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Geschichtliche Entwicklung

Die Stadt Borgholzhausen liegt mit ihrem Kern in einem Pass des Teutoburger Waldes. Dieser Pass teilt das Bruchfaltengebirge, auch Osning genannt, nach Nordwesten hin in den "Osnabrücker Osning" und nach Südosten hin in den "Bielefelder Osning". Im Norden reicht die Stadt ins Ravensberger Hügelland und im Süden ins flache Ostmünsterland. Die ursprüngliche Stadt liegt etwa 120 bis 140 m hoch in einer offenen Senke des Teutoburger Waldes. Unmittelbar westlich erhebt sich der bewaldete Kamm zur Johannisegge und zum Hollandskopf bis zu 306 m über Seehöhe, während im äußeren Süden der Stadt nur 80 m über Seehöhe erreicht werden.

Im Jahr 1996 sind im Bereich Wichlinghauser Weg/Osningstraße Fährtenabdrücke von Eidechsen aus der Trias-Zeit (vor ca. 240 Millionen Jahren) gefunden worden.

Das Gebiet der Stadt Borgholzhausen gliedert sich seit 1969 in 12 Ortsteile:
Barnhausen, Berghausen, Borgholzhausen, Casum, Cleve, Hamlingdorf, Holtfeld, Kleekamp, Oldendorf, Ostbarthausen, Westbarthausen und Wichlinghausen. Der Pass von Borgholzhausen hat als wichtiger Übergang über den Höhenzug des Teutoburger Waldes zur Gründung der Stadt entscheidend beigetragen. Als Borgholzhausen zum ersten Mal in den Chroniken erwähnt wurde, war es schon über 2500 Jahre alt. Um das Jahr 1100 ist Borgholzhausen zum Gerichtsort geworden. Urnenfriedhöfe aus der jüngeren Bronzezeit sind in den Ortsteilen Oldendorf, Casum und im Quertal von Borgholzhausen nachgewiesen und lassen auf eine, wenn auch dünne, Besiedlung seit etwa 1500 v. Chr. schließen. Seit 1069 wird es "Holthus" genannt. Wegen der Nähe zur Burg Ravensberg, deren Erbauer Graf Hermann II. von Calvelage war, entstand 1317 die Ortsbezeichnung "Borgholthusen". Im gleichen Jahr wird es erstmals als "oppidum" bezeichnet. 1488 wird es neben "Werther" und "Halle" als Wibbold oder Wicbold der Grafschaft Ravensberg aufgeführt. Es handelt sich dabei um eine stadtähnliche Siedlung mit dem Recht, einen Vorsteher zu wählen und bestimmte Gewerbe zu betreiben, was auf dem Lande verboten war. Im Jahre 1719 wird Borgholzhausen durch Kommerzedikt von Friedrich Wilhelm I. zusammen mit anderen ravensbergischen Flecken zur Stadt erhoben.

1669 wird in Borgholzhausen eine Leinenlegge als staatliche Schau- und Prüfanstalt angelegt. Leinenspinnerei und -weberei wird im 17. und 18. Jahrhundert ein wichtiger Erwerbszweig. Am Ende des 18. Jahrhunderts blüht auch der Leinenhandel auf. Pack- und Segeltuchleinen werden vielfach über Elberfeld ins Rheinland, nach Holland und über Bremen nach England geliefert. Mit der Konkurrenz des maschinellen Spinnens und Webens in England nach 1820 konnten jedoch die hiesigen Heimarbeiter nicht Schritt halten. Die Leinenspinnerei und -weberei ging im ganzen Ravensberger Land zurück.

Um 1740 siedelten sich Honigkuchenbäcker aus dem benachbarten Dissen in Borgholzhausen an. 1827, 1830 und 1861 wurden Lebkuchenfabriken gegründet, wodurch Borgholzhausen zur sprichwörtlichen "Honigkuchenstadt" wurde. Nach 1873 kamen mehrere Fleischwarenfabriken hinzu. Um 1880 entstand in Borgholzhausen die erste Molkerei mit Dampfkraft Westfalens. Aus dem im 17. Jahrhundert angelegten Salzwerk "Barthausen" ist 1909 das "Solbad Ravensberg" geworden. Bis 2014 wurde dort Mineralwasser fabrikmäßig hergestellt und vertrieben.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war die wirtschaftliche Entwicklung im Bereich der heutigen Stadt Borgholzhausen in erster Linie auf die Landwirtschaft beschränkt. Auch wenn sich insbesondere im Bereich des heutigen Ortsteils Borgholzhausen geringe Ansätze von mittleren und kleinen Gewerbebetrieben abzeichneten, so wurde in der alten Stadt Borgholzhausen von den Gewerbetreibenden nebenbei noch Ackerbau und Viehzucht betrieben, da sie von ihrem Gewerbe allein nicht leben konnten. In den übrigen Ortsteilen der Stadt Borgholzhausen war überwiegend die Landwirtschaft Haupterwerbszweig. In der heutigen Zeit haben Land- und Forstwirtschaft immer noch einen beachtlichen Anteil am Wirtschaftsleben der Stadt. Rund 65 % der Gesamtfläche werden landwirtschaftlich genutzt. Dabei ist die Gesamtzahl der landwirtschaftlichen Betriebe weiterhin rückläufig. Während der Anteil der Großbetriebe (über 30 ha) konstant geblieben ist, hat die Zahl der Betriebe unter 30 ha auch in den letzten 20 Jahren kontinuierlich abgenommen. Der Anteil der Kleinbetriebe unter 5 ha beträgt heute noch rd. 30 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche in den jeweiligen Ortsteilen. Ein Großteil dieser Kleinbetriebe wird als Nebenerwerb bewirtschaftet.

Die Industrie war seit 1945 maßgeblich an der Entwicklung im Bereich der heutigen Stadt Borgholzhausen beteiligt. Diese Entwicklung entsprang jedoch nicht nur aus den bereits bestehenden ortsansässigen Gewerbe- und Industriezweigen in der Kernstadt, sondern aus mehreren neugegründeten Werken, insbesondere im Süden des Ortsteils Borgholzhausen. Heute gibt es in den Gewerbegebieten "Hof Schütte", "Am Bahnhof",
"In der Lake" und "Kernstadt" metallverarbeitende Betriebe ebenso wie Lagerlogistik, Verpackungs-, Chemie- und Maschinenbaufirmen.

Die Städte Borgholzhausen und Versmold arbeiten interkommunal zusammen. Gemeinsam haben die beiden Kommunen das Gewerbe- und Industriegebiet Borgholzhausen/Versmold unmittelbar an der Autobahn A33 entwickelt. Im 1. Bauabschnitt des Interkommunalen Gewerbegebietes Borgholzhausen/Versmold (IBV) hat sich mit der Firma Kraftverkehr Nagel ein in Europa führender Anbieter für Lebensmittellogistik angesiedelt. Aufgrund der verkehrsgünstigen Lage sind Gewerbeflächen an der A 33 stark nachgefragt, so dass ein 2. Bauabschnitt entwickelt wurde.
(Weitere Informationen erhalten Sie im Internet unter:
www.borgholzhausen.de sowie unter
www.germansite.de/GermanSite/main.faces)

Für Wanderer bietet die landschaftlich reizvolle Umgebung der Stadt Borgholzhausen viele Möglichkeiten. Aufgrund der waldreichen Umgebung ist ein Netz von Wander- und Radwanderwegen vorhanden, die der Naherholung aus den Einzugsbereichen der Städte Bielefeld, Osnabrück und Münster dienen. Hervorzuheben sind insbesondere der Hermannsweg und der Weg für Genießer - 5 Sinne erleben am Teutoburger Wald.
Der 156 km lange Hermannsweg gilt als einer der schönsten Höhenwege Deutschlands und verläuft von Rheine bis Velmerstot bei Horn-Bad Meinberg auch durch Borgholzhausen.
Weitere Informationen erhalten Sie unter www.hermannshoehen.de.

Auf dem "Weg für Genießer" entdecken Sie Ihre fünf Sinne. Der 95 km lange Wanderweg führt Sie entlang des Teutoburger Waldes durch insgesamt fünf Orte. Jeder Ort steht dabei für einen der Sinne. Fühlen, riechen, schmecken, hören und sehen - viele Überraschungen warten am Wegesrand darauf, entdeckt zu werden.
Weitere Informationen erhalten Sie unter www.geniesserweg.de.

Seit dem Jahr 2000 führt die Teuto-Senne-Bahn-Rad-Route von Osnabrück nach Paderborn mit zwei alternativen Routen durch das Gebiet der Stadt Borgholzhausen. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.bahnradrouten.de.

Die Grenzgängerroute Teuto-Ems verbindet auf 152 Kilometern das Beste, was Osnabrücker Land, Ostwestfalen-Lippe und Münsterland zu bieten haben. Auf flacher Strecke radeln Sie auf Schmugglerpfaden durch zwölf Städte und Gemeinden.
Weitere Infos erhalten Sei unter www.grenzgaengerroute.de. Für den direkten Kontakt steht Ihnen das Projektbüro Grenzgängerroute Teuto-Ems, Tourismusverband Osnabrücker Land e.V., Krahnstraße 52/53, 49074 Osnabrück unter der Telefon-Nr.: 0541 9511195 zur Verfügung.

Verkehrsmäßig ist der Raum Borgholzhausen durch die A 33 aus Richtung Osnabrück, die B 68 (Osnabrück-Bielefeld), die B 476 (Warendorf-Versmold-Borgholzhausen), die Landstraße 785 (Bielefeld-Borgholzhausen) und die nach Niedersachsen, in den Raum Melle führende Landstraße 647 erschlossen. Weiter führt eine modernisierte Bahnlinie, genannt "Haller Willem" (Osnabrück-Bielefeld) durch den Südbereich von Borgholzhausen. Omnibusverbindungen bestehen nach Werther-Bielefeld, Bad Rothenfelde-Münster, nach Halle (Westf.) und nach Versmold.

Die Stadt Borgholzhausen verfügt über einen Grundschulverbund mit einem Hauptstandort an der Osningstraße 10 und einem Teilstandort, Am Ravensberg 55 sowie über eine dreizügige Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe im Stadtkern. Andere weiterführende Schulen sind in Halle (Westf.), Versmold und Werther vorhanden. Es gibt im Ort eine Diakoniestation mit drei Gemeindeschwestern, drei Kindergärten, die von der evangelischen Kirchengemeinde und von der Arbeiterwohlfahrt getragen werden sowie einen Betriebskindergarten der Nagel-Group. Für Gruppen und Vereine steht das im Jahre 1989 entstandene Bürgerhaus zur Verfügung. Dort befindet sich ebenso seit dem Jahr 2005 das Kreisfamilienzentrum. Familien finden hier einen Ort der Begegnung, Beratung, Begleitung, Unterstützung, Bildung. Offene Elterntreffs, Krabbelgruppen und offene Frühstückscafés für Familien und Senioren bieten hier eine gute Möglichkeit, Kontakte zu anderen zur gegenseitigen Unterstützung sowie Kontakte zu den verschiedenen Anbietern des Kreisfamilienzentrums zu knüpfen. Selbsthilfegruppen sowie von Eltern organisierte Gruppen zur Kinderbetreuung sind durch den Austausch innerhalb dieser Treffs im Kreisfamilienzentrum entstanden. Viele ehrenamtliche Helfer ermöglichen dem Kreisfamilienzentrum einen Seniorenbesuchsdienst, Krabbelgruppen, Hausaufgabenhilfe, Kinderbetreuung für unter Dreijährige, offene Treffs, das Frühstück für Menschen ab 60, Elterncafés, eine Kleiderstube für Erwachsene, 2. Style für Kinder und Jugendliche sowie die Gütersloher Tafel.
Weitere Informationen erhalten Sie im Internet unter www.fz-borgholzhausen.de.

In Borgholzhausen praktizieren drei Allgemeinmediziner und drei Zahnärzte. Zwei Apotheken befinden sich im Ort. Im Jahre 1987 hat das Deutsche Rote Kreuz in Borgholzhausen ein Altenpflegeheim mit 80 Plätzen in Betrieb genommen. In den nächsten Jahren ist eine Erweiterung des Seniorenzentrums geplant.

Sehenswert ist die einschiffige evangelische Kirche im Ortskern von Borgholzhausen. Wie Ausgrabungsarbeiten Ende 1975 ergeben haben, stammt der ursprüngliche Kirchbau, ein Holzfachwerkbau, nach den vorliegenden Erkenntnissen aus dem 8./9. Jahrhundert (karolingische Zeit). Der Bau der heutigen Kirche wurde 1292 begonnen, 1541 erfolgte ein Umbau im spätgotischen Stil. Der Steinaltar aus dem Jahr 1501 stellt im Mittelstück die Leidensgeschichte des Herrn dar. In 2009/2010 wurde die Außenfassade der evangelischen Kirche grundlegend saniert.

Die katholische Kirche wurde in den Jahren 1956/1957 erbaut und 1970/1971 erweitert. Sehenswert ist außer der evangelischen Kirche und den alten Ackerbürgerhäusern, die im Süden des Ortes auf einer Kuppe des Teutoburger Waldes gelegene Burg Ravensberg. Sie wurde bereits im Jahre 851 erwähnt und war Stammsitz der Grafen von Calvelage, die sich später "von Ravensberg" nannten. Das im Ortsteil Holtfeld gelegene Renaissanceschloss Holtfeld wurde im 16./17. Jahrhundert erbaut. Im Osten der Stadt, im Ortsteil Barnhausen, ist das Wasserschloss "Haus Brincke" gelegen. Es handelt sich hier ebenfalls um ein Renaissanceschloss aus dem 13. Jahrhundert, das im 16./17. Jahrhundert renoviert und erweitert wurde. Die am Schloss befindliche Privatkapelle des Hauses Brincke wurde 1898 im spätrömisch/frühgotischen Stil erbaut. Sie wird auch heute noch von der Eigentümerfamilie des Hauses Brincke als Privatkapelle genutzt. Im Ort selbst sind noch eine Reihe schöner Fachwerkhäuser erhalten, wie z. B. das Haus Welpinghus in der Kirchstraße, das Haus Krüger in der Tanfanastraße, das Bleichhäuschen am Haller Weg, das Haus Rosendahl in der Gartenstraße sowie das Kultur- und Heimathaus in der Freistraße.

Seit 1990 unterhält Borgholzhausen eine Städtepartnerschaft zum sächsischen Lößnitz im Erzgebirge. Im Rahmen der Feierlichkeiten aus Anlass der 275-jährigen Wiederkehr der Stadtrechtsverleihung kam 1994 die Partnerschaft mit New Haven in Missouri (USA) hinzu. Diese Verbindung entstand, weil viele Borgholzhauser im 19. Jahrhundert nach dorthin auswanderten. Seit 2013 besteht eine Städtefreundschaft mit Naukseni (Lettland).

Literatur:
Stadt Borgholzhausen (Hg.),
Borgholzhausen historisch.

Festschrift aus Anlass der 275-jährigen Stadtrechtsverleihung, Borgholzhausen 1994

Rolf Westheider, Bilder vom Leben in Borgholzhausen, Erfurt 1999