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Historische Entwicklung

Willkommen bei den Barbaren!

Keine Angst, Sie sind hier nicht bei Rohlingen oder gar Ungebildeten sesshaft geworden, vielmehr stehen Sie hier in einer Landschaft, aus der die sonst siegreichen Römer erfolglos von dannen ziehen mussten. Und die dann prompt die hier ansässigen Chatten zu "Barbaren" erklärten. Vergeblich versuchten die römischen Truppen immer wieder Fuß zu fassen, Oberhand gegen den germanischen Volksstamm der Chatten zu gewinnen. Doch diese boten standhaft Paroli. Teile des weltberühmten römischen Limes, der zu Zeiten seines Endausbaus - etwa 160 bis 260 nach Christus - rund 550 Kilometer lang war, finden Sie nur in Mittel- und Südhessen.

Die Besiedlung des Landkreises beschränkt sich aber nicht auf die standhaften Chatten. Auch Kelten siedelten hier, Keramikfunde rund um den Hohen Dörnberg bei Zierenberg zeugen vom Vorkommen des Stammes. Damit lässt sich folgender Schluss ziehen: Da sich das Ende der keltischen Kultur in Deutschland archäologisch ab der Mitte des ersten Jahrhunderts vor Christus nachweisen lässt und in Zusammenhang mit den nach Süden und Westen vordringenden germanischen Stämmen und den nach Norden vorrückenden Römern steht, kann das Gebiet des heutigen Kreises Kassel daher mit Fug und Recht als das "Ende der keltischen Welt" bezeichnet werden. Doch wir gehen noch ein paar Jahrhunderte weiter zurück: So weist z. B. das Erdwerk bei Calden auf eine Besiedlung aus der Zeit der Wartbergkultur um 3.700 vor Christus hin. Es gilt als eine der bedeutendsten jungsteinzeitlichen Anlagen in Deutschland.

Nicht nur Bauwerke zeugen von der Jahrtausende zurückliegenden Prominenz des Landkreises, sondern auch bedeutende Namen wie "Karl der Große" sind in der Historie zu finden: Der von vielen Sagen umrankte Herrscher machte mit seinem Heer bei den Feldzügen gegen die Sachsen am Ende des 8. Jahrhunderts im Norden des Landkreises bei Bad Karlshafen Station.

Die weitere Geschichte ist eng verbunden mit der Geschichte der Landgrafschaft Hessen. 913 wird erstmals der Königshof Chasalla urkundlich erwähnt, der an einer Kreuzung wichtiger Handelsstraßen an einer Fulda-Furt im Kasseler Becken angelegt worden war. König Heinrich II., der spätere Kaiser, machte seiner Gattin Kunigunde den Königshof zum Geschenk. Kunigunde gründete in Oberkaufungen ein Nonnenkloster und verlegte ihren Wohnsitz dorthin. Im Zuge der Reformation wurde aus dem Kloster ein Stift und heute sind die malerischen Gebäude rund um den Stiftshof Sitz der Althessischen Ritterschaft.

Zurück ins Mittelalter: Mitte des 12. Jahrhunderts fällt das Gebiet des Königshofes und damit auch der Kreis für mehr als 100 Jahre an die Landgrafen von Thüringen. Nach dem Aussterben des Thüringer Landgrafengeschlechts geht der hessische Landesteil an Heinrich, den Enkel der heiligen Elisabeth, über, nachdem Heinrichs Mutter, Sophie von Brabant, die Rechte ihres Sohnes erfolgreich im hessisch-thüringischen Erbfolgekrieg durchgesetzt hat.

Zur gleichen Zeit entwickelt sich das Benediktinerkloster in Helmarshausen (heute ein Stadtteil von Bad Karlshafen) zu einem Zentrum der Buchmalerei. Hier entstand das Evangeliar Heinrichs des Löwen, eines der bedeutendsten Werke mittelalterlicher Buchkunst. Das Faksimile, eine originalgetreue Kopie, ist heute im Heimatmuseum Helmarshausen zu sehen. Der Grundriss und die Geschichte des Klosters werden auf Schautafeln des Eco Pfades Archäologie Helmarshausen präsentiert. Die Lage des heutigen Kreisgebiets an den Grenzen der unterschiedlichen Einflussgebiete von Bischöfen und Königen führte zu einer Reihe von mittelalterlichen Stadtgründungen wie Wolfhagen und Zierenberg.

Durch den Wandel Kassels zur Residenzstadt der Landgrafen von Hessen wird der ganze Raum Kassel zum wirtschaftlichen, politischen, kulturellen Mittelpunkt des jungen hessischen Staatswesens. (Übrigens: Noch bis 1867 gehörte die Residenzstadt Kassel zum Kreis.)

1526 führt Landgraf Philipp in Hessen die Reformation ein, beseitigt die Klöster und gründet vorbildliche Hospitäler. So wird das Kloster Merxhausen ein Hospital für kranke, gebrechliche und alte Menschen aus der Landbevölkerung - und noch immer wird dort Menschen geholfen: Das Hospital Merxhausen gehört heute zum Zentrum für Soziale Psychiatrie des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen. Und Merxhausen zu Bad Emstal.

Der Gattung "Thier" nahm sich dagegen Landgraf Wilhelm IV. an. Unterhalb der Sababurg legte er 1571 einen "Thiergarten" an. Auf 130 Hektar entstand, in einem von einer fünf Kilometer langen Mauer umgebenen Park, eine der ältesten zoologischen Einrichtungen Europas. "Der Gelehrte auf dem Fürstenthron", wie er oft genannt wurde, ließ viele Studien anfertigen. So arbeiteten für ihn auch einige Naturforscher, für die er "fremde" Tierarten in seinen Park bringen ließ. Sowohl zum Zwecke der Jagd, aber eben auch der Forschung wurden damals Ure, weiße Hirsche, Damwild, Gemsen, Elche und Rentiere von weit her in hessische Gefilde gebracht. Um diese Anlage der Nachwelt zu erhalten, übernahm der heutige Landkreis Kassel 1971 den Park und baute seitdem die Anlage zu einem beispielhaften Tierpark für Großtiere, die einst in den europäischen Wäldern heimisch waren, aus.

Doch schauen wir noch einmal zurück: Nach der Bartholomäusnacht kamen 1685 auf der Basis einer Freiheitskonzession des Landgrafen Carl von Hessen-Kassel rund 4.000 Hugenotten und Waldenser nach Nordhessen. 1699 wurde Bad Karlshafen gegründet - mit dieser Stadtgründung am Reißbrett wollte sich der Landgraf an der Mündung der Diemel in die Weser eine repräsentative Metropole erschaffen. Die Pläne Carls waren ambitioniert: Mit einem durch ganz Hessen verlaufenden Kanal sollten Weser, Eder, Lahn, Rhein und Main verbunden werden, um so die hohen Zölle des Stapelrechts des welfischen Hann. Mündens zu umgehen. Heute sind bei Trendelburg noch Spuren des Kanalprojekts zu besichtigen - der Tod des Landgrafen beendete alle weiteren Pläne.

Landgraf Wilhelm VIII. dagegen konnte sich seinen Traum realisieren: Das Rokoko-Schlösschen Wilhelmsthal wurde 1747 bis 1755 als Gartendomizil errichtet. Auch heute ist der Schlosspark von Wilhelmsthal noch willkommener Anziehungspunkt für Naturliebhaber. Wer durch den idyllisch arrangierten Park spaziert, fühlt sich wie im Märchen. Ein Stichwort, das auf weltberühmte Namen verweist: Die Brüder Grimm haben hier in der Region Kassel ihre Geschichten zusammengetragen. Die Grimmschen Märchen, die zu den meistübersetzten und meistgelesenen Büchern der Welt gehören, wurden zumeist in Schauenburg gesammelt. Der märchenhafte Charakter unserer Landschaft ist nicht nur in der Umgebung des Schlosses Wilhelmsthal spürbar. Wer Augen und Ohren ein wenig offen hält, wird vielerorts auf die Spuren der Brüder stoßen. Mit "Märchenlandweg Romantik" oder einem Besuch der Schauenburger Märchenwache sind Sie als Bürger des Landkreises auf dem besten Weg, mehr über die Geschichten der Brüder Grimm zu erfahren. Und sicher erfahren Sie immer auch ein Stück Geschichte des Landkreises Kassel. Ein Ort, an dem es sich lohnt, die eigene Geschichte zu leben.

Das Wappen des Landkreises

Wie auch das Wappen des Landes Hessen zeigt das Landkreiswappen im blauen Schilde einen silbern und rot geteilten steigenden Löwen mit goldenen Krallen, er symbolisiert die Zugehörigkeit zu Hessen (Residenzstadt Kassel). In der unteren Hälfte des Wappens weisen die Eichenblätter auf ein Ereignis im Reinhardswald hin, wonach der Heilige Bonifatius die Eiche des germanischen Gottes Donar gefällt haben soll, um die Überlegenheit des Christentums zu demonstrieren. Mit nur einem Axthieb soll er die Eiche gefällt haben, was die Heiden dazu bewegte, von ihren Göttern abzulassen und sich dem Christentum zuzuwenden. Die Eiche befand sich auch im Wappen des Altkreises Hofgeismar.

Die wie ein Z-förmiges Werkstück aussehenden Wolfsangeln nehmen Bezug auf den Altkreis Wolfhagen, dessen früheres Wappen einen schwarzen Wolf zeigte. Dies wiederum war ein Sonderwappen der Herrschaft Wolfhagen. Historiker sind sich uneins, ob es sich bei Wolfsangeln um ein Zeichen für ein Jagdgerät handelt oder für einen Mauerhaken, ein eisernes Bauteil, das feste Mauerteile zu verbinden hatte. Unter Heraldikern (Wappenkundlern) dagegen herrschen zwar ebenfalls unterschiedliche Meinungen zum Gebrauch der Wolfsangeln vor, aber es besteht Einigkeit, dass es sich um eine Jagdwaffe handelt. Der Gebrauch im Wappen von Wolfhagen und damit die Nähe zum Wolf ließe ebenfalls darauf schließen.