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Geschichtliche Entwicklung/Sehenswürdigkeiten

Am Osthang des Elms, des größten Buchenwaldes im nördlichen Harzvorland, liegt Schöningen. Sein ältester Name "Scahaningi" bedeutet "Wiesen und Wasser am Vorsprung eines Gebirges". Frühgeschichtliche Urnen und Gräberfunde bestätigen eine durchgehende Besiedlung seit dem 1. Jahrhundert nach Christus. Mittelpunkt des Ortes war der Brauhof, über den ein alter Handelsweg vom Rheinland nach Magdeburg verlief. Zu der frühen Entwicklung des Ortes, der schon im 6. Jahrhundert einen Adel aufweist, werden vor allem die Salzquellen beigetragen haben. 748 urkundlich erwähnt, ist Schöningen der älteste Ort im ehemaligen Herzogtum Braunschweig.

Bei den archäologischen Grabungen in den Tagebauen der Stadt Schöningen sind Funde in ungeheurer Fülle von der Eisen- bis zur Altsteinzeit gemacht worden. Eine Weltsensation war 1995 die Entdeckung von acht Wurfspeeren, die über 400 000 Jahre alt sind, auf einem Lagerplatz von Urmenschen. Die historischen Funde sollen nach Möglichkeit in einem Erlebniscenter der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Oberhalb des Ortes errichteten die Franken einen befestigten Wirtschaftshof, eine curtis.
In diesem, dem Bischof von Halberstadt gehörenden Bereich, erbauten sie um 820 die Stephani-Kirche, die später Archidiakonatskirche wurde (abgerissen 1776). Aus der curtis entwickelte sich die curia regis, ein Königshof, in dem Kaiser Otto III. 995 mehrere Urkunden ausstellte.

In Schöningen soll Willigis, der spätere Erzbischof von Mainz (975-1011), dort das Licht der Welt erblickt haben, wo heute auf der Salzstraße 9 das älteste Haus von 1568 steht. Bei dem Slawenaufstand 983 flohen die Nonnen aus ihrem zerstörten Kloster in Calbe (Altmarkt) nach Schöningen und gründeten hier im Ostendorf ein neues Nonnenkloster, das um 1100 aufgehoben wurde.

Dafür entstand im Curtisbereich auf der Höhe 1120 das Augustiner Chorherrenstift St. Lorenz. Der romanische Chor mit den beiden Türmen im Osten ist das weithin sichtbare Wahrzeichen Schöningens. Nach der Säkularisierung 1648 wurde der Wirtschaftshof staatliche Domäne.

Vor den Toren der Stadt befindet sich eine weitere kleine Kirche, die Clus. Hier betreuten einst Nonnen des zugehörigen Klosters die Aussätzigen, die innerhalb der Stadt nicht geduldet wurden.

1669 erbaute Schlosshauptmann Friedrich von Wildenstein die von ihm nach seiner Gemahlin Judith von Leesten benannte Wildenstein-Leestensche Clus als Armenhaus. Mit ihrem reichverzierten Portal und den Wappen der Stifter gehört es zu den schönsten Fachwerkhäusern unserer Stadt.

In den um 1000 nachweisbaren 13 Salzkoten wurde aus der zutage tretenden Sole Siedesalz gewonnen. Um 1747 erwarb Herzog Carl I. die Salzkoten und gründete die Saline "Carlshall". Ab 1845 wurde das Salz aus 500 Metern Tiefe geholt und 1910 errichtete man das Werk "Neuhall". Der Salinenbetrieb, der jahrhundertelang die Entwicklung Schöningens geprägt hatte, stellte 1970 die Produktion ein.

Im 14. Jahrhundert entwickelte sich das Dorf Schöningen zur Stadt mit einem neuen Mittelpunkt am Markt anstelle des Brauhofes.

Die Bürger erbauten ihr Rathaus und die Vincenzkirche. Als 1347 Erzbischof Otto von Magdeburg die mit Wällen und Mauern befestigte Stadt zerstört hatte, errichtete der Braunschweiger Herzog Magnus die Burg. Zum Schloss umgebaut, diente sie drei Herzoginnen von 1558 bis 1659 als Witwensitz. Nachteilig wirkte sich für die Entwicklung des Ortes die Verlegung der alten Handelsstraße Rheinland - Magdeburg, die bis dahin durch Schöningen führte, aus. Zudem vernichteten im 16. und 17. Jahrhundert große Brände fast sämtliche Häuser der Stadt. Nach Schleifung der Befestigungsanlagen um 1750 konnte sich der Ort ausdehnen und erreichte bis zum ersten Weltkrieg eine Einwohnerzahl von 10.000. Heute hat Schöningen mit den 1974 eingemeindeten Ortsteilen Esbeck und Hoiersdorf ca. 13600 Einwohner.

Ein Gang durch Schöningen

Willkommen in unserer Stadt!

Wie in vielen alten Städten ist auch hier der Markt mit dem Rathaus der Mittelpunkt. Im Rahmen der Altstadtsanierung wurde der Marktplatz verkehrsberuhigt und mit einer Natursteinpflasterung versehen. Hierdurch entstand ein historisches Ambiente. Nach über zweijähriger Bauzeit und Umgestaltung wurde der Marktplatz mit dem neuen Geschichtsbrunnen 1995 eingeweiht. Die Restaurierung des Rathauses mit dem im Erdgeschoss befindlichen Ratskeller und den Verwaltungsräumen im 1. und 2. Obergeschoss wurde 1996 abgeschlossen. Hinter der klassizistischen Fassade von 1803 verbirgt sich teilweise Bausubstanz aus dem Mittelalter. Im Giebel sehen Sie das Stadtwappen: Einen Löwen - Emblem der Braunschweiger Welfen als Landesherren - auf einem Turm - und einen Stern - Eigensymbol der Stadt! Vor dem Rathausgebäude steht der 1939 erbaute Brunnen, ein weiteres Wahrzeichen Schöningens, mit der Wasserträgerin. Sie erinnert an die Zeit, als der Ort noch das härteste Wasser Deutschlands hatte und das Weichwasser mit Schanne und Eimern von weit her in die Häuser getragen werden musste. Vom Markt fällt der Blick auf das von Burkhard v.d. Lippe erbaute Patrizierhaus mit dessen Wappen am Vorbau, der Utlucht. Das reichverzierte Renaissance-Portal krönt ein barocker Aufbau mit dem brandenburgisch-baunschweigischen Wappen der Herzogin Anna-Sophie, die das Gebäude 1639 erworben hatte, um hier "die hohe Schule", ein Gymnasium, einzurichten, welches nach ihr Anna-Sophianeum genannt wurde. An diese Zeit erinnert eine Bronzetafel für den Rektor Cuno, einen bedeutenden Pädagogen seiner Zeit, dem die Stadt eine 1728 verfasste lateinische Chronik verdankt. Gleichzeitig mit der Universität Helmstedt wurde auch das Gymnasium Schöningen durch Jérome, dem Bruder Napoleons, König von Westfalen, aufgehoben. 1959 wurde in das Gebäude das 1927 gegründete Heimatmuseum verlegt. Neben einer vorgeschichtlichen und geologischen Privatsammlung (E.Sader) werden hier u.a. Vor-, Stadt- und Wirtschaftsgeschichte gezeigt.

Gehen wir den Marktplatz hinauf, liegen zur linken Fachwerkhäuser, die in ihrer Geschlossenheit das Marktbild bestimmen. Sie entstanden in der Zeit schwerster Not, nachdem 1644 fast alle Häuser der Stadt in einer Feuersbrunst niedergebrannt waren. Beachten Sie das stufenweise Ansteigen der Dächer, kein Haus gleicht dem anderen.

Der über drei Meter hohe Geschichtsbrunnen aus Bronze im oberen Teil des Marktes zeigt in plastischen Szenen bildhaft wichtige Daten der 1250jährigen Stadtgeschichte. Aufbauend auf Symbolen der Salzgewinnung und des Braunkohlebergbaus, den Industriezweigen, die die Stadt hauptsächlich geprägt haben, erzählt der Brunnen vom Feldzug des Frankenkönigs Pippin (748) bei Schöningen, von Karl dem Großen, Kaiser Otto III., der Erbauung des Schlosses, der Gründung der Lateinschule durch Herzogin Anna-Sophie, der Vernichtung der Stadt durch drei Feuersbrünste im 16. und 17. Jahrhundert, vom letzten Krieg bis hin zu den jüngsten Ereignissen.

Am Ende des Marktplatzes erhebt sich der höher gelegene Burgplatz. Seine Westseite begrenzt das ehemalige Amtsgericht und heutige Polizeigebäude mit den über dem Portal befindlichen Wappen der Erbauer, des Oberamtsmannes Freyenhagen und seiner Gemahlin. Den harmonischen Bau des Spätbarocks flankieren zwei kleinere Gebäude, wobei das nördliche bis 1970 als Gefängnis diente. Gerahmt vom Rathaus und früherem Amtsgericht bilden Markt- und Burgplatz mit ihren zahlreichen Fachwerkhäusern den Mittelpunkt der Stadt.

Der an der Südseite des Burgplatzes gelegene "Kanzlerhof" ist ein bauhistorisch weitgehend korrekter Nachbau der von dem Kanzler und Probst Ludwig v. Wendhausen (1665) errichteten Anlage. Gegenüber auf der Nordseite des Platzes erblicken wir das nach über 10-jähriger Bauzeit 1996 wiederhergestellte Schloss. Gegründet als Burg und Jagdschloss im 14. Jahrhundert, erlebte das Schöninger Schloss seine Glanzzeit in den Jahren 1558 bis 1659, als es Wohn- und Witwensitz dreier Braunschweiger Herzoginnen war. Sie gestalteten die Burg zu einem fürstlichen Schloss im Renaissance- und Barockstil um. Danach verfiel das Schloss, obwohl es wegen der Jagden im Elm noch weiterhin ein beliebter Aufenthaltsort der Herzöge von Braunschweig-Wolfenbüttel blieb.

Nach den napoleonischen Kriegen wurde es Domäne. Die ehemals fürstlichen Gebäude dienten als Scheunen und Ställe.

Nach der Aussiedlung der Schlossdomäne 1970 begann die Stadt Schöningen das Gelände zu erwerben. Im früheren Pferdestall wurde ein Jugendfreizeitzentrum eingerichtet. Außerdem entstand dort vor der Wiedervereinigung ein deutschlandpolitisches Informationszentrum. Im letzten und wichtigsten Bauabschnitt wurden in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege unter weitgehender Schonung des Bestandes Palas, Pächter- und Gärtnerhaus restauriert. Im Palas befindet sich jetzt ein großer Theater- und Festsaal mit Empore und Bühne und 400 Sitzplätzen. In den Nebengebäuden gibt es Künstlergarderoben, das Schlossrestaurant mit Hotelzimmern, Seminarräume, die Turmkapelle mit gotischem Sterngewölbe, die der herausgehobenen Repräsentation und stimmungsvollen Trauungen dient. Das restaurierte Schloss ist Mittelpunkt des kulturellen Lebens der Stadt. Haben Sie noch Zeit, durchwandern Sie in Ruhe die kleinen Nebenstraßen "Catthagen", "Plan" und "Westendorf" mit ihren zahlreichen Fachwerkhäusern. In der Salzstraße 8 finden sie das "Willigishaus" mit der lateinischen Inschrift: "Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit".

Wollen Sie sich ausruhen, suchen Sie den Wallgarten mit der Stadtmauer oder eine der vielen übrigen Parkanlagen auf. Dass aber auch moderne Bauten sich harmonisch in das Stadtbild einfügen können, beweist das heutige Gymnasium, das zur Erinnerung an die frühere Lateinschule am Markt den Namen "Anna-Sophianeum" trägt.

Im Rathaus erhalten Sie Prospekte, die für Aufenthalte, Kultur, Sport und Freizeitgestaltung weitere Anregungen bieten.

Sehenswürdigkeiten

St. Lorenz Kirche
Gegründet 1120 von Augustinermönchen. 1648 säkularisiert. Klostergut, Kirche mit romanischer und einer spätgotischen Hälfte und zwei Türmen im Osten. Eichenes Chorgestühl von 1480. Altar, holzgeschnitzter Bildfries. Spätgotisches Sakramentshäuschen aus Sandstein. Nebenkapellen.

Bibelgarten
Um die Kirche wurde seit 1996 ein "Bibelgarten" angelegt, in dem zahlreiche der über hundert in der Bibel erwähnten Pflanzenarten zu sehen sind. Die Hinweisschilder sind hebräisch, griechisch und deutsch beschriftet. Der Bibelgarten ist täglich zu besichtigen. Nach Vereinbarung sind Führungen möglich, Tel.: 05352/4776.

Pfarrkirche St. Vincenz
Erbaut um 1250 mit romanischem Turm und gotischem Langhaus. Hallenkirche mit drei kreuzgewölbten Schiffen. Altaraufsatz: Barockarbeit von 1647. Kanzel mit schöner Barockschnitzerei von 1652. Emporenbrüstungen mit 34 Apostel- und Propheten-Bildnissen in Öl von 1658. Fürstenprieche mit Ölbild der Herzogin Anna-Sophie. Barock-Orgel von Jonas Weigel. Gefallenen-Gedächtnis-Kapelle (Schlüssel in der Pfarrei oder im Rathaus).

Clus-Kirche
Romanischer Bau. Barocker Altaraufsatz (Kreuzigungsbild: Rubenskopie). 1775 aus der Schlosskapelle übernommen, 1957/58 erneuert. Barocke Kanzel. Wildenstein-Leestensche Clus von 1669: Fachwerkbau mit Inschriften und holzgeschnitzter, wappengeschmückter rundbogiger Haustür (Führung durch den Hausmeister, Tel.: 05352/1860).

Schloss
Von Herzog Magnus um 1350 erbaut. Von 1568 bis 1659 Sitz dreier Herzogwitwen: 1568 bis 1575 Sophie von Polen, Gemahlin Herzog Heinrich II. des Jüngeren, Schwester des polnischen Königs Sigismund II.; 1613 bis 1626 Elisabeth von Dänemark, Schwester des Dänenkönigs Christian IV., der 1626 im 30jährigen Krieg von Tilly bei Lutter am Barenberge vernichtend geschlagen wurde, und Mutter des "tollen" Christian von Halberstadt. Beide ließen die Schlossanlage erheblich umbauen. Von 1628 bis 1659 residierte hier Anna-Sophie von Brandenburg, Gemahlin des 1634 verstorbenen Herzogs Friedrich Ulrich. Heute Jugendfreizeitzentrum und Kulturzentrum der Stadt mit Schlossrestaurant und Hotelzimmern, Seminarräumen und Festsälen.

Heimatmuseum
Markt 33: "Anna-Sophianeum", Renaissancebau von 1593, von 1639 bis 1808 Lateinschule, gegründet von Herzogin Anna-Sophie. Prächtiges Portal mit reicher Renaissanceverzierung und barockem Aufbau. Braunschweigisches und brandenburgisches Wappen.
Ausstellung: Stadtgeschichte, Volkskunde und Handwerksgeschichte; Mineralogie, Flora-Fauna, Landwirtschaft und Industrie. Privatsammlung E. Sader: Geologie und Vorgeschichte.
Geöffnet: So. 10.30-12.30 und Mi. 15.00-17.00. Nach Vereinbarung Führungen für Klassen und Gruppen, Tel.: 05352/50838.

Seilereimuseum
Die Seilerei ist eines der ältesten Handwerke Deutschlands. Auch in Schöningen hat die Seilerei eine bis ins Mittelalter zurückreichende Geschichte. Seilermeister Walter Lutze bietet in seinem kleinen Museum im Torhäuschen des Schöninger Schlosses dem alten Handwerk eine Plattform. Besucher können ihr eigenes Seil fertigen und als Andenken mitnehmen. Besichtigungen nach telefonischer Vereinbarung, Tel.: 05352/50547.

Stadtbefestigung
Reste der alten Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert, des Walles und des Stadtgrabens im Wallgarten.

Stadtpark, Volkspark, Schlosspark und Wallgarten
Großzügige, miteinander verbundene Parkanlagen mit vielen ausländischen und einheimischen Bäumen, Sträuchern und Blumen.

Im Elm
Eiszeitliche Findlinge, z.B. "Goldener Hirsch", vorgeschichtliche Hügelgräber und Reste der mittelalterlichen Elmsburg. Naherholung mit gut ausgebauten Wanderwegen und zahlreichen Waldgaststätten.