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Geschichte und Gegenwart

Eine Mainbiegung gab Bischofsheim den Namen
Kein Bischof, sondern die Lage an einer Mainbiegung gab Bischofsheim seinen Namen (bieschen = biegen). Die erste urkundliche Erwähnung findet sich im 11. Jahrhundert als "Bissescheim circa menum" (Bissescheim in der Nähe des Mains).

Geteilte Gemeinde:
Bischofsheim im Besitz zweier Grundherren
Eine enge Beziehung von Bischofsheim zu Mainz zeigte sich schon um das Jahr 1200. Zu dieser Zeit war der Ort ein Teil der "Megunzer Mark" (Mainzer Mark). Bis 1225 besitzen die Herren von Hagen-Münzenberg die Ortsherrschaft. Ab 1331 gehört der Ort zwei Grundherren: dem Grafen Rudolf von Wertheim und Gottfried von Eppstein. In Bischofsheim amtieren deshalb gleich zwei Schultheiße als Ortsoberhaupt. Die Zweiteilung des Dorfes währt insgesamt 248 Jahre. Der Eppsteiner Anteil kommt im Jahre 1478 über die Herren von Erlenbach dem Grafen Philipp von Katzenelnbogen zu. Dessen Tochter Anna heiratet den Landgrafen Heinrich III. Damit fällt ein Teil von Bischofsheim an Hessen. Der Wertheimer Besitz geht 1348 durch Verkauf an das Erzstift Mainz. Nach weiterem Besitzerwechsel erwirbt schließlich Landgraf Georg I. von Hessen im Jahre 1579 den zweiten Teil von Bischofsheim. Damit ist die ganze Gemeinde hessisch.

Der Dreißigjährige Krieg verschonte auch den geeinten Ort nicht. Waren es im Jahr 1629 noch 455 Einwohner, so wurden durch Mord, Verwüstung und Pest im Jahr 1641 nur noch 63 Bewohner in Bischofsheim gezählt. Nachdem 1648 der Westfälische Frieden die Kriegswirren beendet und sich auch die Spuren der grassierenden Pest verwischen, kehrt wieder Ruhe und Ordnung ein. Im Jahre 1651 wird als eines der ersten neuen Häuser ein Rathaus gebaut, das heute als Museum dient. Friedliche Zeiten sind rar. Weitere Kriege folgten. 1806 wird aus der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt das Großherzogtum Hessen.

Kurzes Zwischenspiel:
Bischofsheim wird Stadtteil von Mainz
Insgesamt 351 Jahre gehört das geeinte Bischofsheim zu Hessen, bis es 1930, wie auch Ginsheim-Gustavsburg, Kastel, Kostheim und Amöneburg, ein Stadtteil von Mainz wird. Nach dem Zweiten Weltkrieg wieder der Wechsel: Die rechtsrheinischen Gemeinden werden, durch eine Entscheidung der Kriegsgewinner, Hessen zugeschlagen. Nach 15 Jahren endet die Zugehörigkeit zur Stadt Mainz. Ab 1945 bis heute gehört Bischofsheim zum Landkreis Groß-Gerau. Die Bahnstation heißt dennoch weiterhin "Mainz-Bischofsheim".

Mit der Bahn wächst die Bedeutung: Bischofsheim mit großem Verschiebebahnhof
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war Bischofsheim landwirtschaftlich geprägt. Mit dem Eisenbahnbau bricht auch in diesem bäuerlichen Dorf das technische Zeitalter an. Am 1. August 1858 eröffnet die Hessische Ludwigsbahn-Gesellschaft ihre zunächst eingleisige Strecke von Aschaffenburg über Darmstadt nach Bischofsheim und Gustavsburg. Über eine Fährverbindung gelangen die Reisenden und Transportgüter nach Mainz. Im Dezember 1862 wird die Mainzer Südbrücke fertiggestellt. Damit kann die Eisenbahn endlich den Rhein überwinden. Im gleichen Jahr folgte die von der Ludwigsbahn abzweigende Mainbahn nach Frankfurt. Nach Errichtung der Mainzer Umgehungsbahn mit der Kaiserbrücke und der Hochheimer Eisenbahnbrücke und der Erbauung des Bischofsheimer Güterbahnhofs kommt es zu einer Trennung von Personen- und Güterverkehr. Damit hat Bischofsheim zwei Bahnhöfe und wird zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt im Großraum Mainz-Wiesbaden.

Von der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert bis in die 1960er Jahre entwickelte sich der Bahnhof Bischofsheim zu einem der größten Güter- und Verschiebebahnhöfe Südwestdeutschlands mit Zugbildungen durch den Gotthardtunnel nach Norditalien und durch das Rheintal zum Rotterdamer Hafen. Seit den 1970er Jahren hat Bischofsheim diesen besonderen Status aber wieder eingebüßt.

Der 1912 errichtete Wasserturm ist heute das Wahrzeichen der Gemeinde. Er erinnert an die großen Zeiten der Dampfloks, von denen mehr als 100 in Bischofsheim beheimatet waren.

Bischofsheim im Wandel:
Vom Bauerndorf zur Eisenbahnergemeinde
Neben den bäuerlichen Betrieben siedelten sich in Bischofsheim mit dem Bau der Ludwigsbahn viele Arbeiter mit ihren Familien an. Mit der Entwicklung zum großen Güter- und Verschiebebahnhof fanden viele Eisenbahner aus ganz Deutschland in Bischofsheim ein neues Zuhause. Durch den Zuzug von Arbeitskräften, die auch bei der Firma Opel in Rüsselsheim oder der MAN in Gustavsburg beschäftigt waren, kletterte die Einwohnerzahl von 1870 bis 1911 auf 4 500. Aus dem Bauerndorf wird eine Eisenbahnergemeinde. Die Herausforderung: Neuer Wohnraum musste geschaffen werden. Sehr ins Staunen geriet die Bevölkerung, als 1927/28 die Wohnsiedlung "Am Alten Gerauer Weg" mit damals unüblichen flachen Dächern gebaut wurde. Die inzwischen unter Denkmalschutz stehende Siedlung wird bis heute im Volksmund "Jerusalem" genannt, weil sich die Bischofsheimer bei diesen Bauten an den Vorderen Orient erinnert fühlten.

Zweiter Weltkrieg:
Wegen Bahnhof Bomben auf Bischofsheim
Wie schon im Ersten Weltkrieg, spielte der Bischofsheimer Bahnhof als Eisenbahnknotenpunkt auch während des Zweiten Weltkrieges eine wichtige Rolle. Deshalb wurden der Ort und der Verschiebebahnhof Mainz-Bischofsheim Ziel schwerer Bombenangriffe. Als am 25. März 1945 amerikanische Truppen in den Ort einmarschieren, waren 60 Häuser vollständig zerstört. Weitere 65 Häuser waren schwer und 446 Häuser leicht beschädigt. Mehr als 120 Einwohner überlebten die Bombenangriffe auf Bischofsheim nicht.

Nach dem Krieg legten die französischen und amerikanischen Besatzungsmächte den Rhein als Grenze ihrer Besatzungszonen fest. Mainz lag in der französischen Zone und wurde 1947 die Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz. Die rechtsrheinischen Mainzer Stadtteile, und damit auch Bischofsheim, lagen in der amerikanischen Zone und wurden dem neu gegründeten Land Hessen zugeteilt. Während die drei Stadtteile nördlich des Mains (Mainz-Amöneburg, Mainz-Kastel, Mainz-Kostheim) zur Stadt Wiesbaden gelangten, wurden Bischofsheim und das benachbarte Ginsheim-Gustavsburg wieder eigenständige Gemeinden.

Die Gemeinde in der Gegenwart:
Bischofsheim bietet bunte Vielfalt

Bischofsheim, erst Bauerndorf, dann Eisenbahnergemeinde, bietet seinen Einwohnern sowohl dörfliches Leben mit vielen Vereinen als auch multikulturelles Miteinander. Menschen aus vielen Nationen haben hier eine Heimat gefunden. Wohn- und Lebensqualität bietet nicht nur die historische Ortsmitte mit Fachwerkhäusern, sondern auch die Wohngebiete mit viel Grün. Ein lebendiger Ortskern mit Geschäften, aber auch die umliegenden Großmärkte sorgen für kurze Einkaufswege. Die Gemeinde vereint ländliches Wohnen und verkehrsgünstige Lage mit der Möglichkeit, schnell mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem eigenen Auto an seinen Arbeitsplatz zu kommen. Viele Pendler und andere Reisende nutzen gerne den Bischofsheimer Bahnhof. Dieser bietet Direktverbindungen mit den S-Bahnen und Regionalbahnen nach Frankfurt, Wiesbaden, Mainz und Darmstadt. Die Nähe und gute Verkehrsanbindung zum Frankfurter Flughafen wird von Firmen und Ferienreisenden geschätzt. Gleichzeitig bedeutet diese Nachbarschaft für Bischofsheim auch eine große Lärmbelastung.

Gemeinsam gefeiert wird in Bischofsheim gerne. Ob es die Fastnachtszeit mit Sitzungen und dem Fastnachtsumzug oder die Bischofsheimer Kerb ist - auf Bischofsheims Straßen ist immer etwas los.

Wappen
Das Wappen der Gemeinde Bischofsheim zeigt ein quergeteiltes Schild. Im oberen Teil ist der hessische Löwe zu erkennen. Im unteren Teil sind zwei Kreise zu sehen, die durch einen Bogen in Verbindung stehen. Die untere Darstellung ist schon auf einem Bischofsheimer Gerichtssiegel von 1582 zu erkennen.

Ursprünglich sei das Gebilde nur scherzhaft als Brille bezeichnet worden, vermerkte Lehrer, Maler und Heimatforscher Georg Mangold (1863 bis 1945). Das heutige Wappen wurde 1926 auf Veranlassung des Hessischen Ministeriums angefertigt und hat das Gerichtssiegel als Grundlage. In der Urkunde zur Führung des Wappens (datiert auf den 27.10.1926) wird dessen Aussehen wie folgt beschrieben: "Schild geteilt. Oben in Blau ein aus der Teilung wachsender, golden gekrönter und bewehrter, fünfmal von Silber und Rot geteilter Löwe; unten in Silber eine Brille mit schwarzer Einfassung."