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Von Umbrüchen und neuen Horizonten

(Fast) 50 Jahre kommunale Jugendarbeit

Nur einen Monat nach dem freiwilligen Zusammenschluss der Ortsteile Nieder- und Oberkaufungen wurde im Januar 1971 der erste Jugendpfleger in der Kaufunger Gemeindegeschichte eingestellt. Heute arbeiten zwei hauptamtliche Jugendarbeiter und ein/e FSJler*in im Jugendzentrum. Über die vergangenen Jahre hinweg wurde die kommunale Jugendarbeit stetig verändert und ausgebaut - soziale und kulturelle Einflüsse brachten Veränderungen mit sich und immer neue Projekte und Angebote kamen hinzu.

In den 1970er Jahren entwickelte sich unter den Jugendlichen ein großes Bedürfnis, eigenständig gestalten und verwalten zu können. Im Rahmen der "Jugendzentrumsbewegung" öffnete am 18. Oktober 1972 der "Jugendclub 72", Vorläufer des heutigen Jugendzentrums, seine Pforten unterhalb der Bühne des Bürgerhaussaales. Unterstützung erfuhr der Jugendclub von der politischen Gemeinde Kaufungen mit der neu eingerichteten Jugendpflegerstelle. Herzstück des Clubs war seit jeher der Betrieb einer Discothek. Daneben entwickelte sich das Angebot stetig weiter: Freizeiten auf Sylt, seit 1973 die Sommerferienspiele, Städtetouren und Bastelnachmittage kamen hinzu. In den 1980er Jahren erlebte das "JZ" seine Blütezeit: Immer mehr junge Menschen fühlten sich von dem Angebot angesprochen. Vielen Kaufunger*innen ist aus dieser Zeit noch die legendäre "Open-Air-Disco" am Steinertsee in Erinnerung geblieben, die vor zwei Jahren ihr Comeback feierte.

1987 erweiterte sich mit der Schaffung einer zweiten Jugendpflegerstelle noch einmal das Angebot: Feste Gruppenstunden wurden angeboten und zusätzliche Freizeiten wurden organisiert. "Ob zum Segeln auf dem Ijsselmeer nach Holland, zum Kanu- Kajakfahren und Wandern nach Südfrankreich und Schweden, zum Wandern und Baden nach Korsika oder zum Balaton nach Ungarn, mit erlebnispädagogisch orientierten Angeboten galt es europäische Identität zu erleben", schreibt Uwe Motz, ehemaliger Jugendarbeiter, in 1000 Jahre Kaufungen (2011). Mitte der 1990er Jahre erhielt das Jugendzentrum sein heutiges Gesicht. "Bis auf wenige Ausnahmen sind fast alle Umbauarbeiten und Renovierungen in ungezählten Arbeitsstunden von den Jugendlichen selbst durchgeführt worden", erzählt Uwe Motz (2011) weiter. Um die Jahrtausendwende konstituierte sich das Kaufunger Jugendforum: Auch heute noch treffen sich Jugendliche zwischen 16 und 20 Jahren, um eigene Ideen und Anregungen in die politischen Gremien zu tragen. Die Einrichtung einer Skateranlage an der Integrierten Gesamtschule und am Festplatz sowie die "späten" Straßenbahnen an den Wochenenden sind das sichtbare Ergebnis dieser Gruppe.

Durch die enge Kooperation mit Kitas, Schulen, Vereinen und Verbänden, Nachbargemeinden und anderen Trägern verfügt die Jugendarbeit heute über ein dichtes Netzwerk, das die sozialpädagogische Arbeit gewährleistet und weiterentwickelt. "Unsere Arbeit hat sich in den letzten Jahren unter den sozialen und kulturellen Rahmenbedingungen verändert, wir versuchen uns an den individuellen Bedürfnissen, Lebenslagen und Interessen der Kinder und Jugendlichen zu orientieren und ihnen einen Raum für Kommunikation und Orientierung zu geben", erzählt Gerlinde Nöll, Jugendarbeiterin in Kaufungen. Das Angebot wird von vielen angenommen: So nehmen während der Sommerferienspiele in den ersten zwei Ferienwochen jedes Jahr durchschnittlich 110 Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren teil. Auch während der Oster- und Herbstferien werden die bezahlbaren Tagesaktionen und Ausflüge von vielen wahrgenommen.
Eine unvorhersehbare Veränderung stand im Jahr 2019 an: Da hinterließ ein Hochwasser, das zweithöchste in der Geschichte Kaufungens, große Schäden im Jugendzentrum. Schnell musste eine Lösung gefunden werden, um die Zeit der Sanierungsarbeiten im JZ zu überbrücken. Man entschied sich für Räumlichkeiten in der ehemaligen Bäckerei Apel in der Leipziger Straße. In zentraler Lage entstand ein Jugendcafé, das den Kindern und Jugendlichen vorübergehend einen geeigneten Treffpunkt bot. Neben der Sanierung des Jugendzentrums ist ein neues Außengelände mit Jugendraum auf dem Festplatz, nahe der Skater-Anlage, entstanden. Im Oktober 2018 hatte sich die Gemeindevertretung dafür ausgesprochen, in das neue Multifunktionsgebäude auf dem Festplatz einen Raum für die Jugendarbeit zu integrieren und einen Teil der Freifläche als Außengelände herzurichten. "Wir freuen uns sehr über diese Standorterweiterung", so Gerlinde Nöll abschließend.