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Wohnen im Heim für Menschen mit einer geistigen Behinderung

Die zunehmende Lebenserwartung und die mit ihr einhergehende wachsende Anzahl älterer Menschen in unserer Gesellschaft, macht auch vor der Gruppe der Menschen mit geistiger Behinderung keinen Halt. Während früher von einer stark eingeschränkten Lebenserwartung für Menschen mit geistiger Behinderung - insbesondere mit Down-Syndrom - ausgegangen wurde, steht heute fest, dass es sich bei diesen Prognosen um einen Mythos handelte. Die bedeutsamen Fortschritte in der medizinischen Versorgung und die stark auf Förderung ausgerichtete Begleitung haben gerade dieser Gruppe ganz neue Lebensperspektiven ermöglicht. Die Entwicklung in Deutschland ist dabei historisch bedingt besonders. Dadurch, dass während des Nationalsozialismus Menschen mit geistiger Behinderung systematisch ermordet wurden, erreicht nun die erste Generation der geistig behinderten Menschen ein höheres Alter. In anderen Ländern leben schon lange hochaltrige geistig behinderte Menschen.

Gerade in unserer ländlichen Struktur, in der Menschen mit Behinderung vielfach noch mit ihren Eltern in Lebensgemeinschaften oder auf dem gemeinsamen Hof leben, kommt es häufig zu der Fragestellung: "Was passiert mit unserem behinderten Kind, wenn ich einmal selbst auf Hilfe und Pflege angewiesen bin?". Es gibt Heime, die sich dieser Problematik angenommen haben und die Konzepte entwickelt haben, die speziell auf die Bedürfnisse von älteren Menschen und Senioren mit Behinderung abgestimmt sind. Dazu gehören:
  • Normalisierung
  • Weitestgehende Selbstbestimmung
  • Aktivierung und Erhaltung bestehender Ressourcen
  • Anregung und Bewegung
  • Berücksichtigung von Ruhe und Rückzugsbedürfnissen
  • Ermöglichung sozialer Kontakte
  • Zugangsmöglichkeiten zu weiteren Lebenswelten.
Im Gegensatz zu regulären Alten- und Pflegeheimen erfolgt die Finanzierung nicht über die Pflegekassen, sondern wird aus dem Budget der Eingliederungshilfe für Behinderte bestritten. Nach § 55 SGB XII ist die Pflege in stationären Einrichtungen der Eingliederungshilfe integrierter Bestandteil des Leistungsangebotes. Darüber hinaus wird besonderer Wert auf die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gelegt. Teilhabe am gesellschaftlichen Leben kann u. a. bedeuten:
  • Ich breche auf zu neuen, interessanten Erlebnissen und Erfahrungen
  • Ich kann mit anderen kommunizieren und habe soziale Kontakte in Bekanntschaften, Freundschaften und/oder einer Paarbeziehung
  • Ich kann am kulturellen und Gemeindeleben teilnehmen
  • Ich habe Zeit, meinen Neigungen nachzugehen und mir besondere Wünsche zu erfüllen, zum Beispiel durch Ausflüge und Reisen oder die Haltung von Haustieren
  • Ich kann die Ruhe genießen und z. B. länger schlafen.
Der Wechsel von der "heimischen" Atmosphäre in ein Wohnheim für Behinderte ist für die Betroffene bzw. den Betroffenen ein großer Einschnitt. Sie/Er kommt in eine völlig neue Umgebung, und in der Regel muss sie/er auf Dauer ihren/seinen Wohnsitz in dieses Heim verlegen. Deshalb ist es von erheblicher Bedeutung, dass sich die/der Betroffene in dieser Einrichtung wohl fühlt, eine Assistenz bekommt, die ihren/seinen Wünschen entspricht und dass sie/er sich gut betreut und gepflegt fühlt. Vielfach wird ein Probewohnen angeboten, das in der Regel kostenfrei ist. Nutzen Sie diesen Service bei Ihrer Entscheidungsfindung.