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Eine Gemeinde mit zwei Adelshäusern

Einmal im Jahr zum Tag des offenen Denkmals kommen Schlossliebhaber und all jene, die immer schon das Innenleben historischer Baukunst für sich entdecken wollten, voll und ganz auf ihre Kosten in der Gemeinde. Dann geben die Adelshäuser in den Ortsteilen Seifersdorf und Wachau den Blick auf Stuckdecken und viele interessante Details frei. Während der Schlössertour im September 2015, in deren Rahmen das Ganze nun schon zum neunten Male stattfand, schlossen sich wieder Hunderte Schaulustige den geschichtlichen Streifzügen durch die historischen Gemäuer an. Geöffnet waren außerdem die Kirchen und eine zu einem Museum umgebaute Scheune.

Das Dorf Wachau, der heutige Verwaltungssitz der ländlichen Einheitsgemeinde, mit seinem barocken Wasserschloss ist recht früh von slawischen Stämmen besiedelt worden. Seine Bezeichnung lässt sich als "Ort eines Vach" auf das Jahr 1218 zurückdatieren. 1378 hielt die Familie von Schönfeld Einzug und verhalf Wachau zu einer Blütezeit. Ihr erster Herrensitz wurde ein Raub der Flammen, den zweiten ließ die damals 26-jährige Gräfin von Werthern nach ihrer Hochzeit mit Johann Siegfried Graf von Schönfeld und dessen kurz darauffolgenden Tod einstampfen. Zwischen 1730 und 1745 entstand das heutige Anwesen mit englischer Parkanlage und Sandsteinskulpturen der Commedia dell'arte. Ins Deutsche übersetzt bedeutet das so viel wie Berufsschauspielkunst. Doch schon 1770 endeten das Geschlecht Schönfeld und die Grafenwürde.

Nach 400 Jahren Eigentümerschaft hatte kein männlicher Nachkomme mehr das Licht der Welt erblickt. So kam es, dass in der Folge verschiedene Schlossbesitzer unterschiedlicher Herkunft das Domizil bewohnten und es nach ihren Bedürfnissen umgestalteten. In diesem Zusammenhang erhielt der große Saal des Hauses ein Deckengemälde, das an die griechische Mythologie angelehnt ist. Diverse Wandmalereien, Stuckdecken und Innendekorationen machten das Schloss zu einem wahren Schmuckstück. Doch davon kann nach Ende des Zweiten Weltkrieges keine Rede mehr sein. Ein Großteil des Inventars verschwand aus Wachau, zurückblieben Teile einer holländischen Küche und prächtige Kachelöfen.

Nach einer ersten millionenschweren Außensanierung in den 90er Jahren ist die Gemeinde bestrebt, das barocke Gemäuer nunmehr zu veräußern, um es wieder dauerhaft mit Leben zu erfüllen.
Über mangelnden Zuspruch kann sich das im 19. Jahrhundert nach Plänen von Schinkel umgebaute Schloss im benachbarten Ortsteil Seifersdorf nicht beklagen. Als ein Teil des mit Rittergut und Dorfkirche verbundenen Ensembles im Dorfzentrum dienen dessen Saal und andere Räumlichkeiten vielen Hochzeitspaaren und Geburtstagskindern als Feierstätte. Mehrere Veranstaltungen finden außerdem das ganze Jahr über dort statt. Das Haus selbst verfügt seit kurzer Zeit über eine barrierefreie Toilettenanlage.