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Landkreis Parchim: Gesundheit und Fürsorge in beste Hände gegeben

Hervorragend und flächendeckend:
Medizinische Betreuung muss auch künftig
für alle Bürgerinnen und Bürger gesichert werden


"Gesundheit ist weniger ein Zustand als eine Haltung, und sie gedeiht mit der Freude am Leben." Diese Weisheit prägte der italienische Theologe Thomas von Aquin schon im 13. Jahrhundert. Lebensfreude war und ist eine besondere Form der Vorsorge für Gesundheit und Wohlbefinden. Doch nicht immer kann man darauf vertrauen, ohne Arzt auszukommen. "Es tut gut zu wissen, dass in unserer Region eine exzellente und flächendeckende medizinische Versorgung gewährleistet ist", sagt Dr. Fritz-Detlev Witte. Fast zwei Jahrzehnte zeichnete der Parchimer als Amtsarzt im Gesundheitsamt der Kreisverwaltung verantwortlich für die notwendige Umstrukturierung im Gesundheitswesen - im öffentlichen Gesundheitsdienst ebenso wie in der ambulanten und stationären Betreuung kranker und hilfebedürftiger Menschen.

Polikliniken, Kreiskrankenhäuser, manch engagiertes Hilfsangebot - das einst staatliche Gesundheitswesen musste sich in den 90er-Jahren in neue Strukturen einfügen. Das war eine der ganz großen Herausforderungen, erinnert sich Fritz-Detlev Witte. "Immer mehr Ärzte ließen sich nieder und eröffneten neue Praxen. Ich habe mir seinerzeit oft gewünscht, dass es gelingen möge, beispielsweise die Poliklinik am Parchimer Buchholz in ein zeitgemäßes Ärztehaus umzuwandeln. Das ist leider nicht gelungen. Ich sehe aber mit Freude, dass Ärzte inzwischen die Nähe zu Krankenhäusern suchen. Eine fachliche Verzahnung bringt viele Vorteile für Patienten und ein großes Potenzial für eine gute medizinische Versorgung mit sich." Die hatten Dr. Witte und seine Mitarbeiter auch im Blick, als es um den Erhalt der Kreiskrankenhäuser in Parchim, Lübz und Crivitz ging. Der Landkreis als Träger konnte den immensen Sanierungsbedarf jedoch nicht leisten. "Es waren gewaltige materielle Veränderungen notwendig. Die stationäre Versorgung erfolgte teilweise in externen Gebäuden", weiß Witte noch sehr genau. Es lag auf der Hand, dass nur moderne medizinische Versorgungszentren sich als wirtschaftlich tragbar und somit zukunftsfähig erweisen würden. Eine gewaltige Zäsur zeichnete sich ab. Ängste um den Fortbestand der Häuser waren nur zu berechtigt. Während die politisch Verantwortlichen sich langwierigen und Kräfte zehrenden Verhandlungen zum Landeskrankenhausplan stellen mussten, um die regionalen Standorte zu erhalten, trieb es die Bürger auf die Straße. Lichterketten, Demonstrationen, Petitionen und nicht zuletzt das Finden starker Partner führten für die Kreisstadt und später auch für Crivitz zum Erfolg: Mit der Asklepios Klinik Parchim und dem MediClin Krankenhaus am Crivitzer See entwickelten sich an traditionsreichen Standorten moderne Kliniken. Eine bittere Pille musste der Amtsarzt mit Blick auf Lübz schlucken: Hier galt es, das bisherige Kreiskrankenhaus abzuwickeln. Manche Arznei schmeckt hingegen viel besser: Die Ansiedlung der KMG Klinik Silbermühle, des MediClin Krankenhauses sowie des MediClin Reha-Zentrums in der Seestadt Plau sowie der Helios Klinik Leezen sorgte für eine immense Aufwertung und Intensivierung der stationären medizinischen Versorgung und im Reha-Bereich. Kreisweit gibt es knapp 4500 Krankenhausbetten. Die Reha-Einrichtungen - dazu zählt auch das Kinderkurheim Markower Mühle - können mehr als 750 Patienten aufnehmen.

"Es ist über die Jahre ein gut funktionierender Gesundheitssektor entstanden", lautet die zufriedenstellende Diagnose des langjährigen Amtsarztes. Auch im Bereich des öffentlichen Gesundheitsdienstes - beispielsweise beim Kinder- und Jugendärztlichen Dienst - fruchten die Bemühungen: Einen deutlichen Anstieg des Interesses an Vorsorgeuntersuchungen kann die heutige Amtsleiterin Vera Schwartz attestieren. "Bei der U8 stieg die Zahl der untersuchten Kinder zwischen 2008 und 2010 von 82 auf fast 87 Prozent an. Noch deutlicher fällt die Bilanz bei der U9 aus: Dort nahm im gleichen Zeitraum die Zahl der untersuchten Kinder um fast zehn Prozent zu und liegt jetzt bei über 90 Prozent." Die Mediziner von Amts wegen schließen hier eine wichtige Lücke, um auch jenen Hilfen zu geben, die den Weg zum Arzt sonst scheuen und mögliche gesundheitliche Risiken in Kauf nehmen würden.

Hilfe zu geben, die notwendige Therapien sinnvoll ergänzt, ist für Fritz-Detlev Witte und viele engagierte Mitstreiter ein weiterer Aspekt der Arbeit im Bereich Gesundheit. "Große Aufmerksamkeit wurde der sozialen Versorgung gewidmet - in Ergänzung zur stationären Betreuung und der Behandlung durch niedergelassene Ärzte. In Zusammenarbeit mit freien Trägern ist es gelungen, ein beispielgebendes Netzwerk zu knüpfen, um psychisch Kranken, Menschen mit Behinderung, aber auch Suchtkranken oder älteren Mitbürgern adäquate Unterstützung zu ermöglichen", sagt Witte. Die Liste von differenzierten Angeboten ist lang: Sie umfasst offene Begegnungsstätten, unterschiedlichste Formen des betreuten Wohnens, eine Tagesklinik für psychisch Kranke, individuelle Beratung sowie Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten in speziellen Werkstätten.

"Es ist im Landkreis Parchim viel getan worden, um Gesundheit und Fürsorge in die besten Hände zu geben. Das ist aber, gerade mit Blick in die Zukunft, kein Selbstläufer", mahnt Fritz-Detlev Witte. Der Altersdurchschnitt niedergelassener Ärzte bereite ihm Sorge, Spezialisten würden bereits fehlen. "Hier muss die Politik steuernd eingreifen und Anreize schaffen, damit die Region auch künftig in der Fläche bestens medizinisch versorgt ist."

Dr. Fritz-Detlev Witte,
Jahrgang 1943,
Allgemeinmediziner,
von 1990 bis 2008 Amtsarzt im Gesundheitsamt der Kreisverwaltung Parchim