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Die Geschichte Brieselangs und seiner Ortsteile Bredow und Zeestow

Brieselang

Als vorgelagerte Befestigungsanlage von Vehlefanz wird im Jahr 1315, noch unter dem Namen "Brisenlank", der Ort das erste Mal urkundlich erwähnt. Der Name wird vom slawischen "breza" abgeleitet und bedeutet "Birkenland". 1925 wurde Brieselang als selbständige Landgemeinde gegründet. Der Name greift eine Landschaftsbezeichnung auf, die auch Theodor Fontane in seinen Erzählungen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" erwähnt. Aus Berlin stammende Ansiedler suchten auf der Flucht vor engen und durch die vielen Kohleheizungen ungesunden Berliner Mietskasernen eine Bleibe im Grünen für ihre Familien.
Der niedrige Baulandpreis, aber auch die in Mode gekommene Gartenstadtbewegung mögen die meisten veranlasst haben, sich hier unter zuerst schwierigen Bedingungen anzusiedeln. Viel Gemeinsinn und Pioniergeist gehörten dazu, aus den damaligen oft überschwemmten Feldern und Wiesen die heute freundliche Siedlung zu gestalten. Diese Erfahrung war und ist prägend für den Geist des Ortes und führt dazu, dass sich neue Bürger in dem Ort schnell heimisch fühlen. Die noch sichtbaren und gepflegten Gräben im Siedlungsgebiet zeugen von vergangenen Mühen und von der weitsichtigen Arbeit unserer Vorgänger.

Der Ortsteil Bredow

Der heutige Ortsteil Bredow ist eine der ältesten Siedlungen in der Mark. Der Bischof der Stadt Brandenburg erwähnt Bredow bereits in einer Urkunde im Jahre 1208. Aus der Zeit 600 bis 400 v. Chr. Geburt stammen verschiedene Funde, die im "Museum für Völkerkunde" in Berlin lagern. Urnen, Urnenscherben und Münzfunde lassen erkennen, dass hier eine slawische Siedlung existiert hat.

Im Jahre 1240 zu Markgrafs Ottos Zeit werden zum ersten Mal die Herren von Bredow namentlich in einer Urkunde erwähnt. Im Jahre 1309 wird in einem Lehnsbrief neben Matthias von Bredow noch der Ritter Brösigke, als Inhaber von Besitztümern in Bredow genannt. Auch gehen aus dem Lehnsbrief die damaligen Abgabenverpflichtungen der Bredower hervor. Matthias von Bredow zahlte dem Markgrafen Woldemar für die Belehnung des Dorfes Bredow 206 Mark in Silber, was damals einem stattlichen Vermögen von etwa 10.000 Taler entsprach.

Am 29. August 1373 bestätigte Kaiser Karl IV. und König Wenzel die von Bredow im Besitz ihrer Güter und Rechte. Dies deutet darauf hin, dass es sich um ein sehr einflussreiches Geschlecht handelte. Im Jahre 1375, in dem Karl IV. das älteste Landbuch der Mark, welches heute im Staatsarchiv Brandenburgs aufbewahrt wird, aufzeichnen ließ, war der Grundbesitz in Bredow als in ungewöhnlichem Maße geordnet und ertragreich anzusehen, so dass die Vermutung nahe liegt, dass das Dorf schon sehr lange vor 1208 bestanden hat.

Verheerend war das Jahr 1625 für Bredow. In diesem Jahr wurde Bredow während des Dreißigjährigen Krieges durch die Truppen des Grafen von Mansfeld fast vollständig vernichtet. Die Bewohner flüchteten in die Festung Spandau. Die Herren von Bredow verstanden es aber, das Dorf wieder aufzubauen. Dieser Aufbau hielt nicht sehr lange. Schon 1638 wurde Bredow von den "Jensischen Reitern" erneut verwüstet und vollständig niedergebrannt. Wiederum wurde Bredow dank des starken Engagements der Familie von Bredow wieder aufgebaut.
1806/07, also in der Zeit der napoleonischen Kriege, wurde Bredow von den Franzosen dreimal geplündert und wirtschaftlich ruiniert. Immer wieder gelang den Bewohnern des Ortes mit Hilfe der Gutsbesitzer ein wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Neuanfang. Das Rittergut selbst entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer Musterwirtschaft, die es weit und breit bekannt werden ließ. 1835 wurde die heutige Gaststätte Grünefeld errichtet, ein wichtiges Ereignis für den Ort, das von Zuversicht zeugte. 1859 und 1895 brachen Feuer aus und zerstörte jeweils fast das ganze Dorf. Auch danach gelang in verhältnismäßig kurzer Zeit ein Wiederaufbau des Dorfes.
Über die Geschehnisse während des Dritten Reiches liegen für die drei Ortsbereiche so gut wie keine Abhandlungen vor. Es bleibt zu hoffen, dass Historiker und Ortschronisten noch Licht ins Dunkel jener Jahre bringen. Auch die Entwicklung der Ortsteile von 1945 bis 1989 bedarf der Aufarbeitung.

Der Ortsteil Zeestow

Der Ortsteil Zeestow fand als "Zcesto" erstmals 1346 schriftliche Erwähnung und stammt ebenfalls aus slawischer Besiedlungsgeschichte. Der Name des Dorfes, wird von Historikern vom slawischen Wort "cesta" für "Straße" - abgeleitet: Über Zeestow soll eine uralte Straße geführt haben. Steinbeile, Hämmer, Speerspitzen, Tonscherben, Halsschmuck aus Bronze und Spinnwirteln sind Schätze, die in der Zeestower Feldmark gefunden wurden. Diese prähistorischen Funde der sogenannten Hallstätter Zeit bezeugen, dass es schon 600 bis 400 vor Christi slawische Ansiedelungen in dieser Gegend gegeben haben muss. Slawischen Ursprungs ist vermutlich auch ein Burgwall in den Wiesen. Nach den Aufzeichnungen im Schlossregister von 1450 befand sich Zeestow im Besitz der Familie Broske (Brösigke).

Es sind leider keine Details aus der Zeit des 30 jährigen Krieges oder der Napoleonischen Herrschaft überliefert. Wegen dieses gewaltigen Einschnittes in die Entwicklung des Dorfes sind die ältesten baulichen Zeugnisse aus der Vergangenheit nicht älter als annähernd 150 Jahre alt. Heute gehört schon viel Fantasie dazu, sich das frühere Leben in diesem Dorf vorzustellen. Die einstmals stolze Windmühle, um 1742 von dem Wustermarker Müller Schüler errichtet und einige Male den Besitzer wechselnd, ist längst nicht mehr vorhanden.

Im Jahre 1840 verzeichneten das Dorf Zeestow und zwei Rittergüter nebst 23 Wohnhäusern, insgesamt 268 Einwohner. Durch ein verheerendes Feuer im Sommer 1847 wurde ein großer Teil des Dorfes zerstört. Der Brand brach nachmittags aus, als bereits die gesamte Ernte eingebracht war.

Zwei Tage lang loderten die Flammen aus Rohrdächern und Dunghaufen an den Tagelöhnerhäusern, auf Gütern und Gehöften. Auch das Jägerhaus, die Schule und die Kirche waren nicht mehr zu retten. Jedoch ein Jahr später waren viele Gebäude bereits wieder neu errichtet. Die Kirche wurde neu erbaut und öffnete 1850 den Gläubigen die Pforten und gehört heute noch zu den vorhandenen Baudenkmälern.

Wer heute nach Zeestow kommt, dem fällt am südlichen Ortseingang die stillgelegte LPG mit den benachbarten ebenso im traditionellen Fachwerkstil errichteten zweigeschossigen Wirtschaftsgebäuden ins Auge. Zu den Blickpunkten gehört die ebenfalls wie der Speicher in den 20er Jahren errichtete Brennerei. Beide Gebäude sollten als denkmalwürdig erhalten bleiben und wurden zum Teil bereits für eine neue Nutzung saniert. Zu den ortsbildprägenden Gebäuden gehören die Kirche und das ehemalige Pfarrhaus in der Dorfmitte sowie das in den vergangenen Jahrzehnten als Gaststätte und Kulturhaus der Gemeinde genutzte frühere Gutshaus.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden in Zeestow zwischen 1945 und 1949 rund 385 Hektar enteignet, 292 ha davon auf 94 neue Eigentümer aufgeteilt. Der Boden ging an 24 landlose Bauern und Landarbeiter, 21 Umsiedler, 48 Kleinpächter und einen Nichtlandwirtschaftler, wie die Ortschronik beschreibt. Neubauernhäuser entstanden vor allem am Neuen Weg, am Wernitzer Weg und Brieselanger Straße, womit sich der Ort in westlicher Richtung ausdehnte und sich ein überschaubares Kleinsiedlungsgebiet bildete.

Amtsbildung und Gemeindefusion

1992 entstand das Amt Brieselang, wodurch Zeestow zusammen mit Bredow und Brieselang unter eine gemeinsame Verwaltung gestellt wurde. Im Oktober 2003 bildeten die selbständigen Gemeinden Bredow, Brieselang und Zeestow mit der Gebietsreform im Lande Brandenburg die neue, amtsfreie Gemeinde Brieselang. Bredow und Zeestow wurden nach Brieselang als Ortsteile eingegliedert.