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Geschichtliches

Ein Blick in die Geschichte

Der Name Parchim erscheint zum ersten Male im Jahre 1170 in einer - inzwischen verschollenen - Urkunde, die Kaiser Friedrich I., Barbarossa, ausstellen ließ; hier wird die Burg Parchim an der Elde bei der Festlegung der Grenzen des Schweriner Bistums genannt.

Die wohl seit dem Anfang des 13. Jahrhunderts allmählich gewachsene Altstadt von Parchim mit der St. Georgenkirche liegt auf der rechten Seite des Verlaufs der Elde, und die um 1240 planmäßig "aus frischer Wurzel" angelegte Neustadt mit der St. Marienkirche entstand auf dem linken Eldeufer. Im Jahre 1282 vereinigten sich beide Städte, und die Elde fließt seit dieser Zeit mit zwei Flussarmen durch das gemeinsame Stadtgebiet.

In den Jahrzehnten nach der Vereinigung schützten die Parchimer ihre Stadt durch den Bau einer hohen festen Backsteinmauer mit drei mächtigen Doppeltoren - dem Kreuz-, Wocker- und Neuen Tor - und dort wo die Elde und der die südliche Neustadt umfließende Stadtgraben kein Wasserhindernis bilden, mit einer Wall-Graben-Anlage.

Parchim hatte eine günstige Lage, denn wichtige Wege, die Wasserstraße der Elde und die Landhandelsstraße, die aus dem Brandenburgischen an die Ostsee führte, kreuzten sich hier. Zur städtischen Feldmark gehörten von alters her umfangreiche Acker-, Wiesen- und Waldflächen. Dieser Reichtum an Grund und Boden bildete zusammen mit den Verkehrsverbindungen die Grundlage für das wirtschaftliche Wachsen Parchims. So entwickelte sich die Stadt in den ersten drei Jahrhunderten ihres Bestehens zur mächtigsten Landstadt in Mecklenburg.

Schon vor der Mitte des 13. Jahrhunderts erschienen in Parchimer Urkunden Ratsmänner als Partner bei Vertragsabschlüssen. Es bestand also eine geordnete "Stadtverwaltung". Dieses beweisen aber auch die umfangreichen Baumaßnahmen wie z. B. die Errichtung der Stadtbefestigung und der beiden großen Hallenkirchen, die in diesen Jahrzehnten durchgeführt wurden. Um diese Aufgaben zu verwirklichen, d. h. die Finanzierung zu sichern, die geeigneten Fachleute zu verpflichten und das erforderliche Baumaterial bereitzustellen, musste eine umsichtige Leitung mit entsprechendem Rückhalt in der Stadt vorhanden sein.

Im Zusammenhang mit der ersten großen Landteilung bestand in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts auch für etwa drei Jahrzehnte eine Herrschaft Parchim, die - grob umrissen - das Gebiet zwischen dem Schweriner und Plauer See und zwischen der Elde und der Warnow umfasste.

Parchim nahm seit dem 14. Jahrhundert eine gehobene Stellung unter den Städten im Lande ein. Parchim war z. B. auch Mitträger von Bürgschaften bei Verträgen des Landesfürsten. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich die Stellung als Vorderstadt des Mecklenburgischen Kreises in der ständischen Gliederung des Landes, die bis 1918 bestand.

Den Höhepunkt der frühen Entwicklung erreichte Parchim mit dem Ausgang des Mittelalters. Man kann davon ausgehen, dass zu dieser Zeit hier 2500 bis 3000 Menschen lebten. Die durch die großen Entdeckungsreisen eingeleitete teilweise Veränderung des Fernhandels wirkte sich auf die Städte an der Ostsee, und damit auch auf Parchim, aus.

In den Jahren 1586 und 1612 vernichteten große Brände fast den gesamten Bestand an Wohnhäusern, deren Dächer zu dieser Zeit meist noch mit weichem Material, Stroh oder Schilf gedeckt waren. Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges (1618 -1648) wurde Parchim häufig von befreundeten oder feindlichen Truppen durchzogen oder besetzt, die alle Kontributionen und Verpflegung von der Stadt forderten und erpressten. Am Anfang dieser Heimsuchungen wütete hier auch noch eine Pestepidemie, die 1600 Menschenleben gefordert haben soll. Auch in den Jahrzehnten nach dem großen Krieg bis zur Jahrhundertwende und darüber hinaus war Mecklenburg mehrfach Schauplatz kriegerischer Ereignisse.
Die französische Besatzungszeit von 1806 -1812/13 überstand die Stadt, nicht aber das Umland, verhältnismäßig gut. Durch Lieferungen an die Franzosen und später, während der Freiheitskriege, an die mecklenburgischen Truppen, machten einige Parchimer gute Geschäfte.

Das Gedankengut der Reformation wurde in Parchim schon um 1530 durch die Brüder Caspar und Johann Lönnies verbreitet; sie wirkten besonders in der Altstadt, die auf dem rechten Eldeufer liegt. Es gab einen jahrelangen Widerstand, besonders von Seiten der Kirchenherren der St. Marienkirche in der Neustadt auf dem anderen Eldeufer. Auf dem Landtag, der 1549 an der Sagsdorfer Brücke bei Sternberg stattfand, beschlossen dann die Landstände die Einführung der Reformation in Mecklenburg.

Die Bevölkerung Parchims nahm dann seit Beginn des 19. Jahrhunderts bis in unsere Jahrzehnte ständig zu; gegenwärtig leben hier etwa 18.000 Menschen. Diese Entwicklung erfolgte dadurch, dass für die Dauer von fast einem Vierteljahrhundert das oberste mecklenburgische Gericht hier tagte, dass seit der Mitte des Jahrhunderts Chaussee-, Eisenbahn-, Telegrafen- und Telefonverbindungen hergestellt wurden, dass die Stadt eine Garnison erhielt und Standort von Fabriken wurde.

Außer den großen Mühlen und der Tuchfabrik, die schon längere Zeit hier ansässig waren, entstanden besonders metallverarbeitende Betriebe; diese Betriebsart ist bis heute hier mehrfach vertreten. Da bis 1849 mit den Grundstücken in der Stadt gewisse Acker- und Wiesenflächen untrennbar verbunden waren, waren viele Parchimer, neben ihrem eigentlichen Beruf, früher auch noch landwirtschaftlich tätig. Dieses sicherte besonders in Notzeiten die Lebensbedingungen.

Eine Anzahl von Personen, die in jedem größeren Lexikon aufgeführt werden, sind mit Parchim verbunden. Hierzu gehören zum Beispiel als gebürtiger Parchimer der Philosoph und Schriftsteller Johann Jakob Engel (1741 -1802), der preußische Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke (1800 -1891) und der plattdeutsche Schriftsteller Rudolf Tarnow (1867 -1933). Das Parchimer Gymnasium besuchten eine Zeit lang der plattdeutsche Schriftsteller Fritz Reuter (1810 -1874), der Lyriker und Dramatiker Erich Mühsam (1878 -1934) und der Erfinder des Echolotes Alexander Brehm (1880 -1975).

Als nach 1863 an den Eingängen zur Stadt keine Akzise mehr auf eingeführte Waren erhoben wurde, konnte die Enge innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer überwunden werden und es entstanden in den folgenden Jahrzehnten die Vorstädte.

Auf einer Fläche westlich der Stadt wurde 1936 ein Militärflugplatz eingerichtet. Dieser Flugplatz wird gegenwärtig zu einem Regionalflugplatz ausgebaut.

Seit 1921 ist Parchim Sitz der Verwaltung eines Amtes. Für diese Behörde wurde 1933 die Bezeichnung Kreis eingeführt. Auch bei der Umgestaltung der Verwaltung 1952 und 1994 blieb jeweils ein Kreis Parchim bestehen, der aber nicht immer dasselbe Gebiet umfasste. Die Fläche des jetzigen Landkreises Parchim kommt dem Gebiet der mittelalterlichen Herrschaft Parchim im 13. Jahrhundert nahe.

Früher wie heute erkennt ein Besucher schon von weitem die Horizontlinie Parchims mit den beiden wuchtigen roten Backsteintürmen, deren Satteldächer einmal längs und einmal quer zu den Dächern ihrer Kirchenschiffe verlaufen; es ist die Visitenkarte der Stadt. Die Atmosphäre in Parchim bestimmen dann weitgehend die beiden gotischen Hallenkirchen und das frei stehende Rathaus mit seiner erhaltenen mittelalterlichen Bausubstanz; die vielen stattlichen Gebäude aus verschiedenen Zeiten und Stilepochen, wozu auch die Fachwerkbauten gehören; die Eldearme, die durch die Stadt fließen, und die Brücken darüber, der Moltkeplatz mit dem Denkmal und die Wallanlagen mit dem Alten Friedhof und seinen parkähnlichen Grünflächen im Stadtgebiet. Zum Parchimer Flair gehört auch die abwechslungsreiche Umgebung mit den ausgedehnten Laubwaldungen, die teilweise unmittelbar an den Stadtrand grenzen.

Das historische Rathaus

Das Rathaus ist in der Substanz ein gotischer Backsteinbau aus dem 14. Jahrhundert. Unter den Gebäuden der mittelalterlichen Stadt nahm das Rathaus Parchims als Sitz der städtischen Behörden und als Wahrzeichen städtischer Selbstständigkeit die erste Stelle ein. Bald nach der Stadtwerdung (urkundlich erwähnt 1225/26) baute Parchim am Markt sein Stadthaus und auch die um 1246 entstandene selbstständige Neustadt Parchim besaß ihr eigenes Rathaus.

Nach der Vereinigung beider Stadtteile 1282 fanden die Zusammenkünfte der Ratsmänner im Rathaus der Altstadt statt. Die Zeichnung von Gerhard Hoeppner von 1928 ist geeignet, einen Eindruck zu vermitteln, wie das Rathaus einst ausgesehen haben mag. Hier geht hervor, dass diese ältere Anlage zu einem wohlbekannten Typ mittelalterlicher Rathäuser gehört, der in Deutschland seit der Zeit um 1200 zu finden ist.

Den repräsentativen Eingangsteil bildete der gesamte Nordostabschnitt des Gebäudes. Im Erdgeschoss war dieser Abschnitt ausgestaltet zu einer rechteckigen Laube. Betreten konnte man die Laube vom Alten Markt, vom Schuhmarkt und von der Straße Am Rathaus. Der Haupteingang befand sich innerhalb der Laube, die übrigens die Tagungsstätte des Niedergerichtes war. Der übrige Teil des Erdgeschosses enthielt einen einzigen Raum, der als Kaufhalle diente und in dem die Ratswaagen standen. Das ganze Obergeschoss nahm anfänglich nur die Ratshalle ein. Dort fanden Beratungen des Rates und der Bürgerschaft, aber auch die Sitzung des Hochgerichtes und Festlichkeiten (wie z. B. Hochzeiten) statt. Eine Schreibstube und weitere kleinere Räume wurden erst nach und nach eingebaut.

Die Fenster oberhalb der Laube waren größer als die übrigen Fenster des Geschosses und des Erdgeschosses. Das Parchimer Rathaus besaß auch einen Weinkeller. Nach 1370 hatten die Wandschneider im Rathaus ihre Verkaufsstände. 1481 wurde das Rathaus zum Sitz der städtischen Finanzverwaltung bestimmt. Im ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts waren einzelne Zweige der Stadtverwaltung in einem besonderen Gebäude ("Bude") untergebracht. Beim Stadtbrand 1612 wurde diese Ratsbude eingeäschert. Von 1667 bis 1708 war im Rathaus das Oberste Landesgericht, das Mecklenburgische Land- und Hofgericht, untergebracht. Auch der Rat nutzte mehrere Räume des Rathauses. Doch hatte die Stadtverwaltung ihren Sitz vornehmlich in der 1669 neu erbauten Ratsbude. Im Jahre 1808 erwiesen sich die Ziergiebel auf der Nordseite des Bauwerkes als so baufällig, dass sie abgebrochen werden mussten. Im Jahre 1813 wurde das Rathaus wiederum als Verpflegungsmagazin genutzt und zwar für Truppenteile der Verbündeten.

Nachdem das Rathaus von 1817 bis 1820 unter der Bauleitung des Ludwigsluster Hof- und Landbaumeisters Barca um- und ausgebaut worden war, diente es ab Herbst 1818 der Unterbringung des Oberappellationsgerichts für Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz. Die Stadtverwaltung hatte nur wenige Zimmer des Gebäudes in Benutzung. Barca zeigte beim Umbau keine besondere Vorliebe für die Neugotik. Er hatte sich ihrer Form nur bedient, wenn es unbedingt notwendig erschien. Bei dem Umbau griff Barca rücksichtslos in den mittelalterlichen Bestand ein.

Die Laube als solche verschwand. Ihr Raum wurde in das Erdgeschoss mit einbezogen. Der Haupteingang wurde an den Schuhmarkt verlegt. Hier wurde ein neues Portal durch den Einzug von vier verputzten Halbsäulen geschaffen. An die Stelle der gedrungenen Flachbogenfenster traten überall hohe Spitzbogenfenster. Zwischen Erd- und Obergeschoss wurde ein weiteres Geschoss eingezogen. In diesem Zusammenhang wurden die Fensterdurchbrüche im alten Erdgeschoss besonders stark erhöht, wobei die Spitzbogenoberteile die Räume des Zwischengeschosses erhellten. Dem Südgiebel nachgebildet, wurde ein neuer Nordostgiebel gebaut, zu dessen Eingang eine Freitreppe führt. Das Satteldach wurde flacher gelegt.

Am 01.10.1840 wurde das Mecklenburgische Oberappellationsgericht von Parchim nach Rostock verlegt. Seitdem wurde das Rathaus wieder Sitz der Verwaltung und ist es noch heute.