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Geschichtliche Entwicklung der Stadt Diemelstadt

Durch den freiwilligen Zusammenschluss der Stadt Rhoden und der Gemeinde Wrexen ist die Stadt Diemelstadt am 1. November 1970 entstanden. Im gleichen Jahr kamen noch die ehemals selbstständigen Gemeinden Ammenhausen, Dehausen, Helmighausen, Neudorf und Wethen hinzu. 1971 folgten Hesperinghausen und Orpethal.
Der Raum Diemelstadt ist historisches Land. Gelegen an einer uralten Handels-, Verkehrs- und Heerstraße erlebte es die römischen Legionen, die im nahen Teutoburger Wald von Hermann dem Cherusker geschlagen wurden. Als Grenzland zwischen Franken und Sachsen, zwischen evangelischen und katholischen Christen und zwischen Hessen und Westfalen war der Raum ständigen kriegerischen Auseinandersetzungen ausgesetzt. Hier machten die Raubritter blutige Visiten, 30- und 7-jähriger Krieg tobten an den Ufern von Diemel und Orpe. Zahlreiche zwischenzeitlich aufgegebene Hammerwerke und Mühlen sowie die noch überall sichtbaren Kohlplatten (Kohlenmeilerei) in den Buchenwäldern lassen neben der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung einen Schluss auf die ehemaligen Erwerbsquellen dieses Landes zu. Die handwerklichen Zünfte blühten und von der regen Bautätigkeit dieser Zeit zeugen heute noch zahlreiche Fachwerkhäuser, von denen noch eine größere Zahl insbesondere im Stadtkern von Rhoden sowie vereinzelt in den Stadtteilen erhalten ist.

Ammenhausen
wird bereits 1243 im Zusammenhang mit einer Abgabe (Zehnte) an das Kloster Hardehausen erwähnt. Ammenhausen liegt in einer fruchtbaren Senke zwischen den Waldteilen "Stock" und "Eichholz", die schon sehr früh in verschiedenster Form besiedelt wurde, worauf zahlreiche Funde, wie z.B. die keltischen Hügelgräber im Waldgebiet "Im Stock" hinweisen. Teilweise sehr gut erhaltene landwirtschaftliche Haupt- und Nebenbetriebe, im niedersächsischen Stil erbaut, prägen noch heute das Ortsbild.

Dehausen
gehört nachweislich zu den ältesten Ortschaften der Diemelstadt. Zu Beginn des 10. Jahrhunderts wird es im Güterregister des Klosters Corvey genannt, das auch im hiesigen Raum zahlreiche Besitzungen hatte. Mit seiner noch fast geschlossenen bäuerlichen Gebäudesubstanz, seiner räumlichen Gliederung in Form eines Haufen-Dorfes ist Dehausen eine fast noch unverfälschte ländliche Ortschaft, die Nutzen, Wohlstand und Reiz unter einem Dach beherbergt.

Helmighausen
liegt im westlichen Teil der Diemelstadt, der als das "Rote Land" bekannt ist. Der Name deutet auf die Farbe des schwer zu bearbeitenden roten Bodens hin, der durch Verwitterung aus den Tonschichten des unteren Buntsandsteins entstanden ist. Das Ortsbild wird geprägt von schönen und gut erhaltenen Fachwerkhäusern. Sehenswert sind auch die um 1300 erbaute Kirche sowie die ehemalige Wasserburg. 1976 wurde Helmighausen Landessieger im Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden".

Hesperinghausen
liegt ebenfalls im "Roten Land". In Hesperinghausen siedelten sich vor allem im 18. Jahrhundert viele Bergleute an, die in den Kupfergruben zu Stadtberge (heute Marsberg) und an der "Kunst" (bei Westheim) Arbeit suchten. In Marsberg fanden noch bis 1945 Waldecker Bergleute ihr Einkommen. Nach 1945 trat ein größerer Strukturwandel ein. Durch die Mechanisieung in der Landwirtschaft wurden viele Arbeitskräfte frei, die heute in die umliegenden Orte auspendeln oder in den mittelständischen Betrieben in Hesperinghausen beschäftigt sind.

Neudorf
ebenfalls im "Roten Land" gelegen, wird erstmals 1537 als "das nigge Durp vor dem Urehanenberge" genannt. In der Nähe der Bruchmühle bei Neudorf lag die Burg Brobeck, die schon 1189 als Waldecker Burg genannt wurde und die etwa 1550 wüst fiel. Weiter flussabwärts der Orpe, am heutigen Denkelhof, lag das 1036 erwähnte Dorf Denkhausen. Das Ortsbild wird noch heute von Niedersächsischen Bauernhäusern aber auch Häusern in Fränkisch-Sächsischem Mischtyp geprägt.

Orpethal
existiert erst seit 1853. Ursprünglich bestanden dort zwei Hämmer, der Pickhardshammer und der Ottenshammer. In beiden Betrieben wurde Eisen verarbeitet. Nach der Einstellung der Fabrikation siedelten sich um die Hämmer neue Familien an, die schließlich zu einer Ortschaft zusammenwuchsen. Zum Stadtteil Orpethal gehört auch das Gut Billinghausen, das etwa 1 km von der Ortslage entfernt liegt. In der Nähe Billinghausens befand sich eine Zollstation, woran der Name "Zollhaus" für ein Gebäude noch heute erinnert.

Rhoden
wird 978 erstmals als Radi erwähnt, das heutige "Alt-Rhoden", von dessen Existenz nur noch ein altes Gräberfeld und die Ruinen einer romanischen Kirche mit einem Tympanon künden, dessen unbeholfenes grobes Relief noch gut erhalten ist. Ab 1250 siedelten sich seine Bewohner im Schutz der Burg Rhoden an. Mitte des 13. Jh. wird Rhoden urkundlich als Stadt erwähnt. Der Ortskern war früher mit einer Mauer umwehrt. Die Stadtmauer hatte zwei Tore, die gleichzeitig als Pförtnerwohnung und Tagesgefängnis dienten. Außerhalb der Mauer (Neustadt) wurden Bürger angesiedelt. 1645 lässt Fürst Friedrich von Waldeck seine mittelalterliche Burg in Rhoden abreißen und mit dem Neubau eines Schlosses beginnen, welches um 1650 fertig gestellt wurde. Für kurze Zeit wird Rhoden Residenzstadt des Waldecker Fürstenhauses. Wiederholt wurde Rhoden ein Opfer der Flammen. Beim größten Stadtbrand im Jahre 1735 brannten 149 von damals insgesamt 217 vorhandenen Wohnhäusern ab. Auch die evangelische Pfarrkirche wurde nach diesem Brand neu errichtet. Die Stadt Rhoden war bis 1816 Amtsstadt und von 1816 bis 1867 sogar Oberamtsstadt. Besonders sehenswert sind heute neben dem eigentlichen Schloss der zu der Anlage gehörende und der Öffentlichkeit zugängliche Park sowie der ca. 90 Meter tiefe Schlossbrunnen und das sogenannte fürstliche Erbbegräbnis, in dem auch heute noch die verstorbenen Mitglieder des Waldeckischen Fürstenhauses bestattet werden. Der alte Stadtkern wird durch zahlreiche diemelsächsische Fachwerkhäuser geprägt. Heute ist Rhoden der größte Diemelstädter Stadtteil und gleichzeitig Verwaltungssitz der Stadt Diemelstadt. Der traditionelle Viehmarkt, der jedes Jahr am 2. Wochenende im September stattfindet, geht auf eine Marktbewilligung im Jahre 1589 zurück und zählt zu den ältesten Viehmärkten Hessens.

Wethen
wurde erstmals um 850 im Güterregister des Klosters Corvey erwähnt. Nach 980 gehörte Wethen als gesamter Ort zum Kloster Corvey und später zum Bistum Mainz. Dabei kam der Burg und später der Wehrkirche eine bedeutende Stellung als Zufluchtsstätte gegen einfallende Horden aus dem Warburger und Paderborner Raum zu. Besonders sehenswert ist die Kirche mit romanischem Turm aus dem 13. Jahrhundert und der Krypta, ehemals wahrscheinlich Burgkapelle aus dem 11. Jahrhundert, der einzigen dieser Art in Waldeck, außerdem das Rathaus und das ehemalige Zehnthaus. Das Ortsbild Wethens wird seit alters her von der Landwirtschaft geprägt.

Wrexen
wird im Jahre 1141 erstmals urkundlich erwähnt. Das Dorf, entstanden aus den Resten mehrerer untergegangener Ortschaften, ist jedoch wahrscheinlich schon viel älter. Der Ortsname ist heute einmalig in Deutschland. Wrexen liegt im Tal der Diemel und Orpe. Durch die verfügbare Wasserkraft siedelten sich frühzeitig Betriebe an. Bereits im Mittelalter gab es in Wrexen zahlreiche Mühlen, Eisen- und Kupferhämmer. Seit dem 15. Jahrhundert wurden in den Hämmern waldeckische und westfälische Eisenerze verhüttet und weiterverarbeitet. Zeitweise wurde in Wrexen selbst Kupfererz abgebaut. Später siedelten sich Sägewerke sowie, insbesondere Papier- und Pappenfabriken, die die Wirtschaft in der ganzen Region bis heute prägen, in Wrexen an. Seit über 250 Jahren ist die älteste Papiermühle (Hanewegs Papiermühle, heute Firma Sprick), in der noch handgeschöpftes Papier gewonnen wurde, in Betrieb. 1863 entstand auf dem ehemaligen Eisenhammer "Mißgunst" die Pappenfabrik C.D. Haupt, die heute dem Weltkonzern Smurfit-Kappa angehört. Auch der Steinberg bot mit seinen großen Sandsteinbrüchen früher vielen Menschen Arbeit und Brot. In der weiteren Zeit kamen Webereien, sowie metall-, holz- und kunststoffverarbeitende Klein- und Mittelbetriebe hinzu. Die Diemel am nördlichen Ortsrand bildet die Landesgrenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Hessen. Bereits seit je her war Wrexen Grenzland - Grenzland zwischen dem Waldecker Upland und der Warburger Börde. Grenzland zwischen dem ehemaligen Fürstentum Waldeck und Preußen, sowie Grenzland zwischen evangelischem und katholischem Christentum.