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Geschichte der Gemeinde Roetgen

Die zur Gemeinde gehörenden Ortschaften Roetgen, Rott und Mulartshütte sind ringsum von einem der größten zusammenhängenden Waldgebiete des Landes NRW umgeben. Ältester Ortsteil ist Mulartshütte. Die Eisenverhüttung, die im Umfeld bereits von den Römern betrieben wurde, war Grundlage der Ortsbildung.
Erkennbar wird die Geschichte des Ortes durch die Bezeugung einer Urkunde aus dem Jahr 1430, die das Erbrecht am Vichtbach beschreibt und Voraussetzung für die Anlage des Mulartswerkes war. Die Wasserkraft der Vicht diente der Mulartshütte annähernd 300 Jahre. Die Mulartshütte war die einzige eisenerzeugende Hütte am Vichtbach, deren Gründungsdatum aktenkundig ist.
Nach Beschäftigung im Tuchmachergewerbe während des 18. Jahrhunderts war im 19. Jahrhundert landwirtschaftliche Nutzung die Lebensbasis der meisten Einwohner. Typische Baumerkmale ihrer Häuser weisen auf diese Entwicklung hin. Neben der ortsbildprägenden Giebelfront der alten Nagelschmiede am Dorfplatz ist hier besonders das schöne barockale Großfachwerkhaus "Altes Jägerhaus" aus der Eifeler Tuchmacherzeit beachtenswert, das auch als eines der ältesten Häuser von Mulartshütte bezeichnet werden kann.
Schon zur Römerzeit wies Roetgens Territorium einen wichtigen Straßenstern auf. Hier kreuzten wichtige Verkehrswege von Xanten über Aachen nach Trier und von Düren über Stolberg nach Eupen und Lüttich.
Eine Besiedlung der im fränkischen Herrschaftsgebiet liegenden Gemeinden fand jedoch erst in der mittelalterlichen Rodungsperiode statt.
Die Ortschaft Roetgen wurde nach neuesten Erkenntnissen 1475 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Somit haben urkundlich nachweisbar 1475 schon Siedler in Roetgen gelebt. 1551 sind in den Steuererhebungslisten des Monschauer Landes erstmals die Namen von Roetgener Bewohnern aufgeführt. Auf die Tatsache, dass die ersten Siedler wegen des nassen, sumpfigen Bodens gezwungen waren, Brach- und Heideland für den Eigengebrauch zu roden, sind die Weiträumigkeit und die Streusiedlung Roetgens zurückzuführen.
Dieses charakteristische Bild ist bis zum heutigen Tage erhalten.
In einer Zählung aus dem Jahre 1656 wurden in Roetgen bereits 27 Häuser und 150 Einwohner aufgeführt.
Seit seinen Anfängen bis nach der französischen Revolution gehörte Roetgen zum Amt Monschau des Herzogtums Jülich-Berg. Dieses Amt wurde unter der französischen Herrschaft als Kanton Monschau am 24. August 1801 dem Ruhrdepartment zugegliedert.
Nach der endgültigen Niederlage Napoleons gelangte das Gebiet mit der späteren Rheinprovinz durch Beschluss des Wiener Kongresses am 15. April 1915 an Preußen. Im Jahre 1816 schlossen sich die selbstständigen Gemeinden Roetgen und Rott zur Bürgermeisterei zusammen. Die selbstständige Bürgermeisterei Zweifall, wozu Mulartshütte gehörte, wurde später ebenfalls von Roetgen aus mitverwaltet. 1934 bildeten die drei selbstständigen Gemeinden Roetgen, Rott und Zweifall das Amt Roetgen.
Der von Napoleon 1809 aus strategischen und wirtschaftlichen Gründen begonnene Ausbau der heutigen B 258 wurde unter preußischer Herrschaft 1816 -1818 beendet.
Am 1. Juli 1885 wurde Roetgen an das Eisenbahnnetz Aachen - St. Vith angeschlossen. 1909 wurde mit dem Bau der Dreilägerbachtalsperre begonnen.
Am 15. September 1926 wurde die Dreilägerbachtalsperre durch einen Stollen mit dem Obersee der Rurtalsperre verbunden. Die Bauzeit für den Stollen betrug 21 Monate. Die Staumauer wurde in den Jahren 1990 - 1993 saniert und zu diesem Zweck die Talsperre entleert. Durch die Abtretung der Kreise Eupen und Malmedy an Belgien nach dem 1. Weltkrieg wurde Roetgen Grenzort. Besonders die Verkehrsverbindung zu den übrigen Orten des ehemaligen Kreises Aachen wurde problematisch, die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde war in Frage gestellt.
Am 12. September 1944 um 14:30 Uhr marschierten die Amerikaner, über Petergensfeld kommend, in Roetgen ein. Es war die "erste deutsche Stadt", die von den Amerikanern eingenommen wurde - so berichtete die New York Times am 14. September 1944. Herr Schleicher aus Roetgen wurde von den Amerikanern zum Bürgermeister ernannt. Bereits im Jahre 1969 schlossen sich die noch selbstständigen Gemeinden des Amtes Roetgen freiwillig zu einer Gemeinde zusammen. Durch die kommunale Neugliederung des Aachener Raumes wurde 3 Jahre später - am 1. Januar 1972 - die erneute Änderung vorgenommen. Im Gegensatz zur allgemeinen Vergrößerung von Städten und Gemeinden wurde die bereits bestehende Gemeinde Roetgen durch Abtretung der Ortschaft Zweifall ohne Mulartshütte an die Stadt Stolberg verkleinert. Dies lag jedoch weniger an der jetzigen Struktur der Gemeinde als an ihrer geographischen Lage, wonach eine Zuordnung nach Süden oder Norden nicht günstig erscheint.
Seit dem 1. Januar 1972 bilden die Ortschaften Roetgen, Rott und Mulartshütte die Gemeinde Roetgen. Um die Funktion, die ihr als Naherholungsgebiet im Landesentwicklungsplan zugewiesen sind, besser erfüllen zu können, kam die Landesregierung am 1. Januar 1974 dem Wunsch der Gemeinde nach, indem sie aus Anlass der Grenzregulierung die Bereiche Münsterbildchen und Rotterdell der Gemeinde zuordnete.
Die außerordentliche Beliebtheit der Gemeinde Roetgen als Wohnort macht die Entwicklung ihrer Einwohnerzahl deutlich. Partnergemeinden sind seit dem Jahre 1975 die Gemeinde Wervicq in Frankreich und seit dem Jahre 1990 die Gemeinde Neumark im Vogtland.

Weitere Informationen erhalten Sie beim Heimat- und Geschichtsverein Roetgen unter
Internet: www.heugeve-roetgen.de oder
Telefon: 02471 3426 oder 02471 2615.