Saerbeck - eine moderne Landgemeinde mit dörflich-landwirtschaftlicher Prägung
Die Landgemeinde Saerbeck mit rund 7.300 Einwohnern liegt im nördlichen Münsterland zwischen den Städten Rheine, Münster und Osnabrück. Zur Gemeinde gehören das Dorf, das Wohn- und Gewerbegebiet "Am Schulkamp" und die Bauerschaften Westladbergen, Middendorf und Sinningen. Die Gesamtfläche beträgt rund 5.900 ha, hiervon werden ca. 4.900 ha landwirtschaftlich genutzt. Etwa 2.000 ha der Gesamtfläche sind als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, hinzu kommen Naturschutzgebiete mit einer Fläche von insgesamt ca. 310 ha.
Erste bäuerliche Siedlungsspuren reichen 5.500 Jahre zurück. In den schriftlichen Quellen des Mittelalters taucht der Name Saerbeck erstmals um 1100 auf. Eine kaiserliche Urkunde von 1122 bestätigt dem Kloster Cappenberg den Besitz des "curtis sorbeke", des Oberhofes Saerbeck. 1161 wird erstmals eine Kirche und 1196 die Pfarrei genannt. Um 1500 leben ca. 600 bis 700 Einwohner im Dorf und in den Bauerschaften. Vom 15. Jahrhundert bis 1803 ist das Kirchspiel Saerbeck dem Fürstbistum Münster unter dem Amt Rheine-Bevergern zugeordnet.
Bis zur Agrarreform des frühen 19. Jahrhunderts waren nahezu alle Bauernhöfe in Saerbeck Eigentum eines Grundherrn aus Klerus oder Adel. So gehörten im 17. Jahrhundert dem Bischof von Münster und dem Domkapitel Münster als größten Grundherren in Saerbeck zusammen 48 Bauernhöfe. Als Leibeigene waren die Bauern zu Geld- und Naturalabgaben verpflichtet.
Kriegerische Auseinandersetzungen wie der Dreißigjährige Krieg hinterließen ihre blutigen Spuren auch in Saerbeck. Im Jahr 1628 suchte ein spanisches Söldnerheer auf seinem Weg von Münster nach Lingen den Ort auf. Bei der Auseinandersetzung wurden 25 Saerbecker getötet. Ihr Leben ließen auch einige Emsdettener, die den Nachbarn mutig zu Hilfe geeilt waren.
Naturereignisse hatten oft katastrophale Auswirkungen auf die Landwirtschaft im kargen Sandmünsterland. So vernichtete ein Hagelschlag im Jahr 1832 nahezu die gesamte Ernte der Saerbecker Bauern. Um eine Hungersnot abzuwenden, waren sogar Hilfslieferungen des preußischen Königs notwendig.
Zwischen 1803 und 1815 gehörte Saerbeck zunächst zu Preußen (1803-1806), dann zum Großherzogtum Berg (1810-1813), schließlich zum Kaiserreich Frankreich (1813-1815) und wieder zu Preußen (1813-1815). 1815 wird Saerbeck dem Landkreis Münster in der preußischen Provinz Westfalen zugeordnet. Bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stieg die Bevölkerungszahl Saerbecks auf etwa 1.900 an. Wachsender Bedarf an Bau- und Brennholz, Plaggenabstich zur Düngung des Ackerlandes und Beweidung der gemeinschaftlich genutzten Markenflächen reduzierten den Waldbestand. Im 19. Jahrhundert prägten ausgedehnte Heideflächen das Landschaftsbild um Saerbeck.
1850 hatte der Ort etwa 1.900 Einwohner, 1940 lebten etwa 2.400 Menschen in der Gemeinde und 1960 waren es bereits 3.500. Um Wohnraum zu schaffen entstanden seit den 1950er und 1960er Jahren neue Siedlungsgebiete um den alten Ortskern. Zum Zeitpunkt der kommunalen Neugliederung Ende 1974 hatte Saerbeck 5.206 Einwohner. Die politische Selbstständigkeit konnte sich Saerbeck bewahren, allerdings verlor die Gemeinde 860 ha ihrer Fläche und 1.266 Einwohner an die Nachbargemeinden. Nach Auflösung des Landkreises Münster gehört die Gemeinde seit dem 1. Januar 1975 zum Kreis Steinfurt.
Wappen
Die Einführung des Gemeindewappens erfolgte nach dem Ratsbeschluss vom 26. September 1974 und wurde im Zusammenhang mit der gewahrten Selbstständigkeit der Gemeinde nach der kommunalen Gebietsreform vom 1. Januar 1975 vorgenommen. Die Ausarbeitung des Wappens erfolgte durch den Heraldiker Mallek aus Münster in enger Zusammenarbeit mit dem Staatsarchiv Münster.
Die Farben Rot und Gelb nehmen Bezug auf das Wappen der Grafen von Cappenberg, die im Mittelalter Inhaber des Oberhofes Saerbeck ("curtis sorbeke" - heute Standort des Saerbecker Rathauses) waren. Die beiden Wellenbänder versinnbildlichen Ems und Glane und die drei Ginsterblumen weisen auf die frühere Heidelandschaft um Saerbeck hin. Mit der Einführung des Wappens war gleichzeitig auch die Einführung einer Flagge und eines Siegels verbunden.
Rathaus
Ein besonderes Ereignis im Jahr 2002 war der Umzug der Gemeindeverwaltung in die Gebäude der früheren Hofstelle Münninghoff an der Ferrières-Straße. Die sehr bewegte Geschichte dieses alten Bauernhofes lässt sich urkundlich bis in das Jahr 1122 zurückverfolgen. Die archivalischen Quellen lassen den Schluss zu, in diesem Hof den Oberhof "curtis sorbeke" des Klosters Cappenberg zu sehen. Das heutige Haupthaus wurde 1870 errichtet. Die Gemeinde Saerbeck erwarb diese frühere Hofstelle im Jahre 2000 und nach entsprechenden Umbaumaßnahmen gemäß den Anforderungen einer modernen Verwaltung wurde das Sandsteingebäude nebst der zugehörigen Remise am 30. April 2002 als neues Rathaus eingeweiht.
Partnergemeinden:
- Ferrières en Gâtinais (Frankreich) seit 1994
- Rietavas (Litauen) seit 2001
Sehenswürdigkeiten:
Pfarrkirche St. Georg mit prachtvoller Innenausstattung, ein in ihrer Gesamtwirkung heute im westfälischen Raum seltenes Beispiel neugotischer Sakralarchitektur
Kornbrennerei-Museum, ehemalige landwirtschaftliche Kornbrennerei, heute Denkmal mit vollständig erhaltener technischer Einrichtung
- Holländer-Windmühle aus dem Jahr 1867 in der Bauerschaft Sinningen, ehemalige Kornmühle, in neuer Nutzung heute Feuerwehrgerätehaus
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