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Jüterbog - Stätte der Reformation

"Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele vom Fegefeuer in den Himmel springt"

Für bare Münze verspricht ein Dominikanermönch jedermann Ablass von Schuld und Sünde. Und die Wittenberger Bürger kamen in Scharen nach Jüterbog, weil der Dominikanermönch Johann Tetzel nicht über die damalige Landesgrenze nach Wittenberg durfte. Tetzel bot seinen päpstlichen Ablass in Jüterbog an. Noch heute sind Spuren - wie die Tetzelkapelle, in der er sich in seiner Jüterboger Zeit aufhielt und seine Hausandachten abhielt und der Tetzelkasten in der Nikolaikirche zu sehen. Im Tetzelkasten, einer Einbaumtruhe aus der Zeit um 1250, soll der Ablasshändler Johann Tetzel 1517 seine Einnahmen verwahrt haben. Am Rathaus zeigt die Statue des Heiligen Moritz an, dass Jüterbog damals zum Machtgebiet des Erzbischofs von Magdeburg gehörte. In dessen Auftrag wurden hier im Frühjahr 1517 die Ablassbriefe verkauft.
Martin Luther im benachbarten Wittenberg, war über dieses Tun so aufgebracht, dass er 95 Thesen gegen den Ablasshandel an der Schlosskirchentür zu Wittenberg anschlug. Damit begann die Reformation.

Die Reformation in Jüterbog
Jüterbog gehörte im späten Mittelalter zu den größeren Städten im Erzstift Magdeburg. Wegen ihrer verkehrsgünstigen Lage zwischen Sachsen, der Mark Brandenburg und Magdeburg war sie häufig Ort wichtiger Fürstentreffen, aber auch ein bedeutender Schauplatz der "großen" Reformationsgeschichte ebenso wie "kleiner" Geschichten am Rande der damaligen Ereignisse.
Wie in vielen anderen Städten des Erzstiftes Magdeburg war die Reformation auch in Jüterbog ein langwieriger, allmählicher Prozess des Überganges. Dabei stand die Stadt, schon wegen ihrer Nähe zu Wittenberg, sehr frühzeitig im Zentrum der reformatorischen Auseinandersetzungen. 1517 sollen die Ablasspredigten des Dominikaners Johann Tetzel in der Jüterboger Nikolaikirche Martin Luther zu seinen Reformthesen bewegt haben. Daran erinnert der sogenannte Tetzelkasten in der Nikolaikirche, mit dem sich eine eigene Legendenbildung, nicht nur in Jüterbog, verknüpft. Schon seit 1519 waren dann im Auftrag des Stadtrates reformatorische Prediger in Jüterbog aktiv, unter anderem Thomas Müntzer. Dessen Predigten provozierten bald einen polemischen Disput mit den Jüterbogern Franziskanern, der zur theologischen Schärfung der neuen Lehre beitrug.
Ebenso allmählich, wie der Übergangsprozess der Reformation in Jüterbog verlief, wandelte sich auch das Verhältnis von Kirche und Gesellschaft in der Stadt. Das vielfältige und reiche religiöse Leben am Ausgang des Mittelalters hatte keinen Bestand. Während geistliche Stiftungen unter veränderten Vorzeichen vielfach weitergeführt wurden, gingen geistliche Institutionen und Bruderschaften zugrunde. Auch die beiden Klöster in der Stadt - das Zisterzienserinnenkloster in der Dammvorstadt und das Franziskanerkloster - verloren ihre Bedeutung als Horte von Bildung, Kultur und religiösem Leben. Sie wurden bis zum Ende des 16. Jahrhunderts säkularisiert, ihre Gebäude und Güter durch die Stadt oder den Landesherrn zu anderen Nutzungen herangezogen. 1540 gewährte der Magdeburger Erzbischof Jüterbog die Religionsfreiheit. Aber erst mit der Kirchenvisitation von 1562 wurde der konfessionelle Übergang hier wie im gesamten Erzstift Magdeburg endgültig vollzogen.
(vgl. Prof. Dr. Heimann, Dr. Tresp, Engel, in Vermittlungskonzept Städteverbund/Prediger und Bürger 2014)

Im Jahre 2012 wurde die Stadt Jüterbog mit dem Europäischen Kulturerbesiegel STÄTTE DER REFORMATION ausgezeichnet.