Gehe zum Inhalt, überspringe Menüs

 

Wirtschaft

Die wirtschaftliche Entwicklung Teterows

Das Landesraumordnungsprogramm in Mecklenburg-Vorpommern führt unsere Stadt Teterow genauso wie zum Beispiel Wismar, Güstrow, Parchim oder Demmin seit Mai 2005 als Mittelzentrum. Das ist Auszeichnung und Herausforderung zugleich, sind damit doch zentrale ökonomische und soziale Funktionen nicht nur für die Stadt selbst sondern auch für die Region verbunden, ganz im Sinne des Nationalökonomen Johann Heinrich von Thünen, der schon 1848 anlässlich seiner Ehrenbürgerauszeichnung den Zusammenhalt von Stadt und Land betonte.

Seit Generationen ist die Stadt agrarisch geprägt und gehört damit in den Kreis vieler weiterer mecklenburgischer Ackerbürgerstädte. Landwirtschaftliche Genossenschaften, ein traditionsreicher Schlachthof, die Großbäckerei, das Reparaturwerk Neubrandenburg, die Kleiderwerke, die Industriewerke, handwerklich geprägte Bäckereien und Schlachtereien bildeten die wirtschaftliche Basis auch Ende der Achtziger Jahre. Als Kreisstadt des gleichnamigen Kreises und Arbeits- und Einkaufsort über die Stadt- und Kreisgrenzen hinaus kam Teterow stets eine nicht unbedeutende Rolle in der Region zu.

Die friedliche Revolution im Herbst 1989, die auch in Teterow zu konkreten Veränderungen führte, leitete zwei Jahrzehnte politischer und wirtschaftlicher Neuorientierung ein. Die Marktöffnung für die Unternehmen, ein Umtauschkurs, der in keinem Verhältnis zur Kaufkraft stand, erste Annäherungen von Lohn und Gehalt an das westdeutsche Niveau verursachten unabdingbar eine Abnahme der Arbeitsplätze in den vorhandenen Strukturen, vor allem in der Landwirtschaft. Hinzu kam der Bevölkerungsrückgang. Die Einwohnerzahl Teterows nahm in 20 Jahren um ca. 12 % ab. Viele wollten und konnten den zu startenden Erholungs- und Umstrukturierungsprozess nicht abwarten oder gar daran teilnehmen und wanderten in den altbundesdeutschen Teil der wiedervereinten Heimat ab. Gut ausgebildet waren ihnen lukrative Angebote sicher.

Den Lebensplan völlig neu zu entwerfen hieß oft auch, zunächst Familiengründung zu verschieben: Sinkende Geburtenraten trugen zum Bevölkerungsrückgang bei. Zwischenzeitlich stiegen sie wieder an, kompensieren jedoch bis heute nicht die Sterberaten.

Die Stadt Teterow nahm die Herausforderungen an:

Dass eine funktionierende Wirtschaft die erste und wichtigste Voraussetzung für die Förderung von Gemeinwohl in einer Stadt ist, war den Stadtvertretern, der Verwaltung und dem Bürgermeister schnell klar. Im Ergebnis dieses Bewusstseins wurden ungeheure Kraftanstrengungen unternommen. Am 23.11.1990 wurde der erste Fördermittelantrag zur Erschließung des ersten Gewerbegebietes Teterows "Auf dem Vietsmorgen" gestellt. Damit verbunden war der erste Bebauungsplan der Stadt Teterow. Es begann eine Umstellung der Systematik der Wirtschaftszweige. Der Altkreis Teterow hatte den Vorzug, durch das Programm der Europäischen Union für den Bau eines Existenzgründerzentrums gefördert zu werden. Die Erschließung des Gewerbegebietes "Pampow-Koppelberg" war für die Stadt Teterow und das Umland mit der Errichtung eines ökologisch wichtigen Klärwerks verbunden. Heute verfügt die Stadt Teterow über vier Gewerbegebiete mit einer Gesamtfläche von über 100 Hektar, die zum jetzigen Zeitpunkt fast vollständig vermarktet sind, mit über 1.200 neuen Arbeitsplätzen. Dies wäre ohne das engagierte Einwerben von Fördermitteln nicht möglich gewesen.

Im Jahre 1994 gingen die ehemaligen Kreise Güstrow, Bützow und Teterow im Landkreis Güstrow auf. Der Kreisstadtverlust war spürbar, wurde aber auch als Neubeginn einer sehr eigenen Entwicklung gesehen. Die noch junge, sich entwickelnde Wirtschaftsbasis öffnete neue Möglichkeiten. Mit der Grundsteinlegung für den Bau des Biomedizin Technikums Teterow (BMTT) am 14. Mai 1998 und der Ansiedlung des Unternehmens Miltenyi Biotec GmbH wurden wichtige Impulse für die Schaffung neuer zukunftsorientierter Wirtschaftsstrukturen in der Region und im Land gesetzt. Das BMTT ist eine Infrastrukturinvestition, die der Entwicklung auf dem Gebiet der Biotechnologie Rechnung trägt.

Am 19. April 2001 wurde der Verbund "BioCon Valley®" e. V. im Golf- und Wellnesshotel des Teterower Ortsteiles Teschow gegründet. Die Stadt Teterow gehörte an diesem Tag zu den ersten Mitgliedern von BioCon Valley® und fördert aktiv die ScanBalt Initiative im Ostseeraum, beides heute die Markenzeichen der am schnellsten und sichersten wachsenden Branche, der Gesundheitswirtschaft.

"Neues fördern und Traditionen pflegen" gilt auch weiter für die Teterower Wirtschaft. Es gibt eine Reihe von Firmen, die der Wirtschaft unserer Stadt ein völlig neues Profil gegeben haben, dazu gehören neben denen aus der Biomedizin-Branche jene, die sich in der Umwelttechnologie einen Namen gemacht haben (Werkzeugbau, Photovoltaik, Biogaserzeugung), oder jene, die verstärkt nachwachsende Rohstoffe einsetzen (Getreide, Holzkohle, Zuckerrüben), andere, die sich hochentwickelten Reinigungsprozessen widmen (Hohlmikrofasern) oder LED-Technik zum Einsatz bringen (auf Schiffen, auf Windrädern). Auf der anderen Seite steht die Fortführung einer mehr als 100jährigen erfolgreichen Geschichte traditioneller Teterower Handwerksbetriebe: Heute exportiert die Teterower Fleisch GmbH weltweit ihre Produkte. Der Schlachtbetrieb ist einer der größten in Europa.

Seit 1990 setzen die Stadt Teterow und ihre 100%-igen Tochterunternehmen Stadtwerke Teterow GmbH und Teterower Wohnungsgesellschaft mbH in hohem Maße Eigenmittel, oftmals komplettiert von Fördermitteln des Landes, des Bundes und der Europäischen Union, für die Vervollkommnung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vor Ort ein. Die Stadt Teterow war und ist seit 1990 bemüht, alle ihre gegebenen Möglichkeiten zu nutzen.

Teterow hat in der Nachwendezeit von der Städtebauförderung profitiert. Seit 1991 nimmt die Stadt am Städtebauförderungsprogramm teil. Von ca. 300 erhaltenswerten Gebäuden im Altstadtgebiet von Teterow konnte mehr als die Hälfte saniert werden. Nicht zuletzt waren die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen ein Motor für die Bauwirtschaft in der Stadt.

In dem 2004 erstmals ausgetragenen Landeswettbewerb um den Titel "Wirtschaftsfreundlichste Kommune" in Mecklenburg-Vorpommern, um den sich 20 Städte und Gemeinden in M-V beworben hatten, siegte die Stadt Teterow. Im Kern des Wettbewerbs ging es um die Zusammenarbeit der Wirtschaft mit der Verwaltung. Dazu wurden Unternehmer befragt. In dem Vorschlag der Teterower Unternehmer hieß es: "Die Stadt Teterow mit ihrer Verwaltung, insbesondere der Wirtschaftsförderung, hat durch ihr einmaliges Management sehr viele Firmen davon überzeugt, in Teterow als einen guten Standort zu investieren." Der damalige Wirtschaftsminister begründete die Wahl:

"In Teterow werden Unternehmer gut bedient. Die Wirtschaft der Stadt hat sich dynamischer entwickelt als die vieler anderer Städte." Die Wirtschaftsansiedlungen am Standort Teterow sind der Beweis für die gute Ansiedlungspolitik der Kommune.

Der OSV würdigt alljährlich wirtschaftsfreundliche Kommunen mit dem Unternehmerpreis des Ostdeutschen Sparkassenverbandes. Die Preisträger machen Mut und stehen beispielhaft für die Stärken des Standortes Ostdeutschland. In Mecklenburg-Vorpommern erhielt die Stadt Teterow den Titel "Kommune des Jahres 2008". Hervorgehoben wurde das ungewöhnliche Engagement der Verwaltung, der in den einmütigen Beschlüssen der Stadtvertretung der erforderliche Rückhalt garantiert wurde.

Als Bürgermeister von Teterow darf ich meine Heimatstadt in vielen Verbänden und Institutionen vertreten, um für die Entwicklung der Stadt soviel wie möglich positive Impulse ein- und mitbringen zu können.

Mehr als zwei Jahrzehnte dynamischer Umgestaltung und Weiterentwicklung haben auch unsere Stadt unverwechselbar geprägt. Ihr Weg ist eingebettet in die großen Veränderungen in Deutschland und Europa, ein Prozess, der sich völlig von dem früherer Jahrzehnte unterscheidet. Kein kalter Krieg mehr, Verknüpfungen in alle Erdteile: Auch Teterower Firmen pflegen wirtschaftliche Kontakte von Amerika über Europa und Afrika bis Asien, sind aktiv eingebunden, gestalten mit.

Die heranwachsende Generation spürt die enorme Herausforderung tagtäglich, Bildung ist die Voraussetzung, um die prägnantesten ökonomischen und ökologischen Aufgaben der kommenden Jahrzehnte zu meistern:

Bei einer sich demografisch verändernden Bevölkerung mit dem Rückgang der Einwohnerzahl und der Verschiebung der Bevölkerungszusammensetzung, insbesondere im Anstieg des Anteils älterer Menschen, gilt es, in dieser Entwicklung die Chancen eigener positiver Einflussnahme zu nutzen. Das Wechselspiel funktionaler Beziehungen zwischen dem Wohnort als Lebensmittelpunkt und der Arbeit, der Schule, dem Einkaufen und der Freizeit wird durch politische Willensbildung der Bürger und zukunftsorientierte kommunale Selbstverwaltung zum Wohle der Stadt gestaltet.