer mehr den Einsatz von "Profis", die nicht mehr nur ehrenamtlich tätig sind. Eine fachlich höhere Qualifizierung ist auch bei den Vorständen wichtig, ein Verein muss durch die gesetzlichen Vorgaben wie ein kleines/mittleres Unternehmen geführt werden. Mit diesen Anforderungen gehen die finanziellen Belastungen für die Vereine einher, die in erster Linie über die Mitgliederbeiträge und die immer weniger werdenden Spenden und Sponsoren zu leisten sind.

Auch die Mitglieder-Gewohnheiten änderten sich, die außersportlichen Aktivitäten waren in den vergangenen Jahrzehnten bedeutend mehr gefragt, wie Faschingsfeiern, Ostereier-Suchen für Kinder, Weihnachtsfeiern im großen Stil, Neujahrsbegrüßungen, Musical-Besuche außerhalb Kaufungens, Teilnahme an Umzügen.

Die demografische Entwicklung verlangt nach mehr Angeboten für Ältere, nach "Gesundheitssport" und kleineren Übungsräumen sowie speziell ausgebildeten Übungsleitern. So gibt es z. B. schon eine spezielle Qualifizierung für Bewegung mit hochaltrigen Menschen.

Dennoch kann man sagen: Die Sportvereine in Kaufungen profitieren von ihrer lokalen Verwurzelung, sie bieten Sozialkontakte mit Gemeinschaftsbezug und die Möglichkeit zur Identifikation mit der Lossetalgemeinde. Auf viele erinnerungswürdige Sportmomente kann zurückgeblickt werden - und viele weitere werden sicherlich noch folgen.