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Landkreis Parchim: Trotz knapper Kassen in Bildung investiert

Öffentlich-private Partnerschaften erweisen sich als zukunftsfähiges Entwicklungsmodell

"Eigentlich braucht jedes Kind drei Dinge. Es braucht Aufgaben, an denen es wachsen kann. Es braucht Vorbilder, an denen es sich orientieren kann und es braucht Gemeinschaften, in denen es sich aufgehoben fühlt." Der Neurobiologe Prof. Dr. Gerald Hüter formulierte diese Gedanken, die Leitbild am Eldenburg-Gymnasium in Lübz sind. Das aufs Modernste ausgestattete Gymnasium ist eine Vorzeigeschule im Landkreis Parchim. Seit dem Schuljahr 2008/09 stehen den derzeit 353 Schülerinnen und Schülern der Klassenstufen 7 bis 12 modernste Bedingungen zur Verfügung. Das Eldenburg-Gymnasium wurde auf Initiative des Landkreises Parchim komplett neu errichtet. Bibliothek mit Lesesaal, Internetzugang in jedem Klassenzimmer, spezielle Arbeitsräume für die Pädagogen, Internetcafé, Caféteria und Lehrküche, attraktive Sportstättennutzung und ein Schulgarten sind nur einige Beispiele, die für Unterricht und Freizeitgestaltung beste Grundlagen bieten.

Um dieses Haus müsse man sich keine Sorgen machen, sagt Günter Matschoß, 1. Stellvertreter des Landrates. Aus gutem Grund: Das Eldenburg-Gymnasium wurde auf Basis einer öffentlich-privaten Partnerschaft (besser bekannt als so genanntes PPP-Modell) errichtet. "Wir hatten bei der Sanierung der ehemaligen Dragoner-Kaserne, seit 1998 Sitz der Kreisverwaltung Parchim, sehr gute Erfahrungen mit dieser alternativen Finanzierungsform gemacht. So wurde eine vergleichbare Vorgehensweise auch für das Lübzer Gymnasium erwogen", sagt Matschoß. Er ist überzeugt davon, dass PPP-Modelle für die öffentliche Hand nicht nur mit Blick auf immer knapper werdende Finanzausstattungen zukunftsfähig sind. Die Erfahrungen aus der Region bringt der Vize-Landrat in Gremien ein, die mit Förderung des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung im Rahmen einer PPP-Schulstudie bundesweite Leitfäden konzipieren, Varianten entwickeln, wirtschaftliche Finanzierungen erarbeiten und fertige Projekte im Betrieb evaluieren.

Für den Standort Lübz musste eine schnelle und bei Kosten in Höhe von acht Millionen Euro vor allem kostensichere Lösung her. "Ich durfte den Bau der Gymnasien in Crivitz und Sternberg sowie die Sanierung des Parchimer Gymnasiums begleiten. Dabei gab es durchaus einige Schwierigkeiten", erinnert sich Matschoß. Kalkulationen wurden nicht eingehalten, bauliche Vorgaben standen plötzlich zur Disposition, es gab eine Menge Diskussionen und auch erhebliche Folgekosten. Beim PPP-Modell sei das anders, erklärt der Verwaltungs-Vize am Lübzer Modell. "Planung, Bau und Finanzierung liegen in einer Hand. Die Risiken für den Landkreis minimieren sich." Festpreis, Einhaltung der Bauzeit, Absicherung gegen den Ausfall von Bauunternehmen, Mitspracherecht bei der Gestaltung, Zahlung erst nach Übernahme, lange Laufzeiten - Günter Matschoß zählt gern die Vorteile auf, die privat finanzierte Investitionen für Kommunen bringen können.

Das Unternehmen MBN Georgsmarienhütte bekam in der Turmstadt den Zuschlag für den Bau des neuen Schulhauses und stellte es vorzeitig fertig. "Das setzt natürlich auf beiden Seiten viel Disziplin und wirkliche Partnerschaft voraus", blickt Matschoß zurück. Als Partner beim Bau ihrer Schule durften sich auch die Gymnasiasten einbringen - beispielsweise beim Farbkonzept, der Lampenauswahl oder der Zuordnung der Räume. "Man kann sich vorstellen, wie diese Einbeziehung die Vorfreude auf Seiten der Schülerschaft erhöht hat", erinnert sich Matschoß. Auch die Bewirtschaftung des 2008 fertiggestellten Gebäudes wurde dem Investor auf die Dauer von 20 Jahren übertragen. Und daraus resultieren weitere Vorteile: Das fange bei der Auswahl von Materialien mit deutlich höherer Lebensdauer an und reiche bis zum Rund-um-Service bei der Instandhaltung des Schulhauses, erläutert Matschoß. "Bei jährlichen Begehungen kontrollieren wir gemeinsam den Gebäudezustand und legen fest, was zu tun ist." Im Jahr 2028 wird der Landkreis dann das Eldenburg-Gymnasium übernehmen. In einem guten Zustand, ist sich Günter Matschoß sicher.

In gutem Zustand befinden sich auch die anderen Bildungseinrichtungen des Landkreises. Nicht zuletzt konnte dank der Konjunkturförderung des Bundes in den Jahren 2009 und 2010 so manches Vorhaben umgesetzt werden. Für das Leben lernen - das ist für Kinder kreisweit an 42 Schulen möglich, die allesamt gute Voraussetzungen für den bestmöglichen Abschluss bieten. Neben gemeindlichen und privaten Trägern sorgt der Landkreis Parchim für die gymnasiale Ausbildung an vier Standorten. An drei Orten werden Kindern bei der individuellen Lebensbewältigung besonders gefördert. Zusätzliche Offerten bieten die Kreisvolkshochschule und die Kreismusikschule an. Und auch die Berufsausbildung wurde forciert: An der Beruflichen Schule des Landkreises bekommen junge Menschen ihr theoretisches Rüstzeug in den Bereichen Wirtschaft und Verwaltung, Raum und Farbe sowie Ernährung und Hauswirtschaft.

Günter Matschoß,
Jahrgang 1954,
1. Stellvertreter des Landrates im Landkreis Parchim,
von 1990 bis 2008 Amtsleiter für Hoch- und Tiefbau