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Ortsteil Oberau

Oberau hat eine besondere Beziehung zur Bischofsstadt Mainz, denn "St. Alban von Mainz" war auch der Patron der ersten Oberauer Kapelle, was im Rheinland, an der Mosel und in Süddeutschland recht oft vorkommt, bei uns aber eine Seltenheit ist. Der Legende nach war er ein kämpferischer Heiliger, der mit Bibel und Schwert von Rom an den Rhein zog und hier von Vandalen anno 406 enthauptet wurde, weshalb er auf frommen Abbildungen stets mit dem Kopf unterm Arm dargestellt wird. Fest steht, dass der martialische Märtyrer vor der Jahrtausendwende im gesamten Karolingerreich große Verehrung genoss und als Patron der Bauern auch gegen Unwetter und Hochwasser angerufen wurde. Das macht Sinn, denn "Oberahe" und "Oberawe", wie der Ort in schriftlichen Quellen aus dem 13. Jahrhundert heißt, hat was mit der germanischen "Ache" zu tun, mit fließendem Wasser also sprich der Nidder. Die Lage hoch über dem Fluss beeindruckt denn auch heute noch, wenn man sich dem Dorf - von Altenstadt kommend - durch die Nidderauen nähert und über den hölzernen Niddersteg zur Kirche hinaufsteigt. Sie gehörte anfangs zu Glauberg und dann zu Rodenbach, war im 15. Jahrhundert selbständige Pfarrei und dann wohl wieder verwaist, denn wie aus einem Kirchenbuch-Eintrag hervorgeht, ließ eine Katherina von Sossenheim um 1450 den verfallenen Pfarrhof wieder aufbauen. Die einstige Albanskapelle wurde im Laufe der Zeit mehrfach umgebaut und erweitert, wobei der Kirchturm freilich erst vor gut 100 Jahren seine jetzige Gestalt erhielt. Jedenfalls gibt es in Oberau, auch das ist in unserer Gegend eher die Ausnahme, neben der evangelischen noch immer eine etwa gleichstarke katholische Gemeinde, die beide einträchtig das Gotteshaus abwechselnd nutzen.

Die Straßennamen, die wie überall viel über die Vergangenheit verraten, heißen bezeichnenderweise "Beim Zehnmorgenfeld" und "Bei der Nachtweide", "Am Wiesengrund" und "Am Rodland", außerdem gibt's eine "Töpferstraße". Sie erinnert daran, dass die Töpferei Jahrhunderte lang bis in die Zeit zwischen den Weltkriegen ein Haupterwerbszweig der Oberauer war, obwohl sie den Ton dazu aus dem Höchster Wald holen mussten (wo noch immer entsprechende Bodenvertiefungen zu sehen sind). Natürlich gingen viele auch der Fischerei nach, und da Oberau wie Rodenbach zudem ein vollberechtigtes Mitglied der "Altenstädter Mark" war und sich dank Zugehörigkeit zum "Kaichener Freigericht" weitgehender Selbständigkeit erfreute, lebte es sich nicht schlecht hier. Ein bemerkenswerter Bestand stattlicher Fachwerkhäuser rund um den gepflasterten Kirchplatz mit seinem überdachten Dorfbrunnen zeugt von früherem Wohlstand und Bürgerstolz der Einwohner.

Vom Limes, der hier vorbeiführte, ist vor Ort bis auf den Straßennamen "Am Pfahlgraben" nichts mehr zu sehen. Das Sträßlein liegt in einer ausgedehnten neuen Siedlung, die als erstes verkehrsberuhigtes Wohngebiet des Wetteraukreises gilt und mit "Oberau-Süd II" erheblich erweitert wurde und nun mit "Oberau Süd III" eine weitere Erschließung in 2018 erfolgt. Vor einigen Jahren kam die hochmoderne "Waldsporthalle" hinzu, ein multifunktionaler Zweckbau samt einem praktisch bei jeder Witterung bespielbaren Tennenplatz für die "Sportfreunde 1951 Oberau e.V.", die nicht nur im Regionalfußball, sondern auch mit ihren beliebten Faschingssitzungen von sich reden machen. Die Halle ist tagtäglich von Scharen munterer Sportler bevölkert, besonders im Winter, wenn dort ein Hallenturnier das andere ablöst, und hat das Sportangebot der Gemeinde beträchtlich erweitert.