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Stille Tage/Bestattungskultur in Deutschland

Abschiednahme oder Aussegnung
Für sehr viele Menschen ist es wichtig, die Verstorbenene bzw. den Verstorbenen noch einmal zu sehen, am offenen Sarg zu stehen und ihr bzw. ihm noch etwas zu sagen oder mitzugeben. Erinnerungen wie Fotos, Briefe, vielleicht die Tageszeitung, irgendetwas hat jeder in seinem Leben besonders gern gehabt. Vielleicht auch einen Zweig vom Lieblingsbaum, einen Hausschlüssel, den Spazierstock oder die Handtasche.

In den für die Abschiednahme vorgesehenen Räumen wird oft auch eine Aussegnung durch den Pastor durchgeführt, oder es kommen Angehörige, Freunde und Verwandte, um die Verstorbene bzw. den Verstorbenen zu sehen und sich zu verabschieden.

Abschiedsfeier
Beerdigung und Trauerfeier - öffentlich oder im kleinsten Kreis?

Im Wien des 19. Jahrhunderts zum Beispiel wurde öffentlich und im möglichst großen Kreis Abschied gefeiert. In den letzten Jahren hingegen möchten immer mehr Familien unter sich sein und die Öffentlichkeit nicht über den Termin der Feier informieren, sondern erst nach der Beisetzung bekanntgeben, dass ihre Angehörige bzw. ihr Angehöriger verstorben ist.

Für viele Menschen, die der bzw. dem Verstorbenen nahe gestanden haben, sie bzw. ihn als Kollegin oder Kollegen, Nachbarin oder Nachbarn, Freundin oder Freund, Bekannte oder Bekannten gern hatten,besteht dann nicht die Möglichkeit, sich von ihr bzw. ihm zu verabschieden, sie bzw. ihn auf ihrem bzw. seinem letzten Weg zu begleiten. Der Mensch ist einfach nicht mehr da. Vielen fällt es dann schwer, ihre Anteilnahme zum Ausdruck zu bringen. Was tun, zu den Angehörigen nach Hause gehen oder nur anrufen? Wie verhalte ich mich, wenn ich die trauernde Familie im Ort treffe, beim Einkaufen oder Spazierengehen? Bei einer öffentlichen Abschiedsfeier kann man seinen Namen in die Kondolenzliste schreiben, eine Blume niederlegen, eine Karte abgeben. Man war auf jeden Fall dabei, hat seine Anteilnahme zum Ausdruck gebracht und kann sich später so verhalten wie immer.

Beerdigungskaffee
Warum lädt man eigentlich zum Beerdigungskaffee ein?

Wer einmal an einer Beerdigung oder Trauerfeier teilgenommen hat, weiß warum. Man hat um die Verstorbene bzw. den Verstorbenen getrauert, sich von ihr bzw. ihm verabschiedet, und plötzlich steht man in einer Gruppe oder alleine auf dem Parkplatz - und nun? Das kann nicht alles gewesen sein. Fast jeder verspürt das Bedürfnis, noch einmal über die Verstorbene bzw. den Verstorbenen und gemeinsame Erlebnisse zu sprechen; sich gemeinsam zu erinnern mit Menschen, die man vielleicht schon längere Zeit nicht mehr gesehen hat. Diese Gespräche stärken, unterstützt von Speisen und Getränken, und erleichtern den Weg zurück ins Leben.

Orte für Trauer und Erinnerung
Grabstätte oder anonyme Beisetzung?

In der heutigen Zeit, in der die Menschen flexibel sein müssen, möchten viele nicht mehr die Verantwortung für Grabstellen übernehmen, die vielleicht Hunderte von Kilometern entfernt sind. Kaum jemand lebt noch in einem großen Familienverbund von der Geburt bis zum Tod an einem Ort. Berufliche Gründe spielen eine große Rolle, und auch die Wohnungen sind nicht mehr für mehrere Generationen geeignet. Viele Menschen wünschen sich daher eine Bestattung in anonymen Gräbern und möchten damit ihre Angehörigen entlasten. Diese Entlastung ist für die Hinterbliebenen aber oft sehr schwer zu verarbeiten. Oft wird erst Jahre später die Grabstätte gesucht, vielleicht auch erst von den Enkeln und Urenkeln, die wissen möchten, wo ihre Wurzeln sind.

In den letzten Jahren sind alternative Möglichkeiten der Bestattung geschaffen worden, die dem Wunsch der Menschen gerecht werden, individuell Abschied zu nehmen und trotzdem den Ort besuchen zu können, an dem ihre Angehörige bzw. ihr Angehöriger begraben worden ist.

Erdbestattung
Bei der Erdbestattung ist man an einen Friedhof gebunden, kann aber trotzdem verschiedene Grabarten auswählen und hat dadurch die Möglichkeit, die verstorbene Angehörige bzw. den verstorbenen Angehörigen so zu bestatten, wie sie bzw. er es wollte. Ob in einem Familiengrab, einem Reihengrab oder einem Rasengrab - ein Grabmal oder eine Steinplatte mit dem Namen oder auch nur einem Erkennungszeichen für die Familie -, die Verstorbene bzw. der Verstorbene kann besucht werden.

Feuerbestattung
Eine Feuerbestattung ist die Voraussetzung für unterschiedliche Möglichkeiten einer Bestattung.

In den Friedwäldern - bisher gibt es etwa 20 solche Wälder in Deutschland - wird die Asche der bzw. des Verstorbenen in einer biologisch abbaubaren Urne im Wurzelbereich eines Baumes beigesetzt. Dieser Baum oder auch nur ein Platz oder mehrere Plätze an einem Gemeinschaftsbaum können schon lange vor dem Tod selbst ausgesucht oder nach dem Tod von den Angehörigen gewählt werden.

Bei einer Seebestattung auf den Weltmeeren besteht die Möglichkeit, die Urne bis zur Beisetzungsstelle zu begleiten oder die Beisetzung dem Kapitän zu überlassen. Der Auszug aus dem Schiffstagebuch und die Eintragung in die Seekarte sind dann Zeugnis dafür, wann und wo die Urne dem Meer übergeben worden ist.