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Geschichte

Bad Wildungen

Das Wappen Bad Wildungens zeigt den achtstrahligen Waldecker Stern in gelber Farbe auf schwarzem Untergrund. Es ist somit eine farbliche Umkehrung des Stammwappens der Waldecker Grafen, das in den Farben schwarz auf gelbem Untergrund im 13. Jh. entstanden war. Der Stern im Wappen geht auf die älteren Grafengeschlechter der Gozmaringe und Ziegenhainer zurück. Über die Bedeutung des Symbols gibt es nur Vermutungen.

"Villa vildungen": Um 800 n. Chr. taucht unsere heutige Stadt Bad Wildungen erstmals als kleines Dörfchen in den schriftlichen Quellen auf. Bodenfunde beweisen allerdings, dass die Besiedelung von Teilen des Stadtgebietes mindestens bis in die Steinzeit zurückreicht.
1242 ist das Jahr der Stadtgründung; noch durch den Landgrafen von Thüringen geschehen, geht die Stadt schon bald in Waldecker Besitz über. Die neue Stadt entstand aus einem Zusammenschluss mehrerer Dörfer und Weiler, unter ihnen auch das Dörfchen Wildungen. Auf dem der Stadt gegenüberliegenden Hügel befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits eine Burg, die zusammen mit ebenfalls befestigten Burgmannenhöfen den Kern der späteren Stadt Alt-Wildungen bildete. Dieses Nebeneinander zweier Städte wurde erst im Jahre 1940 durch die Eingemeindung Alt-Wildungens beendet.

1378 In der Geschichte Wildungens ein ganz besonderes Datum. Die neue Stadt hatte sich trotz der Pest im 14. Jahrhundert rasch entwickelt; die Neubauten von Rathaus und Kirche bewiesen es. Das Altarbild des Conrad von Soest bildet in der Stadtkirche sogar einen Höhepunkt mittelalterlicher Malerei. Handwerker ließen sich nieder; und einer von ihnen, Hermann Smensky, nutzte seine Fähigkeiten in besonderer Weise. Er leitete das Wasser einer reich sprudelnden Quelle (der heutigen Georg-Viktor-Quelle im Kurpark) mittels einer hölzernen Leitung über 1,5 km bis in den Bereich der Stadt. Diese technisch hervorragende Leistung verbesserte zum einen die Wasserversorgung der Wildunger; wichtiger aber noch aus heutiger Sicht ist die Tatsache, dass man nun Wasser besonderer Zusammensetzung im Alltag benutzte. Ganz allmählich sammelten sich nun Beobachtungen über die Wirkung des Wassers an, diese verdichteten sich über Generationen zu klarem Wissen, schlugen sich schließlich in folgender "wissenschaftlicher" Aussage nieder: "dass kein in der stadt geporener mit dem blasenstein befallen sei".

Die Neuzeit bringt aber schon Aufmerksamkeit für die außerhalb der Mauern gelegenen Quellen. Noch bevor der nüchterne Geist der Reformation die Menschen Wildungens erreichte, waren die ersten "Kurgäste" angereist. Immer stärker verbanden sich nun die Geschicke der Stadt mit der Entwicklung des Badebetriebes. Dennoch wirklich bestimmend für die bauliche und wirtschaftliche Entwicklung des Ortes wurden die Heilquellen erst in den beiden letzten Jahrhunderten. So erklärt sich auch die doch starke optische Trennung zwischen Kurviertel und Altstadt.

1635 war ein Unglücksjahr für die Stadt. Kaiserlich-katholische Truppen plünderten und mordeten gnadenlos unter den Wildunger Bewohnern. Wenige Jahre später verheerten protestantische Schweden die ganze Gegend. Der Dreißigjährige Krieg führte zu einer Auflösung vieler Werte, auch zur Suche nach Schuldigen am täglichen Grauen. Und wie immer schrieb man den unterprivilegierten Wehrlosen die ganze Schuld zu; hier in Wildungen denunzierte man fast 70 Menschen, vor allem Frauen, als Hexen.

Schon im 16. Jahrhundert erschien die erste Brunnenschrift über Anwendung und Wirkung der Quellen. Heute existiert hier am Ort ein Institut, das ganz gezielt in dieser Richtung forscht. Vom Mittelalter bis an die Schwelle unseres Jahrhunderts war Wildungen eine Ackerbürgerstadt, d.h. alle Einwohner, auch die in Zünften organisierten Handwerker oder die ortsansässigen Händler betrieben nebenbei Landwirtschaft. Dies prägte das gesamte Leben innerhalb der Stadtmauern. Erst im 19. Jahrhundert wurde das Areal, das diese begrenzten, zu klein für die Einwohnerschaft.

Im 18. Jahrhundert nahm die Kur einen gewissen Aufschwung. Der erste Kursaal wurde am Sauerbrunnen gebaut. Ein strenges Edikt musste allerdings den vorwiegend adeligen Gästen Verhaltensmaßregeln anmahnen, die beweisen, dass gewisse Freizügigkeiten, die man gemeinhin der Kuratmosphäre zuschreibt, schon damals Usus waren.

1884 erhielt Wildungen einen Anschluss an das Bahnnetz der Reichsbahn (Frankfurt-Hannover). Nun machte das bisher doch eher verschlafene Provinznest eine rasante Entwicklung durch. Vor dem Hintergrund einer sich industrialisierenden Wirtschaft, eines politisch geeinten Deutschen Reiches und einer bürgerlichen Gesellschaftsschicht, die sich wenigstens in ihrem äußeren Gebaren zu emanzipieren versucht, steigt die Zahl der Kurgäste bis zum 1. Weltkrieg auf ca. 15.000 im Jahr. Leicht erkennbar ist die Bedeutung dieser Jahre für (ab 1906) Bad Wildungen an der regen Bautätigkeit. Repräsentative Gebäude wie der Fürstenhof, das Badehotel oder der Kaiserhof entstanden in dieser Zeit. Die beiden Weltkriege berührten Bad Wildungen nur mittelbar. Die Hotel- und Klinikbauten wurden als Lazarette genutzt. Ab 1945 dienten sie den Amerikanern als Unterkünfte für Ihre Besatzungstruppen. Die Nationalsozialisten planten zeitweise, das Luftwaffenhauptquartier in der Stadt zu stationieren; zahlreiche Bunkerbauten sind davon erhalten geblieben, ein dauerndes und mahnendes Zeichen, die Zeit der Unmenschlichkeit nicht zu verdrängen, sondern aufzuarbeiten.

Ab 1945 prägt der Kurbetrieb mehr denn je das Leben und das Gesicht der Stadt. Die politische Strukturveränderung in 1972 schuf ein Gebilde aus Kurort und ländlichen Gemeinden, das längst zusammengewachsen ist. Die ländlichen Stadtteile ergänzen die Stadt auf sinnvolle Weise durch eine von der herrlichen Natur geprägten Landschaft.

Mit mehr als 110.000 Gästen und 1,4 Millionen Übernachtungen jährlich zählt unsere Stadt zu den bedeutendsten Heilbädern Deutschlands. Dazu waren immer wieder Strukturveränderungen notwendig. So hat die Stadt Bad Wildungen in den letzten Jahren die beiden früheren Kurbetriebe (Hessisches Staatsbad und Bad Reinhardsquelle GmbH) selbst übernommen und zusammengeführt. So präsentiert sich Bad Wildungen einerseits als ein großer Gesundheitsstandort mit Tradition und andererseits als eine moderne Wohlfühlstadt, deren Angebote durch den nahe gelegenen Nationalpark Kellerwald-Edersee sinnvoll ergänzt werden.

Moderne Therapieformen, Tagungen, Kongresse, eine ausgezeichnete Hotellerie und Gastronomie, ein reges Vereinsleben um vielfältige Kultur- und Unterhaltungsangebote prägen das einzigartige Flair dieser Stadt. In 2006 war unsere Stadt Ausrichter der 3. Hessischen Landesgartenschau. Das meisterhaft gestaltete Gelände hat eindrucksvolle bleibende Akzente gesetzt und wird auch in Zukunft Gäste und Einheimische als außergewöhnliche Erlebniswelt anlocken und begeistern.

Seit 2011 hat Bad Wildungen sein Gesicht verändert - es geht rund! Es sind mehrere Kreisel entstanden und der Einbahnstraßenverkehr auf dem Stadtring gehört seit Mitte des Jahres 2012 endgültig zur Vergangenheit. Weiter ist im Rahmen der umfangreichen Umbaumaßnahmen ein markantes Verbindungsstück zwischen der Altstadt und dem Kurviertel, das so genannte "Scharnier" entstanden.