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Ortsteil Waldsiedlung

Waldsiedlung heißt das jüngste Mitglied der Großgemeinde, doch es hat mehr Einwohner als Lindheim, Enzheim und Heegheim zusammengenommen und überflügelt rein flächenmäßig sogar die Kerngemeinde. Seine Existenz verdankt dieser Ortsteil einem Fliegerhorst, für den 1936 ein riesiges rechteckiges Stück Wald gerodet wurde mit Landebahnen, Unterkünften und Betonbunkern an den Zufahrten, von denen sich einige Reste noch immer hinter Bäumen verstecken. Nahebei wurden Tümpel und Gräben aus jener Zeit zum "Lichter Platz und Heegkopf" umgewandelt, ein Naturreservat mit seltener Fauna und Flora.

Eine wichtige Rolle hat dieser Wehrmachtsflugplatz freilich nie gespielt, dafür schlug seine große Stunde gleich nach Kriegsende, als weitblickende Kommunalpolitiker damit begannen, hier Bauland auszuweisen und es anfangs für weniger als 1 Mark/qm zu verkaufen. Die ersten Wohnhäuser entstanden mit der Währungsreform 1948 an der Bornfloßstraße, bald kamen zwischen Finken- und Lerchenweg (alle Straßen in diesem Teil tragen Vogelnamen, der anschließende Abschnitt zwischen Birken- und Lindenweg schmückt sich mit Baumnamen) planmäßig weitere Ein- und Zweifamilienhäuser hinzu. Dass die Gesamtbebauung dennoch nicht immer optimal abgestimmt war und es daher beispielsweise mehrere verstreute Gewerbegebiete gibt, liegt an den damals selbständigen Gemeinden Altenstadt, Oberau und Höchst, die sich das Gelände teilten und alle etwas abhaben wollten von der zu erwartenden Gewerbesteuer. Erst seit der Gebietsreform 1971 liegt die Ortsplanung in einer Hand bei der Gemeinde Altenstadt - bis auf einen schmalen Streifen entlang der Autobahn übrigens, der zum heutigen Limeshain gehört.

Seither hat sich viel getan. Zwischen Eichbaumstraße und Waldrand wuchs ein weiteres schön gelegenes Wohngebiet heran, rund um den Josef-Schulmeister-Platz (benannt nach dem ersten Ortsvorsteher der Waldsiedlung) entstand ein großzügig konzipierter Ortsmittelpunkt, ein paar Schritte weiter baute die Gemeinde ein repräsentatives Gemeinschaftshaus, und seit 1988 besitzt die evangelische Kirchengemeinde auch ein eigenes Gotteshaus. Es stand einst auf dem Bad Vilbeler Heilsberg, wo die hölzernen Bauteile sorgsam zerlegt und hier, 25 km entfernt, wieder zusammengefügt wurden, nachdem die Heilsberger eine feste Kirche bekommen hatten. Vor allem aber schritt die Ansiedlung neuer Gewerbebetriebe zügig voran. Ende der 60er Jahre baute der berühmte Motorradpionier Friedel Münch in der Heegwaldstraße eine hochmoderne Fabrik für seine legendäre "Mammut", das damals größte, schnellste und teuerste Serien-Zweirad aller Zeiten. Viele namhafte, zum Teil bundes- und weltweit operierende Unternehmen folgten wie Ille-Papierservice oder TEKO-Kältetechnik, um nur zwei zu nennen, dazu jede Menge mittelständischer Firmen. Auf jeden Fall sind es durchweg umweltfreundliche Betriebe mit viel Grün drumherum, und da fast alle über die nördlichen Umgehungsstraßen zu erreichen sind, bleiben die Wohnviertel vom ständig wachsenden Gewerbeverkehr weitgehend befreit.

Obwohl nicht historisch gewachsen wie andere Ortsteile, hat sich schnell ein lokales Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt - und da hier, was Freizeit und Gastronomie angeht, überhaupt ein bemerkenswert reichhaltiges Angebot lockt, finden auch viele "Alt-Altenstädter" den Weg hier her und fühlen sich wohl bei den "Flugplätzlern". Die Chance eines Neubeginns, soviel steht fest, haben die Gemeindeväter jedenfalls glänzend genutzt und aus der Not eine Tugend gemacht, die sich sehen lassen kann.