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Geschichtliche Entwicklung

Die Gemeinde Meißner entstand im Zuge der Gebietsreform 1971 durch den Zusammenschluss der Ortschaften Abterode, Alberode, Germerode, Vockerode, Weidenhausen und Wellingerode; das Dorf Wolfterode kam im Jahr 1974 hinzu. Insgesamt bedeckt das Gemeindegebiet mit seinen Ortsteilen eine Fläche von 44,81 qkm, davon entfallen ca. 56,6% auf landwirtschaftlich genutzte Flächen und ca. 33,5% auf bewaldetes Gebiet. Die Gemeinde befindet sich im nördlichen Teil des Altkreises Eschwege am nordöstlichen Fuß des Meißnermassives in dem sich zum Werratal erstreckenden Meißnervorland. Zur Zeit leben ca. 3.400 Einwohner in Meißner.

Abterode
Abterode, eingebettet in die Zechsteinhügellandschaft des Meißnervorlandes, ist eine ehemalige Bergarbeitersiedlung und heute Sitz der Gemeindeverwaltung.

Der Ursprung des Ortes geht wahrscheinlich auf den Abt Ruthard von Fulda zurück, der um 1076 im Meißnervorland eine Abtei "Abbetesrode" gründete. Die Kirche war dem heiligen Vincentius und dem heiligen Bonifatius geweiht. Um diese Kirche herum entwickelte sich im Laufe der Zeit eine ringförmige Ansiedlung. Der Propstei, die über beträchtlichen Landbesitz verfügte, war jedoch keine lange Blütezeit beschieden. Die als Vögte eingesetzten Grafen von Bilstein bedrängten das Kloster mehr, als dass sie es schützten. Auch die Gründung des Prämonstratenserklosters Germerode wirkte sich nachteilig aus. Die Propstei wurde schließlich dem örtlichen Pfarrer unterstellt. So besteht noch heute ein großer Teil der Abteröder Flur aus Pfarreiland. Im Jahre 1527 wurde die Reformation im Kirchspiel Abterode durchgeführt, die Propstei folgte erst 1541. Als erster Pfarrer und Propst wurde Burkart Waldis (1490 - 1556) berufen, der als Dichter bekannt wurde und literarische Bedeutung erlangte.

Von wirtschaftlicher Bedeutung für die Bewohner Abterodes war in früherer Zeit der Kupferschiefer- und später der Schwerspatbergbau im Bilsteiner Revier, worauf noch die Namen Kupferbach und "die Bergfreiheit" hinweisen. Hier wohnten einmal die Bergleute. Der Fuhrhandel spielte hier im Gegensatz zu den anderen Dörfern rund um den Meißner eine weniger bedeutende Rolle. Von der Bedeutung der bergbaulichen Aktivität auf Kupferschiefer im Höllental zeugen die dort befindliche Schmelzhütte sowie die Bergfreiheit in Abterode. Die ehemalige Grube Gustav wird heute als Besucherbergwerk genutzt.

Für die Ortsgeschichte Abterodes war die große jüdische Gemeinde bedeutsam, von der noch heute der Friedhof, die ehemalige Synagoge und ehemalige Schule architektonisches Zeugnis ablegen.

Anziehungspunkt sind ferner die am Ostrand Abterodes gelegene gotische "Totenkirche", die seit ihrer Zerstörung im Jahr 1809 nur noch als Ruine erhalten ist sowie der alte Friedhof mit wertvollen Barockgrabsteinen. Unweit davon erhebt sich der "Todstein", ein bizarrer Dolomitfels. Wegen seiner charakteristischen Form, die durch Verwitterung entstand, wird er im Volksmund auch "der Bär" genannt.

Abterode war darüber hinaus bis ins 20. Jahrhundert Sitz eines Amtsgerichtes, Nachfolgerin des ehemaligen "Gerichtes Bilstein".

Alberode
Alberode, ist mit ca. 125 Einwohnern der kleinste Ortsteil der Gemeinde Meißner und wurde erstmalig im Jahre 1276 als "Alvolderode" erwähnt. Das Dorf liegt zu Füßen des Komberges im südlichen Meißnervorland, zwischen zwei bewaldeten Hügeln. Von dort hat man eine herrliche Aussicht in die Werraregion und zum Thüringer Wald.

Die Gestalt des Ortskernes bestimmt die 1823 geweihte evangelische Pfarrkirche des Baumeisters J. F. Matthei. Im Rang eines Kulturdenkmals sind darüber hinaus noch einige ortstypische, um 1800 entstandene Wohn- und Wirtschaftsgebäude erhalten.

Da der Ortsteil weder Quellen noch Bäche hat, litt er in früheren Zeiten sehr unter Wassermangel. Eine Besserung trat erst mit der Gründung des Verbandswasserwerkes Meißner im Jahre 1912 ein.

Das außerhalb gelegene Gut "Mönchhof" ist ebenfalls ein sehenswertes Baudenkmal.

Germerode
Germerode, südöstlich des Vierbachs gelegen, wurde im Jahr 1186 zum ersten Mal urkundlich erwähnt und ist heute staatlich anerkannter Luftkurort und Mittelpunkt des Fremdenverkehrs.

Bereits in den Jahren 1144/55 wurde hier das von den Grafen von Bilstein als Hauskloster angelegte Prämonstratenser-Doppelkloster als Stift für die Angehörigen des hessischen niederen Adels gegründet. Es gilt als eines der bedeutendsten Bauwerke Nordhessens. Unter dem erhöhten Chor der Klosterkirche, die in den fünfziger Jahren stilgetreu restauriert wurde, befindet sich die Krypta des Bilsteiner Grafengeschlechtes. Im Zuge der Reformation wurde das Stift im Jahre 1527 aufgelöst und eine Vogtei gebildet.

Die Besiedelung Germerodes erfolgte entlang der beiden Straßenzüge "Vierbacher Straße" und "Klosterfreiheit".

Das östlich von Germerode gelegene Gut Mönchhof war lange Zeit ein Vorwerk des Klosters. Seit mehr als 100 Jahren ist es in Privatbesitz.

An vorchristliche Tradition knüpft wahrscheinlich die am Sonntag vor Pfingsten begangene Salatkirmes an, bei der ein in ein buntes Gewand gekleideter Jüngling als "Frühlingsläufer" den Festzug mit munteren Sprüngen anführt.

Außerhalb des Ortes befindet sich der 30 ha große Bergwildpark. Dieser lockt jährlich Tausende von Besuchern an. Sie finden dort viele verschiedene Tiere, eine Falknerei, das Waldmuseum sowie einen großen Kinderspielplatz und eine Gaststätte.

Vockerode
Das ehemalige königliche Gut "Vockenrod" wurde bereits im Jahr 1074 erstmalig in einer Urkunde erwähnt, die den Besitzwechsel des Ortes in die Hände des Bischofs von Bamberg regelte.

Die Anlage geht aber wahrscheinlich schon auf ein von Franken im 7. Jahrhundert dort gegründetes Reichsvorwerk zurück, das rein wirtschaftlichen Zwecken diente. Die Verwaltung lag in den Händen eines Vogts, woher sich der Name erklärt.

Ende des 14. Jahrhunderts gelangte der Ort in den Herrschaftsbereich der hessischen Landgrafen.

Um die in ihrem Kern erhaltene gotische Pfarrkirche erstreckt sich in einer nahezu lückenlos erhaltenen historischen Bebauung entlang der Kirchstraße der Ortskern. Im Verlauf der heutigen Durchgangsstraße, der Schwalbenthaler Straße, erheben sich sporadisch historische Hofanlagen im Rang eines schützenswerten Kulturdenkmals, deren Erbauungszeit bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht.

Der Ort ist Ausgangspunkt für herrliche Meißnerwanderungen. Oberhalb Vockerodes liegt von Mischwald umgeben das Jugenddorf des Werra-Meißner-Kreises. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch die alpine Abfahrtsstrecke des Ski-Clubs Meißner sowie das Skiheim. Unweit des Forsthauses befindet sich eine ansprechende Freizeitanlage sowie der Gedenkstein für den Gründer des Werratalvereins, Professor Bernhard Pontani.

Von hier bietet sich ein eindrucksvoller Blick über das Eschweger Becken zum Eichsfeld, Ringgau und Thüringer Wald.

Die in der Gemarkung Vockerode befindlichen Eingänge des Carlstollen und neuen Erbstollen sowie die Halde und das Schwalbenthal erinnern an den früheren Bergbau am Meißner.

Außerdem ist Vockerode die Heimat der grimmschen Märchenfiguren Gold- und Pechmarie, die beide als Bronzefiguren auf ihren Brunnen sitzen.

Weidenhausen
Weidenhausen wurde erstmals im Jahr 1301 urkundlich erwähnt. Zu diesem Zeitpunkt gelangten die Güter der Grafen von Bilstein in die Hände der hessischen Landgrafen. Von der verwaltungsgeschichtlichen Bedeutung des Ortes Weidenhausen im Spätmittelalter zeugt das Chattenloh, eine ehemalige Gerichtsstätte des Amtes Bilstein. Das "Hohe Gericht Katzenloh" genoss großes Ansehen und hatte das Recht, die Todesstrafe auszusprechen.

Im 18. Jahrhundert kam es durch Salz- und Weinhandel zum wirtschaftlichen Aufschwung des Ortes. Große, heute noch vorhandene Weinkeller zeugen vom händlerischen Geschick der ehemaligen Fuhrleute. Deren Häuser prägen auch den Ortskern durch ihre Fachwerkarchitektur. Neben dem Fuhrbetrieb war die Leinweberei bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts Haupterwerbstätigkeit der Bewohner Weidenhausens.

Wellingerode
Wellingerode, ein altes Reihendorf, wurde 1338 erstmals erwähnt. Die wirtschaftliche Entwicklung wurde seit dem 18. Jahrhundert hauptsächlich durch den Fuhrhandel mit Salz und Wein bestimmt. Die Einwohner, die an der Straße vom Höllental nach Abterode, der heutigen Walrodstraße, siedelten, mussten auf Grund der schlechten wirtschaftlichen Ertragslage als Salzträger, Fuhrleute, Maurer, Bergleute in den Kupferschieferstollen des Ebersberges und Höllentales und Leinenweber ihren Lebensunterhalt verdienen.

Bekannt ist Wellingerode auch als "Dorf der Krippen". So findet man in der Vorweihnachtszeit in fast jedem Vorgarten eine individuell gestaltete Krippe. Darüber hinaus können die Bewohner mit einer Besonderheit aufwarten: In Wellingerode steht die einzige privat betriebene Telefonzelle Deutschlands.

Wolfterode
Wolfterode, der nördlichste Ort der Gemeinde Meißner, liegt unterhalb des Zusammenflusses von Hollenbach und Ziegenbach. Er entstand im Zuge von Rodungen im 10. Jahrhundert aus einem am Mühlstein gelegenen Eigenhof der Grafen von Bilstein und wurde 1195 das erste Mal urkundlich erwähnt. Durch Zuzug aus mehreren wüst gewordenen Orten in der Nachbarschaft wuchs die Siedlung zum Dorf heran, das dem Kloster Germerode geschenkt wurde. Nach der Säkularisierung im Jahr 1527 fiel der Besitz an die Landgrafen von Hessen.

Mittelpunkt des Ortes ist die 1334 erstmals erwähnte gotische Kirche mit vorreformatorischen Wand- und Deckengemälden. Die freigelegte Bemalung, der gotische Chor, zwei Köpfe und mehrere Skulpturen sind kunstgeschichtlich interessant.

Eine aus Zechsteinkalk ausgewaschene Halbhöhle, die an die Form eines aufrecht stehenden Mühlsteins erinnert, stellt eine weitere Sehenswürdigkeit dar.

Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts kamen die Bauern zu eigenem Landbesitz und in der Folge zu einem bescheidenen Wohlstand, der durch den Fuhrhandel gemehrt wurde.