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Altenstadt

Altenstadt wird anno 767 im Codex des Klosters Lorsch erstmals erwähnt, gilt damit als der älteste urkundlich bezeugte Ort Oberhessens und ist dennoch viel älter. Er ist, wie der Name schon sagt, tatsächlich an "alter Statt" entstanden, nämlich an der Stelle eines Limeskastells, das die Römer um 85 n. Chr. errichteten - nicht nur zur Sicherung ihres Grenzwalls, sondern wohl auch, um die in Sichtweite auf dem Glauberg verschanzten germanischen Gaufürsten im Auge zu behalten. Die immerhin eineinhalb Hektar große Befestigungsanlage befand sich am heutigen westlichen Ortseingang, da wo die Straßen bezeichnenderweise "Im Kastell", "Auf der Mauer" bzw. Drusus- und Hadrianstraße heißen und bestand etwa 170 Jahre, bis die Römer um 260 von den Alemannen aus der Wetterau vertrieben wurden. Die neuen Herren siedelten sich im Schatten des verlassenen Kastells an und nahmen sich dabei dessen rechteckigen Grundriss zum Vorbild, wodurch sich die Neugründung von den umliegenden langgezogenen Straßendörfern auffallend unterschied. Wer durch den alten Ortskern mit seinen rechtwinkligen Längs- und Querstraßen zwischen Ober-, Hinter- und Kirchgasse spaziert, wird das lineare römische Grundmuster unschwer wiedererkennen.

Der heutige Mittelpunkt unserer Großgemeinde spielte von alters her eine führende Rolle bei der Verwaltung der "Altenstädter Mark", die sich von den Mockstädter Höhen beidseits des Limes durch das breite Niddertal bis zum Rommelhausener Wald erstreckte. Hier versammelten sich schon vor 1500 Jahren die Autoritäten der Mark zum "Märkerding", hielten Gericht nach dem "Markweistum", einer eigenen ländlichen Rechtsordnung, und wählten ihre Ober- und Untermärkermeister, die in einer Art demokratischer Selbstverwaltung weitgehende Hoheitsrechte ausübten, schließlich gab es in den Markgemeinden Altenstadt, Rodenbach, Oberau und Rommelhausen keine adeligen Grundherren wie in Lindheim und Höchst. Auch später blieb Altenstadt ein kommunales Zentrum für die nähere Umgebung, als es im 16. Jahrhundert Sitz eines Amtsmanns der reichsunmittelbaren Burggrafschaft Friedberg wurde, zu der es bis ins 19. Jahrhundert gehörte. Der stolze Reichsadler im Gemeindewappen mit dem goldenen "A" auf der Brust erinnert an diese ritterliche Epoche.

Wahrzeichen Altenstadts ist die ehrwürdige St.-Nikolai-Kirche mit ihrem mächtigen Wehrturm aus dem 15. Jahrhundert. Er ist insofern eine Besonderheit, weil man auf seinem mit Schießscharten versehenen Unterbau ein vorragendes Fachwerkgeschoss setzte mit zierlichen Ecktürmchen, den sog. Wichhäusern, so dass insgesamt der Eindruck eines fünftürmigen Dach-Ensembles entsteht. Das ursprüngliche Kirchenschiff wurde 1717 abgerissen und machte einem gedrungenen Saalbau mit umlaufender Empore Platz, wie er typisch ist für lutherische Predigtkirchen. Im historischen Ortskern unterhalb der Kirche beeindrucken, vor allem in der Hintergasse, ganze Häuserzeilen altfränkischer Fachwerkhöfe, die samt Hofreiten sorgsam restauriert wurden und die malerische Kulisse abgeben für das weithin bekannte "Altenstadtfest" und den beliebten Weihnachtsmarkt. Ebenfalls beeindruckend ist der ehemalige Landgasthof "Schwarzer Adler", ein prächtiges Fachwerk-Karree von 1662. Der Kaiser in Wien höchstselbst verlieh dem Wirt einst das Nutzungsrecht des k.u.k-Doppeladlers, weil er österreichischen Truppenführern ein konspiratives Treffen ermöglicht hatte. Der alte Gemeindesitz im Herzen der Wetterau ist trotz der dynamischen Entwicklung der letzten Jahrzehnte im Kern "einfach liebenswert" geblieben.