Gehe zum Inhalt, überspringe Menüs

 

Natur

5.1 Was Städtebau mit Natur zu tun hat

In den zurückliegenden Jahren dehnte sich die Stadt Leer zur Schaffung von neuen Wohn- und Gewerbegebieten immer mehr aus. Damit verbunden ist logischerweise eine Zersiedelung der Landschaft und die Beeinträchtigung von stadtnahen Landschaftsräumen. Jede dieser vielfältigen Bautätigkeiten und städtebaulichen Planungen hat zwangsläufig den Verbrauch von Landschaft zur Folge. Was liegt also näher, als der Natur einen Teil dieser Verluste zurückzugeben? Wir helfen so nicht nur der Natur, sondern auch uns selber. Durch die Aufnahme von Natur in den Städtebau durch Berücksichtigung und Einbindung vorhandener natürlicher Gegebenheiten in den neuen geplanten Siedlungsräumen erhalten die Bewohner der Stadt Leer ein lebenswertes Wohnumfeld, welches nicht nur aus Straßen, Parkplätzen und Einkaufsmöglichkeiten besteht. Das städtische Wohnumfeld beginnt nicht erst in Randbereichen der Stadt Leer. So sind in den letzten Jahren seitens der Stadt Leer zahlreiche Maßnahmen zur Aufwertung des Wohnumfeldes realisiert worden:
  • die meisten städtischen Plätze sind "grün" und laden zum Verweilen ein,
  • großzügige Parkanlagen und Grünanalagen (Julianenpark, Philippsburger-Park, Schlosspark Evenburg, Naherholungsgebiet Westerhammrich etc.),
  • Rad-/Wanderwege und Wasserverbindungen.
Aber auch jeder einzelne Hausbauer ist verantwortlich für die Natur. Die Förderung sowie Vernetzung von Natur innerhalb von Neubaugebieten und deren Hausgärten führt zu einer Verbesserung der Qualität von Gewässern, Böden, Luft und fördert die Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen. Im Ergebnis bedeutet dies mehr Lebensqualität für den Menschen. Materialschlachten an Neubauten und exotische Bepflanzungen innerhalb der Hausgärten führen zu einem Wohnumfeld, das an Qualität stark verliert. Die Stadt Leer ist bestrebt, über die Bauleitplanung ein hohes Maß an Natur im Städtebau zu verwirklichen. Dies geschieht über Bebauungspläne und deren begleitende Grünordnungspläne. Mit diesen Planwerken wird die bauliche und sonstige Nutzung von Grundstücken innerhalb des Stadtgebietes geregelt.

5.2 Grünordnungspläne - Naturschutz und Landschaftspflege

Der Grünordnungsplan ist Bestandteil des Bebauungsplanes und stellt die erforderlichen Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege zum Ausgleich eines Eingriffes dar. Mit diesen Maßnahmen wird der Tatbestand einer menschenwürdigen Umwelt gesichert, werden die natürlichen Lebensgrundlagen geschützt und entwickelt. Hier einige Beispiele dafür, was jeder einzelne bei seinem Bauvorhaben für den Naturschutz und die Landschaftspflege tun kann:
  • Anpflanzung und Erhalt von standortheimischen Bäumen, Sträuchern und sonstigen Bepflanzungen (vgl. Abschnitt 5.3)
  • Rückhaltung von gesammeltem Niederschlagswasser (vgl. Abschnitt 5.7)
  • Fassaden- und Dachbegrünungen (vgl. Abschnitt 5.4)
  • Schaffen und Erhalten von Grünflächen (vgl. Abschnitt 5.5)
  • Begrenzung der Versiegelung innerhalb von Baugebieten (vgl. Abschnitt 5.6)
  • Verwendung von Niederschlagswasser als Brauchwasser
Möglichkeiten zur Gestaltung des Grundstückes innerhalb eines Wohngebietes können über Grünordnungspläne geregelt und als Festsetzungen für den einzelnen Hausbauer im Grünordnungsplan enthalten sein.

5.3 Anpflanzung und Erhalt von standortgerechten und gebietseigenen Bäumen, Sträuchern und sonstigen Bepflanzungen

Bäume, Sträucher und sonstige Bepflanzungen prägen seit langer Zeit kulturgeschichtlich den Siedlungsraum des Menschen. Angesichts immer stärker zurückgehender Freiräume stellen sie in besonderem Maße das Grün in der Stadt dar und sollten erhalten werden. Aus Gründen des Ortsbildes, der ökologischen sowie stadtklimatischen Funktionen sind viele Bäume im Stadtgebiet geschützt. Alle Bäume sollten sorgsam behandelt werden. Der Wurzelbereich der Kronentraufe zuzüglich 1,50 m ist frei von Materialablagerungen, Verdichtungen oder Überpflasterungen zu halten. Der Fachbereich 2.61 gibt hierzu Auskunft.

Beim Kauf einheimischer Gehölze sollten nach Möglichkeit Bäume und Sträucher aus regionaler Herkunft verwendet werden. Hierbei können auch die örtlichen Baumschulen sicherlich beratend tätig werden. In der nachfolgenden Liste sind empfehlenswerte Bäume und Sträucher zur Anpflanzung in Hausgärten aufgeführt:

Standortheimische Gehölze für den Garten

Deutscher Name: Stiel-Eiche
Botanischer Name: Quercus robur
  • Bodenansprüche: leichte Böden bis schwere Böden
  • Stand: sonnig-halbschattig
Deutscher Name: Sand-Birke
Botanischer Name: Betula pendula
  • Bodenansprüche: leichte Böden bis mittlere Böden
  • Stand: sonnig-halbschattig
Deutscher Name: Schwarz-Erle
Botanischer Name: Alnus glutinosa
  • Bodenansprüche: leichte Böden bis schwere Böden
  • Stand: sonnig-halbschattig
Deutscher Name: Echte Taubenkirsche
Botanischer Name: Prunus padus
  • Bodenansprüche: leichte Böden bis schwere Böden
  • Stand: halbschattig-schattig
Deutscher Name: Silber-Weide
Botanischer Name: Salix alba
  • Bodenansprüche: mittlere Böden bis schwere Böden
  • Stand: sonnig
Deutscher Name: Ohr-Weide
Botanischer Name: Salix aurita
  • Bodenansprüche: leichte Böden bis schwere Böden
  • Stand: sonnig
Deutscher Name: Sal-Weide
Botanischer Name: Salix caprea
  • Bodenansprüche: leichte Böden bis schwere Böden
  • Stand: sonnig
Deutscher Name: Grau-Weide
Botanischer Name: Salix cinerea
  • Bodenansprüche: leichte Böden bis schwere Böden
  • Stand: sonnig
Deutscher Name: Schlehe
Botanischer Name: Prunus spinosa
  • Bodenansprüche: leichte Böden bis schwere Böden
  • Stand: sonnig
Deutscher Name: Haselstrauch
Botanischer Name: Corylus avellana
  • Bodenansprüche: mittlere Böden bis schwere Böden
  • Stand: sonnig-halbschattig
Deutscher Name: Schwarzer Holunder
Botanischer Name: Sambucus nigra
  • Bodenansprüche: leichte Böden bis schwere Böden
  • Stand: sonnig-schattig
Deutscher Name: Eberesche
Botanischer Name: Sorbus aucuparia
  • Bodenansprüche: leichte Böden bis schwere Böden
  • Stand: sonnig-halbschattig
Deutscher Name: Brombeere
Botanischer Name: Rubus fruticosus
  • Bodenansprüche: leichte Böden bis schwere Böden
  • Stand: halbschattig-schattig
Deutscher Name: Himbeere
Botanischer Name: Rubus idaeus
  • Bodenansprüche: leichte Böden bis schwere Böden
  • Stand: halbschattig-schattig
Empfehlenswerte Obstbäume für den Hausgarten (5-10jährige Hochstämme, bei ausreichendem Platz, sonst Buschbaum oder Halbstamm)
  • Juglans regia (Walnuss)
  • Malus silvestris / Sommerapfel "Weißer Klarapfel" / Winterapfel "Ostfriesischer Striebling" / Herbstapfel "Pannemanns Tafelapfel" (Apfel)
  • Prunus avium L. / "Oktavia" (Kirsche)
  • Pyrus communis / "Neue Poiteau" / "Gellerts Butterbirne" (Birne)
Die Anpflanzung von alten Obstgehölzen in Hausgärten ist aufgrund des ökologischen und des hohen Erlebniswertes von besonderer Bedeutung. Außerdem sind diese besonders widerstandsfähig und wohlschmeckend.

5.4 Fassaden- und Dachbegrünungen

Unter Fassadenbegrünung ist die vollständige oder teilweise Bedeckung überwiegend senkrechter Wandflächen mit ausdauernden Kletterpflanzen zu verstehen. Eine Dachbegrünung ist ebenfalls an Gebäude und an deren Dachebenen gebunden. Es sind die vorgegebenen bau- und vegetationstechnischen Begrünungsvorschriften sowie Sicherheitsvorschriften zu beachten. Bei der Auswahl von geeigneten Fassadenbegrünungen sind die Sonneneinstrahlung, die Oberflächenbeschaffenheit der Wand sowie die kleinräumigen Klimaverhältnisse für die Wuchsleistungen maßgebend.

In der Praxis haben sich folgende Begrünungsformen bewährt:
  • Südwände mit blattwerfendem, sommergrünem Bewuchs (sommerlicher Schattenwurf und hohe Einstrahlgewinne im Restjahr),
  • Westwände und Nordwände mit immergrünem Bewuchs (Wetterschutz, Wärmepolster),
  • Ostwände je nach örtlicher Situation (immergrün in ungeschützter Lage oder sommergrün für Wärme- und Einstrahlgewinne).
Die Herstellungskosten sind, sofern keine aufwendigen Stützhilfen erstellt werden müssen, vergleichsweise gering (siehe auch Abschnitt 7.3 Förderprogramme der Stadt Leer). In der nachfolgenden Liste sind exemplarisch einige bewährte und ausdauernde Pflanzen zur Fassadenbegründung aufgeführt.

Kletterpflanzen für die Fassadenbegrünung

Deutscher Name: Waldrebe
Botanischer Name: Clematis Hybriden

Deutscher Name: Wilder Hopfen
Botanischer Name: Humulus lupulus

Deutscher Name: Efeu
Botanischer Name: Hedera helix

Deutscher Name: Knöterich
Botanischer Name: Polygonum aubertii

Deutscher Name: Kletter-Hortensie
Botanischer Name: Hydrangea petiolaris

Deutscher Name: Winter-Jasmin
Botanischer Name: Jasminum nudiflorum

Deutscher Name: Jelängerjelieber, Geißblatt
Botanischer Name: Lonicera caprifolium

Deutscher Name: Echter Wein
Botanischer Name: Vitis-Hybriden

Deutscher Name: Wilder Wein
Botanischer Name: Parthenocissus quinquefolia

Deutscher Name: Dreifinger-Wein
Botanischer Name: Parthenocissus tricus. `Veitchii`

Deutscher Name: Wilde Rebe
Botanischer Name: Vitis coignetiae

Deutscher Name: Blauregen, Glyzine
Botanischer Name: Wisteria sinensis

Deutscher Name: Kletterrosen
Botanischer Name: z. B. 'New Dawn'

Unter einer Fassaden- und Dachbegrünung liegt die Fassade bzw. Dachabdichtung wirksam geschützt vor UV-Strahlung, Hagelschlag, Hitze und Kälte. Temperaturbedingte Spannungen werden abgebaut; die Lebensdauer der Fassade bzw. Dachabdichtung wird somit wesentlich erhöht. Auch das weit verbreitete Vorurteil, dass Kletterpflanzen Hauswände zerstören, muss ausgeräumt werden. Kletterpflanzen wachsen nicht in die Mauer hinein, sondern benutzen sie nur als Stütze.

Für Wandbegrünungen mit Haftorganen, wie Efeu, Wilder Wein oder Kletter-Hortensie ist jedoch Voraussetzung, dass die Fassade ohne Schäden ist. Ein Gerüst für Schling- und Rankpflanzen aber kann an jeder Hauswand stehen.

5.5 Schaffung und Erhalt von Grünflächen

Unter Grünflächen versteht man baulich nicht genutzte Bereiche innerhalb geschlossener Siedlungsflächen, die bepflanzt oder begrast sind. Hierunter werden Parkanlagen, Grünzüge, Kleingärten, Sport-, Spielplätze, Friedhöfe usw. zusammengefasst. Bei diesen Anlagen handelt es sich überwiegend um Flächen, die durch die Kommune angelegt und gepflegt werden. Diese Flächen erhalten aufgrund ihrer Größe, Stabilität und Vernetzung eine besondere stadtökologische Bedeutung.

Aus diesem Grund wird in den Grünordnungsplänen der Stadt Leer besonders viel Wert auf den Erhalt und die Anpflanzung von Grünzügen wie Hecken, Gebüschen und Baumreihen gelegt. Zusätzlich dienen Grünzüge der Luftreinhaltung sowie dem Klima- und Lärmschutz.

5.6 Begrenzung der Versiegelung innerhalb von Baugebieten

Unter Bodenversiegelung wird die Verdichtung eines offenen, natürlichen Bodens einschließlich seiner Überdeckung mit undurchlässigen Materialien verstanden. Vor allem in städtischen Verdichtungsgebieten führt dies zu einem Verlust an Grün- und Freiflächen und zu einer Verschlechterung des Wasserhaushaltes, des Stadtklimas, der Pflanzen- und Tierwelt. Insgesamt führt eine übermäßige Bodenversiegelung zu einem erheblichen Verlust an Umweltqualität. Hier kann durch die Begrenzung der Bodenversiegelung auf privaten Grundstücken viel für die Umwelt erreicht werden.

Mögliche weitere Maßnahmen wären:
  • Verwendung von wasserdurchlässigen Wegematerialien
  • Verzicht auf unnötig versiegelte Flächen im Hausgarten (Wege und Plätze).
5.7 Rückhaltung von gesammeltem Niederschlagswasser

Jede Bautätigkeit ist mit der Befestigung und Versiegelung von Flächen verbunden. Hierdurch wird die Versickerung und Speicherung von Niederschlagswasser am Ort des Auftretens weitgehend verhindert. Es ist empfehlenswert, einen Teil des Niederschlagswassers aufzufangen, um es zur Gartenbewässerung oder aber auch für die Toilettenspülung zu nutzen.