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Geschichte

Eine alte Salzstadt an der Werra

Bad Salzungen verdankt seinen Namen dem Salz, das über Jahrhunderte aus den hier entspringenden salzhaltigen Quellen gewonnen wurde. Lange vor der ersten urkundlichen Erwähnung siedeln an der Werra keltische Stämme, denen Holz, Eisenerzvorkommen und die Solequellen ideale Existenzbedingungen bieten. In einer Schenkungsurkunde an das Kloster Hersfeld wird der Ort erstmals 775 als "villa salzunga" erwähnt, darin auch ein Hinweis auf bereits bestehende Anlagen zur Salzgewinnung. Die Henneberger Grafen bestätigen 1462 für die Salzunger Saline das erste ausführliche landesherrschaftliche Pfännereiprivileg. Die Pfänner besitzen Rechte an den Solequellen und Siedehäusern, in denen sie Salzwirker, Siedeknechte, Zuträger und Borngießer beschäftigen. In den großen Siedepfannen wird die schwachprozentige Sole verkocht. Von 100 Litern Sole verdunsten über dem Feuer 95 Liter Wasseranteil für einen Ertrag von ca. 5 kg Salz. Diese Arbeit ist sehr aufwändig und im Laufe der Zeit bringen weder die Flößer auf der Werra noch die vielen Fuhrwerke die nötigen Holzmengen herbei. Im Jahr 1590 werden erste Gradierwerke gebaut, um die Sole hochprozentiger zu machen und bei der Salzgewinnung Holz einzusparen. Die bis zu 400m langen Gradierwände sind mit Stroh und später mit Dornreisig gefüllt. Über sie tropft die Sole. Sonne und Wind sorgen für Verdunstung des Wasseranteils. Die unter den Gradierwänden aufgefangene Sole ist "höhergrädig." Beidseits der Werra werden über 24 solcher Gradierwerke errichtet. Der Salinenbetrieb lässt die Stadt aufblühen und zu Wohlstand kommen.

Zu Beginn des 30-jährigen Krieges zählt der Ort 524 Wohnhäuser und 2160 Einwohner, am Ende des Krieges liegen ein Drittel der Wohnstätten wüst und leer. Plünderungen, Seuchen und Brandschatzungen werfen die Stadt in ihrer Entwicklung zurück. 1681 fällt Salzungen an das neugegründete Herzogtum Sachsen-Meiningen.

Als mit Beginn des 19. Jahrhunderts viele Salinen in Deutschland die Heilwirkung der Sole entdecken, errichten auch die Salzunger Pfänner ein Badehaus, um Solebäder zu ermöglichen. Bei Erkrankungen der Atemwege empfiehlt der Stadtphysikus Dr. Johann Caspar Bein Spaziergänge entlang der Gradierwände. Der feine Solenebel, der sich hier bildet, hat heilende Wirkung. Nachdem man bei Bohrungen 1842 hochprozentige, gesättigte Sole findet, werden die Gradierhäuser nicht mehr benötigt und nach und nach abgerissen. Nur eine Wand, die erst 1796/97 errichtet worden war, bleibt bestehen. Sie wird bis heute zur Inhalation genutzt.

Nach Eröffnung der Werra-Eisenbahn erhält Salzungen 1858 einen Haltepunkt an der Strecke Eisenach - Coburg. Nun ist Salzungen für die stetig steigende Zahl von Kurgästen leichter zu erreichen. Im Jahr 1910 errichtet die "Aktiengesellschaft Saline und Solbad Salzungen" eine zweite Gradierwand und verbindet beide Wände durch einen Mittelbau im hennebergischen Fachwerkstil. Eine Trinkhalle für Trinkkuren und ein Musikpavillon ergänzen das Ensemble des Gradiergartens, das in dieser Form einmalig in Deutschland ist. Die Freiluftinhalation an den Gradierwänden wird bis heute durch zwei Brunnenhallen ergänzt, in denen die Sole mit Druckluft zerstäubt wird. Im Jahr 1911 verzeichnete Salzungen bereits 5000 Kurgäste. Seit 1923 darf die Stadt den Namen "Bad Salzungen" tragen.

Am Burgsee, eingebettet in Parkanlagen und umgeben von schönen Villen, liegt das Kurhaus. In den Sommermonaten von Mai bis Oktober spielt hier täglich die Kurkapelle und abends finden Kammerkonzerte, Theater und Operettenabende statt. Den Kurgästen werden Tanzunterhaltungen, Illuminationen und Gondelfahrten auf dem See, Gesellschaftsabende, Kinderfeste, Gelegenheit zu Jagd und Fischfang, gemeinschaftliche Waldpartien und Ausflüge geboten.
Bad Salzungen entwickelt sich zum beliebten Badeort. 1939 feiern Einwohner und Gäste die Einweihung eines neuen Kurhauses. Auch nach dem 2. Weltkrieg hält der Zustrom an Kurpatienten ungemindert an. Die Stadt wird zum führenden Kurort für Atemwegserkrankungen in der DDR. Durch eine Verwaltungsreform ist Bad Salzungen seit 1952 Verwaltungssitz des gleichnamigen Landkreises.
Mit der Bildung des Freistaats Thüringen 1990 wird die Stadt Kreisstadt des Landkreises. Neue Kurkliniken, sanierte Bürgerhäuser, gepflegte Straßen und Plätze zeugen von den großen Veränderungen der letzten Jahrzehnte.

Ulrike Rönnecke
Leiterin Museum am Gradierwerk