Gehe zum Inhalt, überspringe Menüs

 

Alte Schule und Bergwerkmuseum Rossgang

Das Regionalmuseum Kaufungen

Ulla Merle - Der Neuaufbau eines kommunalen Museums war eines der größeren Projekte der jungen Gemeinde Kaufungen. "Das wachsende Interesse weitester Bevölkerungsschichten an allem, was als Träger von Informationen über Geschichte und Kultur gelten kann, einerseits und das Wissen um die Unzulänglichkeit des bisherigen Museums andrerseits, hat die Gemeinde Kaufungen veranlaßt, den Ausbau der 'alten Schule' [von 1842] zu einem Regionalmuseum in Angriff zu nehmen", schrieb Museumsleiter Winfried Wroz 1985*. Das denkmalgeschützte Zeugnis der Ortsgeschichte wurde ab 1977 zum gemeinsamen Erinnerungsort aller Kaufunger umgestaltet. "Eine alte Fachwerkscheune aus dem Anwesen der Gaststätte "Zum goldenen Löwen" im Ortsteil Niederkaufungen konnte kostenlos zum Abbau übernommen und ... als Nebengebäude wieder aufgebaut werden." Remisen, MitmachHaus und Garten erweiterten später das Museumsensemble in der Schulstraße.

*Winfried Wroz: Regionalmuseum im Aufbau, in: Hessische Heimat, H. 1, 1985, S. 36, ebenso die folgenden Zitate.

"Das [1958 eingerichtete Heimat-]Museum in der St.-Georgskapelle war ein publikumsoffenes Magazin, mehr nicht." Das neue Museum sollte dagegen ein moderner regionalgeschichtlich fundierter Lernort werden: "Die Dauerausstellungen sollen diese Bildungsaufgabe durch reiche Materialdokumentationen leisten. Kommunikations- und Informationsräume und wechselnde Ausstellungen werden darüber hinaus für jene notwendige Belebung sorgen, ohne die man einen regelmäßigen Besuch (bei aller Attraktivität des sonst gezeigten) nicht sicherstellen kann." Von vornherein enthielt die Alte Schule Depots und Räume für die Besucherbetreuung. Demokratische Bildungsarbeit anhand historischer Gegenstände ist Kernaufgabe des Museumsteams geblieben - neben der wissenschaftlichen Sammlung, Bewahrung und Erforschung der materiellen Überlieferung Kaufungens. Ebenso gilt auch heute, das Stammpublikum aus der Region durch attraktive Sonderausstellungen zu halten.

Die Dauerausstellung des Museums zum "dörflichen Alltag im 19. und 20. Jahrhundert" entstand anfangs in Etappen. Das historische Klassenzimmer und den Lebensmittelladen gab es seit Beginn; Sonderausstellungen wurden erarbeitet und 'blieben dann stehen'. Wenige kleine Ausstellungsbereiche hat man später ergänzt, wie 1996 den Raum zum örtlichen Nationalsozialismus oder 2004 die Spielzeugnische mit Sitz- und Spielmöglichkeit. Inzwischen sind die jahrzehntealten Präsentationen allerdings verschlissen und sie entsprechen immer weniger heutigen Wahrnehmungsgewohnheiten. Ab 2011 wurden sie mit Themeninseln (Industrie, Tourismus, Wasser, Elektrizität etc.) kommentierend aktualisiert. Biografische Kurztexte sowie Abbildungen machen seitdem das Gezeigte lebendiger. Doch eine grundlegende Neugestaltung steht nun an.

Vor 25 Jahren wurde das Bergwerkmuseum Rossgang zum zweiten Standort des Regionalmuseums: Der Landkreis übergab den - 1970 durch bürgerschaftliche Initiative geretteten - frühindustriellen bergmännischen Pferdegöpel in die Obhut der Gemeinde. Das technische Denkmal ist seitdem als moderner Lernort zum Bergbau vor dem Maschinenzeitalter eingerichtet, mit der mechanischen Fördertechnik von 1820 als zentralem Ausstellungsstück².

Das Regionalmuseum ist nicht nur ein Museum für die Bürger*innen Kaufungens und der umliegenden Orte, es ist auch eines, das von vielen von ihnen mit Stolz und Engagement getragen wird. Ältere erinnern sich an vielfältige Einsätze für das Museum in den Aufbaujahren; über den Museumskeller beispielsweise ist überliefert: "Ehemalige Bergleute der Zeche Freudental wollen mit diesen fachgerecht erstellten Grubenbauen den Besuchern das Leben und Arbeiten unter tage [nach 1945] näherbringen."³
Nach wie vor arbeiten die beiden Hauptamtlichen mit zahlreichen Kaufunger*innen zusammen. Diese unterstützen die Arbeit als sachkundige Informanten und übereignen Gegenstände, Dokumente oder Fotos aus ihrer Familiengeschichte etwa zu aktuellen Ausstellungsthemen. Hilfe gibt es bei der Bewahrung besonderer Objekte, wie der kürzlich im Museumsgarten installierten Antriebswelle aus der Mühlengeschichte. Und einheimische Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen bilden sich museumspädagogisch kontinuierlich weiter. Die von ihnen erarbeiteten Themenführungen werden von Kindergärten, Schulklassen, Vereinen, Firmen- oder Seniorengruppen gern gebucht. Großeltern gehen mit ihren Enkeln im Museum auf Entdeckungsreise. Öfter kommen Kinder wieder, um nun ihren Eltern das Haus voller Schätze zu zeigen.

²Ulla Merle: Ein Pferdegöpel als Industriedenkmal. Zur Geschichte des Bergwerkmuseums Rossgang in Kaufungen, in: Hessische Heimat, H.

³Leben - Wohnen - Arbeiten: Regionalmuseum Kaufungen [Faltblatt], hg. v. d. Gemeinde Kaufungen, 1988.