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Die Seebäder und ihre Ortsteile

Entdecken Sie bei einem Besuch in den Seebädern Ahlbeck, Bansin und Heringsdorf und in den Ortsteilen Gothen, Bansin-Dorf, Alt- und Neu-Sallenthin sowie Sellin die wechselvolle Geschichte, den Charme der 20er Jahre, die Bäderarchitektur, die rasante touristische Entwicklung und die ungeahnten Natur- und Landschaftsschönheiten. Die Ortschronisten Werner John aus Ahlbeck, die Bansinerin Marion Adomat und Pastor Peter Nieber sowie Storchenvater Heinz-M. Eggebrecht aus Gothen wollen mit ihren Beiträgen neugierig machen auf Land, Leute und Natur in der Gemeinde Ostseebad Heringsdorf und es gibt noch viel mehr zu entdecken:

Während Heringsdorf über 100 Jahre das Seebad der "Gutbetuchten" war, Bansin für seine "christlichen Häuser in bester Lage" warb, rühmte sich Ahlbeck als das "Seebad des guten Mittelstandes". Heute verbindet nicht nur die Bundesstraße 111 die drei Seebäder, sondern auch die in den vergangenen Jahren neu gestaltete über acht Kilometer lange Promenade. Sie ist das Kleinod für Urlauber und Einheimische und zweifelsohne eine der längsten Flaniermeilen in Europa. Drei Seebrücken, drei Konzertmuscheln, Rad- und Wanderwege, Rosengarten, Springbrunnen, Spielplätze, Ruhezonen, Fischerhütten und Gastronomie laden zum Verweilen ein.

Die Seebäder verfügen über drei Bahnhöfe und mehrere Zug-Haltepunkte der Usedomer Bäderbahn. Darüber hinaus gibt es innerhalb der Seebäder mit der Ostseebus-Linie einen Busverkehr und es verkehrt eine Bimmelbahn des Kaiserbäder-Express zwischen den Kaiserbädern. Der Regionalflughafen Heringsdorf befindet sich in einer Entfernung von 15 Kilometern auf der Gemarkung Garz/Zirchow.

Seebad Ahlbeck

Mit dem Bau einer Wassermühle anno 1700 an der Beek begann die Gründung des Ortes Ahlbeck. Beiderseits des Baches gab es Ansiedlungen, die sich adlig- und königlich Ahlbeck nannten. Das Bächlein, ehemals aus dem Thurbruch kommend, floss in die Ostsee, hieß zunächst Waldbach und wurde später Ahlbeek genannt.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ließ Preußenkönig Friedrich der II. an der Schulzenstraße - Ecke Wilhelmstraße vier Kolonisten ansiedeln, um den Entwässerungsgraben offen zu halten. Rechts des Baches war das Ahlbeck königlich ins Leben gerufen und links entstand 1818 die Fischerkolonie Ahlbeck adlig. 65 Jahre später erfolgte der Zusammenschluss der beiden Ortsteile mit dem offiziellen Namen Ahlbeck. Der Bach wurde somit zum Namensgeber.

Bereits 1875 wurde mit dem Hotel Wendicke das spätere Kurhaus erbaut. 1886 bekam Ahlbeck ein Warmbad, in dem sich heute das Rathaus befindet.

Bis zum heutigen Tag erstrahlt die Ahlbecker Seebrücke im majestätischen Glanz. Das altehrwürdige Wahrzeichen des Seebades ermöglicht einen einzigartigen Blick auf den feinsandigen und breiten hellen Ostseestrand. Das hölzerne Bauwerk mit den Türmen auf dem Wasser wurde 1898 eingeweiht und seit 1911 steht auf der Promenade vor dem historischen Gaststätten-Ensemble eine gusseiserne Säulen-Uhr im Jugendstil.

Drei Jahre später wurde auf der Flaniermeile der erste Konzertpavillon errichtet. Im Jahr 1914 entstand zudem das Kaiser Wilhelm Kinderheim, in dem der Kaiser zu Gast weilte. Bereits ein Jahr zuvor erfuhr einem Ahlbecker Bürger eine große Ehre. Der Vater von 33 Kindern, Ferdinand Egelinski, wurde höchstpersönlich vom Kaiser empfangen. 1894 bekam Ahlbeck einen Bahnanschluss und ein Jahr später wurde die Kirche eingeweiht.

Seebad Heringsdorf

Das mondänste der drei Kaiserbäder ist Heringsdorf. Einst als das "Nizza des Ostens bezeichnet, zog es bis zum Zweiten Weltkrieg vor allem die Aristokratie und Finanzwelt nach Heringsdorf in die prunkvollen Villen mit den weiträumigen Parks. Zu Kaiserzeiten wurden Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin als "Badewanne von Berlin" bekannt. Der Kaiser und die kaiserliche Familie kamen mehrfach zur Erholung in die Badeorte.

Heringsdorf wurde 1818 als namenslose Fischerkolonie angelegt und gehörte zum Rittergut Gothen. Es war der Besitzer der Herrschaft Gothen, Oberforstmeister von Bülow, der 1826 die ersten drei Logierhäuser für Badegäste erbauen ließ. 1823 war der Badebetrieb eröffnet worden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stieg Heringsdorf zum Modebad ersten Ranges auf und warf der von Geheimrat Delbrück gegründeten Aktiengesellschaft hohe Dividende ab. Die 1883 im griechisch-römischen Stil gestaltete Villa des jüdischen Bankiers Oechsler, mit einem Mosaikbild des Venezianers Antonio Salvati im Giebel der Nordseite, ist eines von vielen sehenswerten Häusern entlang der Promenade. Gegenüber befindet sich mit 508 Metern die längste bewirtschaftete Seebrücke Kontinentaleuropas.

Neben dem Kugelbrunnen befindet sich die Heringsdorfer Sole-Quelle. Die vierprozentige, jodhaltige Sole wird in der Ostseetherme für medizinische Anwendungen genutzt und bringt Bronchial- und Asthmakranken Linderung.

Auf der Flaniermeile können Besucher in der Sternwarte den Sternenhimmel erkunden. Die Sternwarte ist ein Geschenk des 1998 verstorbenen Dresdner Wissenschaftlers Professor Manfred von Ardenne, der in den 60er und 70er Jahren regelmäßig Sommergast war. Aber auch bekannte Schriftsteller, Musiker, Maler und Künstler, wie Theodor Fontane, Lyonel Feininger, der Maler Bernhard Schultze gaben und geben sich ein Stelldichein in Heringsdorf. In der Maxim-Gorki-Straße 13 wohnte 1922 der russische Dichter Maxim Gorki. Im "arabischen Zimmer" des Museums "Villa Irmgard" bewahrte der weitgereiste Schriftsteller Andenken aus Asien und Afrika auf. In der oberen Etage sind wechselnde Bilderausstellungen zu sehen.

Doch die Kaiserbäder haben nicht nur Strand und Meer, Kunst und Kultur zu bieten. Sport und andere Freizeitaktivitäten stehen hoch in der Gunst der Touristen. Dazu zählen Kutschfahrten ins beschauliche Hinterland oder Radtouren ins benachbarte Swinemünde. Der Heringsdorfer Wald mit seinen Rotbuchen, Nadelbäumen, seiner vielfältigen und abwechslungsreichen Flora und Fauna lockt Wander- und Naturfreunde das ganze Jahr über zu ausgiebigen Touren.

Bansin-Dorf

Bansin gilt als slawisches Wort unbekannter Herkunft, lässt also auf eine Besiedlung der Region mit diesem Namen in früher Zeit schließen. Es gibt in der Umgebung des Dorfes Bansin einzelne Fundstätten früherer Besiedlungsformen (Scherben aus slawischer und frühslawischer Zeit). Verbürgt ist der Name als Ortsname im Zusammenhang mit der Besitzübertragung des Dorfes zwischen einer weltlichen Herrin auf dem Festland und dem Kloster, das offensichtlich seine Besitztümer abrunden wollte. Diese Urkunde ist vorhanden und datiert von 1256. In den lateinisch verfassten Originalen dieser Urkunden wird Bansin in der Regel Banzino genannt. Dies war aber nie der Name, sondern nur seine für die Urkunden übliche lateinische Form. Eine Beschreibung des Ortes ist in dieser Urkunde nicht vorhanden.

Bekannt ist, dass am Ende des Dreißigjährigen Krieges kein Bansiner Haus mehr bewohnt war. Im Zusammenhang mit der Vermessung des Landes durch die schwedischen Herrscher im Jahre 1693 gibt es eine erste sehr genaue Beschreibung des Dorfes, in der sowohl eine Karte aus auch eine genaue Größe der Häuser und der Nutzbarkeit der dazugehörenden Äcker beschrieben ist. Es gab damals drei Häuser in Bansin, davon zwei als Kosseten genannt, also lehnsabhängige Kleinbauern und ein Verwalter, der offenbar direkt im Auftrag des Klosters tätig war. Es gab zu jener Zeit Wege, die nach Sallenthin (fünf Häuser) und Sellin (ebenfalls fünf Häuser) führten. Ein Weg führte nah am Schloonsee entlang zur Außenküste, denn im Nebenerwerb haben die Kosseten auf der Ostsee gefischt.

Die nächste bekannte und verlässliche Quelle ist die preußische Landvermessung von 1777. In der Zwischenzeit war ja die Insel Usedom an Preußen gegangen. Damals zählte man fünf Häuser. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die ältesten Häuser im heutigen Dorf Bansin zu diesen fünf Häusern zählten. Die jetzigen Besitzer haben teilweise Kenntnis über den Ursprung ihrer Häuser, der bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zurückreicht.

Im 19. Jahrhundert wächst die Bevölkerung Bansins, so dass man wirklich von einem Dorf sprechen kann. Am Ende des Jahrhunderts beginnt auch für Bansin die bis in die Gegenwart prägende Entwicklung zum Seebad. Es entstehen allerdings zwei nur lose miteinander verbundene Ortsteile, die zunächst rechtlich unabhängige Orte sind: Seebad Bansin und Alt-Bansin, wobei Alt-Bansin einige Häuser auf der Seeseite der Ahlbecker Chaussee und am Fischerweg zugeordnet werden. Im 20. Jahrhundert wächst das Seebad zum dominierenden Teil heran, das Dorf Bansin, wie es nun genannt wird, hat nur bedingt Anteil am Aufschwung im Seebad.

Seebad Bansin

Das Land, auf dem heute Seebad Bansins schöne Villen stehen, gehörte einst den Bauern aus Bansin-Dorf. Im Jahr 1897 wurden die ersten Villen und Hotels gebaut. Es gilt deshalb aus Gründungsjahr von Seebad Bansin und ist damit das jüngste der drei Kaiserbäder.

1896 erhielt der Ahlbecker Zimmerermeister Grünberg den Auftrag, zwei Badeanstalten mit sechs Kabinen in Bansin zu bauen. Sie wurden zu Beginn des Sommers in Betrieb genommen. Im gleichen Jahr wurde das Hotel Meeresstrand Bansin durch Maschinenmeister Heinrich Wille und seinen Schwager Kapitän Otto Rabiger gebaut. Nach fast 100 Jahren wurde der "Meeresstrand" 1993 abgerissen. Der 1924 angebaute Saal stand Jahrzehnte lang im Ruf, der größte und schönste Saal an der Ostseeküste zu sein. In den kommenden Jahren soll ein neues Grand Hotel gebaut werden.

Eines der beiden ersten Holzhäuser an der östlichen Bansiner Promenadenseite ist die 1897 erbaute Privatvilla "Asgard". Ein Bansiner Hotelier kaufte dieses Haus vor dem 1. Weltkrieg und baute nach Kriegsende die Villa zu einem noblen Café mit Weindiele um. Prominente Gäste aus nah und fern statteten diesem Restaurant einen Besuch ab.

Bei einer Einwohnerversammlung im Oktober 1900 im Hotel "Meeresstrand" wurde die Trennung vom alten Dorf Bansin beantragt. Mit der Zahlung einer Abfindungssumme von 4.000 Reichsmark durch das Seebad Bansin an das Dorf-Bansin erfolgte die Abtrennung.

1904 wurde im Seebad das Spritzenhaus mit Schlauchturm eingeweiht. Das altehrwürdige Seebad-Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr wurde Mitte der 90er Jahre umgebaut. Im Spritzenhaus befindet sich heute eine Bibliothek und zu Ehren des Bansiner Schriftstellers Hans Werner Richter - Gründer der Gruppe 47 - trägt das Gebäude seinen Namen. Die Gemeindevertretung von Seebad Bansin beschloss im Jahr 1902 die erste Kurtaxe zu erheben.

Das interessante Bau-Ensemble ist ohne Zweifel die Bergstraße. Prachtvolle und in den vergangenen Jahren aufwändig sanierte Villen, Pensionen und Hotels dokumentieren eindrucksvoll das gelungene Zusammenspiel von Historie und Moderne. Erhebend ist auch der Anblick von der Seeseite während einer Schiffsfahrt.

In den Jahren 1902 und 1903 entstand die Straße von Bansin nach Benz, die auch vom Ort Sallenthin tangiert wird.

Neu- und Alt-Sallenthin

In Sallenthin bietet sich ein herrlicher Blick auf den Gothensee. Hinter der "Bergmühle" vom Sieben-Seen-Berg hat man vom Aussichtsturm eine tolle Sicht auf Ostsee, Gothensee, Kachliner See, Großer und Kleiner Krebssee, Schmollensee, Achterwasser und Schloonsee. Zwischen den nahegelegenen Großen und Kleinen Krebsseen leuchten die Ziegeldächer der Häuser von Neu-Sallenthin.

An der Straße von Neu-Sallenthin nach Sellin biegt ein Wanderweg zur 55 m hohen Victoriahöhe ab. Er führt durch den herrlichen Usedomer Buchenwald. Auf dem Berg steht ein Stein zur Erinnerung an die preußische Königin Victoria. Anlässlich ihres Inselbesuches im Jahr 1866 unternahm die preußische Königin Victoria mit ihrer Dienerschaft eine Ausflug auf die bis dato unbenannte und somit namenlose Anhöhe im Walde zwischen Sallenthin und Sellin. Zum Gedenken an diesen hohen Besuch wurde an einem behauenen Feldstein eine gusseiserne Tafel eingelassen und dahinter eine Tanne gepflanzt. Diese Stelle in 53 Meter Höhe trägt seitdem den Namen "Victoriahöhe".

Sellin

Direkt in Sellin mit seinen reetgedeckten Häusern bietet sich den Touristen wohl einer der schönsten Blicke über die "Usedomer Schweiz" mit ihrer reizvollen Seenplatte. Am Rande des Selliner Waldes befindet sich mit dem Forsthaus "Fangel" ein beliebtes Ausflugscafé.

Über Sallenthin und Sellin gelangt man zudem auf einem Wanderweg um den Schmollensee. Die Strecke führt durch bewaldete Höhen und Niederungen und bietet immer wieder auch einen Blick auf das Gewässer.

Gothen

Gothen wurde erstmals am 12. Dezember 1342 urkundlich erwähnt. Gemeinsam bildeten Gothen, Mellenthin, Rieth und das Vorwerk Karlsruh ein Rittergut. Die eigenständige Gemeinde Gothen bestand bis 1953. Sie verfügte über 1.146,2 Hektar, eingeschlossen der Gothensee und der Gothener Forst. Heute gehört Gothen zur Gemeinde Ostseebad Heringsdorf. In Gothen leben etwa 120 Einwohner und der Ort hat 38 Häuser.

Auf Initiative von Heinz-M. Eggebrecht hat der idyllische Ort im Jahr 2006 zwei Naturdenkmale zuerkannt bekommen. Dabei handelt es sich um eine etwa 200 Jahre alte Rotbuche, die in der Bevölkerung Rittergutsbuche genannt wird und am Ziegeleiweg zu finden ist. Der andere Baum, eine zirka 150-jährige Traubeneiche, unter dem Namen Fischereiche bekannt, steht am Weg zwischen Gothen und Käubs einem ehemaligen Mühlen- und Fischerort. Beide Bäume sind von Gattern umgeben und an der alten Eiche können Wandersleute auf einer Bank Rast machen.

Ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges wurde im Jahr 1922 durch den pommerschen Präsidenten und den Bürgermeister von Gothen eingeweiht.

Seit 15 Jahren gibt es die Jagdgenossenschaft "Gothen/Neuhof". 119 Jagdgenossen, ein Jagdpächter und ein Jäger kümmern sich um das 333 Hektar große Revier. Dort halten sich Hirsche, Rehe, Dam- und Schwarzwild, Fuchs, Hasen, alle Arten Gänse, Enten und Tauben sowie Dachs, Enok, Mink, Waschbär, Baum- und Steinmarder, Bisam, Wiesel und Iltis auf.

Seit 1984 gibt es einen Fan-Club, der sich Arbeits-Team Storch-Natur-Heimatfreunde "Vorpommerania" nennt. Am Eggebrechtschen Hof gibt es an der Giebelseite des Stalles eine umfangreiche Informationstafel. Auf dieser sind seit über 20 Jahren alle Ankunfts- und Abflugsdaten der Störche, Brutergebnisse und Besonderheiten, aber auch besondere Ereignisse aus der pommerschen Geschichte oder prominente Besucher aus aller Welt vermerkt. Ein kleines Storchen-Café lädt in den Sommermonaten zum Verweilen ein.