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5. Finanzielle Hilfen

Ein ausreichendes und gesichertes Einkommen ist die Grundlage für ein menschenwürdiges Leben. Es gibt verschiedene Anlaufstellen, die finanzielle Unterstützung leisten, wenn das Einkommen im Alter nicht für das tägliche Leben ausreicht.

5.1 Gesetzliche Pflegeversicherung

Neben der gesetzlichen Kranken-, Unfall-, Renten- und Arbeitslosenversicherung bildet seit 1995 die Soziale Pflegeversicherung (PV) die "fünfte Säule" der Sozialversicherungen. Sie wurde mit dem Ziel eingeführt, das Risiko der Pflegebedürftigkeit finanziell abzusichern. Zahlungen können Personen in Anspruch nehmen, die durch Krankheit oder Behinderung dauerhaft und in erheblichem Maße auf Hilfe bei den alltäglichen Verrichtungen angewiesen sind. Nach Antrag bei der Krankenkasse stellt ein Gutachter des Medizinischen Dienstes der jeweiligen Pflegeversicherung die Pflegestufe fest. Die Pflegestufe richtet sich nach der Schwere der Beeinträchtigungen und dem Zeitaufwand, den die Pflege in Anspruch nimmt. Die Pflegeversicherung zahlt, je nach Pflegestufe, bei ehrenamtlicher Pflege z. B. durch Angehörige oder übernimmt Kosten bei professioneller Pflege. Die Zahlung erfolgt entweder als Pflegegeld an pflegende Angehörige oder als Sachleistung für professionelle Pflegedienste. Auch die Kosten für Pflegehilfsmittel und die Verbesserung des Wohnumfeldes (z. B. Türverbreiterung, Badezimmerumbau) können übernommen werden.
Die Zuordnung der Pflegestufen wird folgendermaßen definiert:

Pflegestufe 0
In der sogenannten Pflegestufe 0 liegt der tägliche Zeitaufwand für pflegerische Tätigkeiten unter 90 Minuten. Für die Pflegeversicherung besteht daher auch keine Pflegebedürftigkeit. Dennoch können Personen, die zwar ein erhöhtes Maß an Aufsicht und Betreuung benötigen, aber noch nicht die Voraussetzungen für eine Einstufung in die Pflegestufe I erfüllen, einen Anspruch auf einen Betreuungsbetrag bei eingeschränkter Alltagskompetenz haben. Dieser wird in Form einer Pflegebeihilfe als Geldleistung oder in Form von Sachleistungen, z.B. für die Nutzung einer Tagespflege-Einrichtung oder anderer Dienste, gewährt.

Pflegestufe I
Der tägliche Zeitaufwand für die Grundpflege (Körperpflege, Ernährung, persönliche Mobilität) und die hauswirtschaftliche Versorgung muss mindestens 90 Minuten betragen. Auf die Grundpflege müssen dabei mehr als 45 Minuten täglich entfallen. In Pflegestufe I besteht ein Anspruch auf Pflegegeld bei häuslicher Pflege, als Sachleistung bei ambulanter Pflege und bei vollstationärer Pflege.

Pflegestufe II
Der tägliche Zeitaufwand für die Grundpflege und die hauswirtschaftliche Versorgung muss mindestens drei Stunden betragen, davon müssen mindestens zwei Stunden auf die Grundpflege entfallen. Es besteht ein Anspruch auf Pflegegeld bei privater häuslicher Pflege, auf Sachleistung bei ambulanter Pflege und bei vollstationärer Pflege.

Pflegestufe III
Der Hilfebedarf für die Grundpflege und die hauswirtschaftliche Versorgung muss bei mindestens fünf Stunden täglich liegen. Der Anteil an der Grundpflege muss dabei mindestens vier Stunden täglich betragen. Es besteht ein Anspruch auf Pflegegeld bei privater häuslicher Pflege, auf Sachleistung bei ambulanter Pflege und bei vollstationärer Pflege.

Härtefälle
Wenn der Pflegeaufwand das Maß der Pflegestufe 3 weit übersteigt, kann ein so genannter Härtefall vorliegen, z. B. im Endstadium einer Krebserkrankung. In diesem Fall erhöhen sich die Sachleistungen für ambulante Pflege oder vollstationäre Unterbringung.

Wird es reichen? - Wer sichert?
Angesichts von hohen Heimkosten kann die gesetzliche Pflegepflichtversicherung nur eine Grundversorgung sichern. Die Pflegebedürftigen müssen sich deshalb an den Kosten für die Heimunterbringung beteiligen. So muss die Rente dafür mit eingesetzt werden. Reicht diese nicht, ist das gesamte Vermögen bis auf einen Freibetrag zur Deckung der Heimkosten mit einzusetzen, so müsse etwa auch das Haus verkauft oder die Lebensversicherung vorzeitig aufgelöst werden. Reicht es trotzdem nicht, hilft das Sozialamt. Doch dieses prüft, ob es sich das Geld im Wege der Unterhaltszahlung von dem Ehegatten (auch geschiedenen Ehegatten) oder den Kindern der Pflegebedürftigen zurückzuholen kann und nicht selten müssen die volljährigen Kinder dann tief in die Tasche greifen. Eine Möglichkeit, im Alter besser abgesichert zu sein, ist z. B. der möglichst frühzeitige Abschluss einer privaten Pflegeversicherung.

5.2 Grundsicherung im Alter

Die Grundsicherung im Alter (aber auch bei einer Erwerbsminderung) soll den Lebensunterhalt für ältere und dauerhaft voll erwerbsgeminderte Menschen sicherstellen, deren Einkommen und Vermögen nicht ausreicht, um ein menschenwürdiges Leben führen zu können. Die Grundsicherung ist aber keine rentengleiche Leistung und wird auch nicht in Form eines festen Betrages, sondern nach Besonderheit des Einzelfalles als eine Art Aufstockungsleistung zum vorhandenen Einkommen und Vermögen gewährt. Einen Anspruch auf Grundsicherung haben entweder Personen, welche die Regelaltersgrenze erreicht haben oder Personen ab 18 Jahren, die dauerhaft voll erwerbsgemindert sind. Allerdings wird die Regelaltersgrenze von 65 Jahren ab dem Jahr 2012 auch bei der Grundsicherung im Alter wie in der Rentenversicherung schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Für alle, die vor 1947 geboren wurden, ändert sich aber an der Altersgrenze des 65. Lebensjahres bei der Grundsicherung im Alter nichts. Die Grundsicherung wird nur auf Antrag geleistet, wenn die Betroffenen ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben. Anträge auf Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung erhalten Sie in den Bürgerbüros des Landratsamtes Nordsachsen an den Verwaltungsstandorten des Landratsamtes in Delitzsch, Eilenburg, Torgau und Oschatz.

5.3 Wohngeld

Wenn das eigene Einkommen nicht mehr für die Bezahlung der monatlichen Unterkunftskosten ausreicht, kommt Wohngeld zum Einsatz. Es wird als Zuschuss zur Miete für die Sicherung angemessenen und familiengerechten Wohnens nach den Regelungen des Wohngeldgesetzes gewährt. Wohngeld kann sowohl für Mietwohnungen (Mietzuschuss) als auch für Eigenheime/Eigentumswohnungen (Lastenzuschuss) beantragt werden. Auch bei Heimunterbringung ist unter bestimmten Voraussetzungen eine Wohngeldgewährung möglich. Die Höhe richtet sich nach der Zahl der Haushaltsmitglieder, dem anzurechnenden Einkommen und der Miete bzw. Belastung. Leistungen der Pflegekasse werden dabei nicht als Einkommen angerechnet. Freibeträge vom Einkommen können u. a. aufgrund vorliegender Behinderung gewährt werden. Im Gegensatz zur Grundsicherung werden im Wohngeldrecht die Heizkosten und Warmwasserkosten nicht mit berücksichtigt. Anträge auf Wohngeld können in den Bürgerbüros des Landratsamtes Nordsachsen, sowie in fast allen Stadt- und Gemeindeverwaltungen unseres Landkreises gestellt werden. Die Wohngeldbehörde selbst ist für persönliche Vorsprachen an den Standorten Delitzsch, Oschatz und Torgau des Landratsamtes erreichbar. Die Stadtverwaltung Delitzsch hat eine eigenständige für ihr Stadtgebiet zuständige Wohngeldbehörde. Wer Grundsicherung bezieht, hat keinen Anspruch auf Wohngeld, da die Wohnkosten im Rahmen dieser Leistungen schon mit berücksichtigt werden.

5.4 Bestattungskosten

Auch wenn der Tod in der heutigen Gesellschaft immer noch als Tabuthema gilt, ist es ratsam sich über die eigene Bestattung Gedanken zu machen. Eine Vielzahl von Bestattern bietet eine individuelle Beratung mit der Möglichkeit einen Vorsorgevertrag abzuschließen an. Ebenfalls kann die Vorsorge in Form einer Sterbegeldversicherung erfolgen. Für den Fall, dass diese Vorkehrungen finanziell nicht möglich sind und die Hinterbliebenen ebenfalls nicht für die Kosten der Bestattung aufkommen können, besteht die Möglichkeit, dass der örtliche Sozialhilfeträger (Sozialamt des Landkreises Nordsachsen) die erforderlichen Kosten einer einfachen Bestattung übernimmt.