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Idstein im Taunus - Eine Stadt stellt sich vor

Auf dem Globus noch nicht ein Punkt, doch für die Bewohner ein bedeutsamer Faktor ihres Lebens, Heimat oder zumindest Lebensraum; Verwaltungseinheit aus Kernstadt und elf Stadtteilen, alle seit Jahrhunderten bekannt, einst bedeutsame Fürstenresidenz und seit über 700 Jahren mit Stadtrechten ausgestattet; ein Areal mit heute 38 km² Wald, bedeutsamen Gewerbegebieten und in der Innenstadt geschichtsträchtigen Bauwerken; Mittelzentrum mit Fußgängerzone, Erholungsraum, Arbeitsstätte für eine Vielzahl von Menschen - das und viel mehr ist Idstein.

Eine Stadt, die von jeher Neuem aufgeschlossen ist. Bedingt durch die günstige Verkehrslage und die frühen, namhaften Bildungseinrichtungen wurde Idstein zu einer Stätte der Begegnung. Heute ist die Stadt verschwistert mit je einer belgischen, italienischen (südtiroler), russischen und türkischen Gemeinde sowie festen Kontakten zu einer Stadt in Tansania/Ostafrika. Ein Ort, an dem es sich leben lässt, an dem man arbeitet und feiert, dessen Einwohnerzahl nicht ohne Grund zunimmt, die aber auch nicht zu rasch wächst, so dass seine Bürger noch das Gefühl der Zusammengehörigkeit erfahren können; ein reges Gemeinwesen und nicht nur Verwaltungseinheit oder Interessengemeinschaft von rund 26.000 Menschen - auch das ist die Stadt Idstein.

Doch was ist sie tatsächlich, "die Stadt"? Die Antwort scheint selbstverständlich und einfach und ist doch recht vielschichtig. Ja, wer oder was ist das eigentlich diese "Stadt", auf die man ärgerlich ist, wenn sie einem unbequeme Vorschriften macht oder Gebühren erhebt, der man mitunter dankt für ihre Gemeinschaftseinrichtungen, der man auch Lob spendet oder vielleicht sogar Heimatliebe entgegenbringt - etwa wenn man anderenorts feststellt, in der "eigenen Stadt" sei doch manches besser als anderswo.

Man sagt, man geht "zur Stadt", wenn man das Rathaus aufsucht. Stadtverwaltung und Magistrat mit dem Bürgermeister an der Spitze, Stadtverordnete und Ausschüsse, unterstützt von den Ortsbeiräten, sind zwar die beschließenden und "lenkenden Organe", die dem Gesamtorganismus "Stadt" das erforderliche Reglement des Zusammenlebens und des gemeinsamen Wirkens geben, aber sie machen nicht "die Stadt" aus. Es gehört mehr dazu.

Es gehört zunächst statistisch jeder einzelne Idsteiner und jede Idsteinerin zur "Einwohnerschaft"; darüber hinaus bilden sie jedoch alle im lebendigeren gemeinschaftsbezogenen Sinn "die Stadt". Allerdings sind nach dem ersten, dem rein rechnerischen Gesichtspunkt alle hier gemeldeten Bürgerinnen und Bürger ohne eigenes Zutun einbezogen, während es an jedem und jeder Einzelnen liegt, ob und wie weit er oder sie im zweiten Sinn dazugehören und sich einbringen will. Das Angebot dazu auf kulturellem, sozialem und sportlichem Sektor ist umfangreich und vielfältig. Bürgersinn und Gemeinschaftsbewusstsein, das Annehmen der Rechte und Pflichten, Mitarbeit in Vereinen oder sonstigen Zusammenschlüssen, Verantwortung auch für andere zu übernehmen, alles das gehört dazu, um das Gemeinwesen zur lebendigen Stadt zu machen und sich in ihr "zu Hause" zu fühlen. Freilich bedarf es für neu zugezogene Einwohner, aber durchaus auch für manchen schon länger hier wohnenden Bürger der Information und Orientierungshilfe, um die gebotenen Möglichkeiten auch wahrnehmen zu können; es bedarf der Kenntnis von Namen, Daten und Fakten, um die richtigen "Anlaufstellen" oder Partner zu finden. Dazu soll dieses Heft mit seinen reichhaltigen Informationen dienen.

Der Hinweis auf die nicht nur heutige, sondern auch schon frühere Geltung Idsteins kann Anlass zu einem kurzen Blick in die Geschichte sein. Zuviel geschah hier jedoch seit der Römerzeit, um alles auch nur kurz zu erwähnen, doch einige Daten seien genannt. In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten war hier Grenzgebiet des Römischen Reiches. Der Limes, der römische Schutz- und Grenzwall, durchzog die Gemarkung der heutigen Stadtteile Kröftel, Lenzhahn, Heftrich, Dasbach und Ehrenbach und hat bis heute Spuren hinterlassen. Der weithin bekannte Alteburger Markt beim Stadtteil Heftrich hat hier als römisch-germanischer Handelsplatz seinen Ursprung und gehört zum UNESCO-Welterbe Limes, in dessen Verlauf bei Dasbach die Rekonstruktion eines römischen Wachturmes steht.

Vor über 1200 Jahren, 774, wurde der heutige Stadtteil Walsdorf und nur wenig später, 790, Wörsdorf erstmals urkundlich erwähnt, Idstein immerhin auch schon im Jahr 1102. Als der nassauische Graf Walram 1255 Idstein zur Residenz erkor, begann die Entwicklung zum Machtmittelpunkt. Zwar war die Stadt innerhalb ihrer Mauern klein an Umfang, aber groß an Bedeutung. Fast fünfhundert Jahre, bis 1721, blieb Idstein Residenzstadt, und nicht nur durch König Adolf von Nassau, sondern auch mit den Grafen von Nassau-Idstein in bedeutenden Ämtern, nahm es Einfluss auf die Reichspolitik. Vier Mainzer Erzbischöfe, die zugleich Kanzler des Deutschen Reiches waren, sowie der Erste Kammerrichter, am 1495 begründeten Reichskammergericht, entstammten der Idsteiner Linie des Hauses Nassau.

Der stolze Bergfried, heute in Erinnerung an ein dunkles Kapitel der Geschichte "Hexenturm" genannt, das Schloss mit seinem nach historischem Vorbild gestalteten Schlossgarten, das Kanzleitor und nicht zuletzt die farbenprächtigen Fachwerkhäuser sind Zeugnisse aus jener Zeit. Eine besondere Bedeutung kommt der früheren Martinskirche, der heute evangelischen Unionskirche zu, die von 1673 bis 1678 von Malern der Rubens-Schule mit reichen Wand- und Deckengemälden ausgestattet wurde. Hier schlossen sich 1817 die Reformierten und Lutheraner in Nassau zu einer Union, also zu einer Evangelischen Landeskirche, zusammen.

Ein für die Entwicklung Idsteins bedeutsames Datum war der 3. Mai 1287, an dem König Rudolf von Habsburg dem Ort die Stadtrechte verlieh. In der Folgezeit wurde Idstein nicht nur Verwaltungszentrum für ein weites Territorium, sondern zugleich wirtschaftlicher und kultureller Schwerpunkt. Zum geistigen Mittelpunkt für das Nassauer Land wurde Idstein durch das bereits 1340 gegründete Martinsstift, dem eine Stiftsschule angegliedert war. Daraus entwickelte sich ein reges Schulleben, das nunmehr auf eine über 675 Jahre lange Tradition zurückschauen kann.

Freilich war man auch hier nicht unabhängig von den großen Zeitströmungen und Geschehnissen: Die Hexenverfolgungen im 17. Jahrhundert sind hier ebenso zu nennen wie die Leiden im Dreißigjährigen Krieg und die nachfolgende Ausdehnung der Stadt über die Mauern hinweg; die Entwicklung des Gewerbes, der Zünfte und im 19. Jahrhundert der Industrie gehören ebenso dazu wie die Drangsale der Besatzung nach dem Ersten Weltkrieg, die Euthanasie im Kalmenhof und die Verfolgung der Juden während des "Dritten Reiches" oder der starke Zuzug von Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Erwähnung verdient, dass in der Stadt 1814 die erste "Teutsche Gesellschaft" nach einem Entwurf von Ernst Moritz Arndt gegründet wurde; das machte die Idsteiner bei den nassauischen Landesherren ebenso verdächtig wie die um 1840 beginnende Turnbewegung, mehrere zeitige Vereinsgründungen oder der "Landeskongress" 1849 in Fortführung des Paulskirchen-Parlamentes: alles das sind Zeichen einer frühen demokratischen Gesinnung in der Stadt.

Die geschichtliche Tradition ist jedoch nur ein Teil des heutigen Wesens der Stadt. Die baulichen Zeugen der großen Vergangenheit sind keine leeren Fassaden; hier herrscht vielmehr ebenso reges Leben wie in den neuen Stadtvierteln rings um den Stadtkern, in den Stadtteilen, in den Gewerbegebieten. Die Bestätigung der Mittelpunktfunktion Idsteins durch die Kommunalreform der 70er Jahre und die damit verbundene politische und wirtschaftliche Stärkung trug und trägt mit dazu bei, dass Idstein trotz der Nähe zur hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden und der Wirtschaftsmetropole Frankfurt als moderne Stadt mit Tradition ein Gemeinwesen eigener Prägung und Bedeutung ist. Im Rahmen der Interkommunalen Zusammenarbeit "Idsteiner Land" mit den Gemeinden Hünstetten, Niedernhausen und Waldems wird eine zukunftsweisende und erfolgreiche Aufgabenerledigung der immer komplexer werdenden kommunalen Tätigkeitsbereiche umgesetzt.